Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Von Lage überzeugt

10. Dezember 2015 | Von | Kategorie: Wirtschaft 

Top-Entscheider trafen sich zur Logistik-Nacht
Schneller, vernetzter, internationaler. Kaum eine Branche steht unter so hohem Zeit- und Kostendruck wie die Logistik. Wer sich im Wettbewerb dauerhaft behaupten möchte, muss seine Abläufe perfektionieren, sich aber auch die Standortfrage stellen. Beliebt weil Erfolg versprechend ist Nordhessen. Zentral in Deutschland gelegen, mausert sich die Region zunehmend zur Logistikdrehscheibe. Auf Einladung des Regionalmanagements und der Partner Goldbeck Nord, Jungheinrich, Rudolph Logistik Gruppe und IDI Gazeley trafen sich Anfang Oktober rund 70 Logistikexperten aus dem gesamten Bundesgebiet, um sich auf der sechsten Logistik-Nacht von der Leistungsfähigkeit Nordhessens zu überzeugen.

Die Teilnehmer der Logistik-Nacht 2015 stellten sich nach der Betriebsbesichtigung in Gudensberg zum Gruppenfoto auf (oben). Im Anschluss an den fachlichen Teil ging es in der Weinkirche in Kassel um Geselligkeit und Netzwerken (links). Für Unterhaltung sorgte dabei auch Comedian Gerrit von Bamberg. Foto: Bernd Schoelzchen

Die Teilnehmer der Logistik-Nacht 2015 stellten sich nach der Betriebsbesichtigung in Gudensberg zum Gruppenfoto auf (oben). Im Anschluss an den fachlichen Teil ging es in der Weinkirche in Kassel um Geselligkeit und Netzwerken (links). Für Unterhaltung sorgte dabei auch Comedian Gerrit von Bamberg. Foto: Bernd Schoelzchen

Als innovatives Event mit den Top-Entscheidern der Branche beschrieb Regionalmanager Holger Schach die Logistik-Nacht bei der Begrüßung der Teilnehmer im Hotel Reiss. „Es geht darum, dass wir Ihnen als Region zeigen, wie das hier funktioniert. Möglicherweise ergeben sich daraus interessante Ansatzpunkte und neue Geschäftskooperationen“, so Schach, der ein unterhaltsames Programm und beste Networking-Möglichkeiten in Aussicht stellte.

Kürzeste Cut-Off-Zeit
Warum die Region für Logistikunternehmen attraktiv ist, skizzierte Schach unter anderem anhand der Cut-Off-Zeit. Sie beschreibt den spätesten Annahmezeitpunkt für Sendungen mit der Zusicherung, dass diese am nächsten Tag an jedem Ort in ganz Deutschland pünktlich beim Adressaten sind. Nordhessen habe bundesweit die kürzeste Cut-Off-Zeit und könne damit punkten.

Andere hessische Regionen blickten mit Neid nach Nordhessen und den habe man sich hart erarbeitet, ließ Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke wissen, der weitere Stärken beschrieb. „In dieser Region ist nicht nur die Lage gut, auch die Behörden sind es“, unterstrich er. Ebenso seien Bindung und Treue der Nordhessen zu ihren Arbeitgebern ausgeprägt und das Lohnniveau nicht überzogen. In Sachen Fläche und Infrastruktur habe man ebenfalls einiges zu bieten.

Zentrallager in Gudensberg
Vorteile, die bereits viele Versandhändler nach Nordhessen gezogen haben und die Region zu einem der führenden Standorte der Distributionslogistik werden ließen. Zu ihnen gehört auch das Unternehmen Manufactum, dessen Zentrallager sich seit 2009 in Gudensberg befindet und von der Rudolph Logistik Gruppe betrieben wird. Das Unternehmen mit Sitz in Waltrop, NRW, betreibt Warenhäuser in verschiedenen Metropolen Deutschlands, setzt aber hauptsächlich auf den Vertrieb von Artikeln via Katalog und Internet. Einziges Lager: Gudensberg.

Empfangen von Reinhard Braun, Vice-President Industry bei Rudolph, hatten die Teilnehmer der Logistik-Nacht Gelegenheit, das Manufactum-Logistikzentrum zu besichtigen. „Wir beliefern von hier aus sowohl den Endkunden, als auch die Warenhäuser“, so Braun. 14.000 Artikel, von der Gartenbank bis zum Bleistiftspitzer, halte man an dem „relativ kleinen Standort“ vor. Jährlich zähle man rund 95.000 Wareneingangspositionen, erfasse 1,3 Millionen Order-Lines und bringe gut 570.000 Versandpakete auf den Weg.

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

Lydia gibt den Ton an
Herzstück des Logistikzentrums ist die dreigeschossige Kommissionieranlage. Über Rollbänder bewegen sich graue Kunststoffbehälter durch 24 Bereiche. Die Behälter sind über eindeutige Nummern erfasst und jeweils einer Bestellung fest zugeordnet. Womit die Behälter befüllt werden sollen, erfahren die Mitarbeiter via Kopfhörer von Lydia, einer freundlichen Frauenstimme, die der Zentralcomputer sendet. Lydia informiert über Lagerort (Gang, Platz und Ebene) sowie Menge der bestellten Artikel, die für den jeweiligen Behälter vorgesehen sind. Pick by Voice nennt sich das Prinzip, das es den Mitarbeitern ermöglicht, stets die Hände für ihre Arbeit frei zu haben.

Alle zwölf Sekunden verlässt eine fertig gepackte Sendung die Anlage. „In der Vorweihnachtszeit geht das auch alle sechs Sekunden“, so Braun. In dieser Phase mache Manufactum rund 45 Prozent seines Geschäfts. Aus derzeit zirka 8.000 Order-Lines am Tag würden dann weit über 18.000.

Starke Partner der Branche
Als starke Partner der Branche präsentierten sich die vier Sponsoren der Logistik-Nacht. Zum einen als Förderer des Events, zum anderen als Experten für Logistikbauten und deren Betrieb. Errichtet wurde das Logistikzentrum von den Hallen-, Industrie- und Gewerbebau-Experten der Firma Goldbeck. Die eingesetzten Gabelstapler lieferte die Firma Jungheinrich, die die Fahrerkanzel samt Steuerung speziell nach den Erfordernissen vor Ort anfertigte. Auch der Logistikimmobilienentwickler IDI Gazeley ist eng mit Goldbeck und Rudolph verflochten. Gemeinsam realisierte man zahlreiche Projekte in der Region.

Seinen Ausklang fand das Experten-Event im historischen Festkeller der Weinkirche in Kassel. Nach einem gemeinsamen Abendessen, in dessen Rahmen der Comedian Gerrit von Bamberg den Gästen Wissenswertes über Nordhessen näher brachte, widmete man sich noch einige Stunden dem Networking. Ganz so, wie es sich für die Logistik-Nacht gehört.

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