Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Vorreiter der Energiewende

17. März 2014 | Von | Kategorie: Wirtschaft 

Nordhessen behauptet weiter Spitzenposition

Informierten über die Lage der Branche: Pierre-Pascal Urbon, deENet-Geschäftsführer Dr. Martin Hoppe-Kilpper, Dr. Günther Häckl, Präsident des Bundesverbandes der Solarwirtschaft, Oberbürgermeister Betram Hilgen und Prof. Dr. Dirk Dahlhaus (Uni Kassel) (v.l.). Foto: Mario Zgoll

Wir haben die Vision, dass in den kommenden Jahrzehnten Millionen Menschen ihre eigene grüne dezentrale Energie erzeugen – in ihren Häusern, in Büros und in Fabriken – und diese mit anderen über intelligente Stromnetze teilen.“ Mit diesen Worten begann SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon seinen Ausblick auf die Zukunft der Solarenergie und damit auf ein entscheidendes Standbein der Wirtschaftsregion Nordhessen. Zuvor hatte er vor den Gästen des Jahresausblicks Solarenergie 2014 das für die Branche harte vorherige Geschäftsjahr Revue passieren lassen. „Wir wollen 2014 wieder zur Profitabilität zurückkehren“, erklärte er.

Förderkürzungen machen Branche zu schaffen
Der Einladung der SMA Solar Technology AG, der Stadt Kassel, des Landkreises und des DeNEt zum gemeinsamen Jahresauftakt waren rund 150 Akteure aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Presse gefolgt. Vor dem geselligen Teil des Abends erfuhren sie von Urbon und anderen Kennern der Branche aus erster Hand, wie sich die Märkte innerhalb von zwölf Monaten von Europa nach Asien und Amerika verschoben hatten und welche Folgen das für den Weltmarkt und für SMA als Weltmarktführer mit sich brachte. „Mit einer neuinstallierten Leistung von sieben Gigawatt zählte China im letzten Jahr zu den volumenstärksten Absatzmärkten“, ließ Urbon wissen. In Deutschland hingegen hätten sich die Neuinstallationen durch massive Förderkürzungen auf weniger als 3,5 Gigawatt mehr als halbiert. SMA bekam das deutlich zu spüren.

SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon blickt zuversichtlich in das Jahr 2014 und kündigt neue Produkte an. Foto: Mario Zgoll

Mit neuen Produkten Marktposition ausbauen
Doch nach Mitarbeiterabbau und hohem Verlust im abgelaufenen Jahr blickt der Wechselrichterhersteller wieder optimistisch in die Zukunft. Mit einer Netto-Liquidität von mehr als 300 Millionen Euro und einer außergewöhnlich hohen Eigenkapitalquote von 60 Prozent sei man vom in Teilen der Presse skizzierten nahenden Untergang weit entfernt. Rund 300 Millionen habe man in den letzten drei Jahren in die Entwicklung investiert und wolle dies in gleichem Umfang fortsetzen. „Ziel ist es, unsere starke Marktposition durch technische Alleinstellungsmerkmale weiter auszubauen“, so Urbon. Noch in diesem Jahr werde man die ersten Produkte einer neuen Generation in den Markt einführen. Gute Absatzmärkte sieht das Unternehmen in Japan, Südamerika, Südafrika und im Nahen Osten. Den Wachstumsmarkt China will man durch die dort ansässige Tochtergesellschaft ZeverSolar bedienen.

Engagement und Know-how gewachsen
„In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“, zitierte Dr. Günther Häckl, Präsident des Bundesverbandes der Solarwirtschaft, den Titel eines Films von Alexander Kluge. Dieser eigne sich dazu, den Stand der Energiewende auf den Punkt zu bringen. Der Versuch, sich möglichst nicht für eins von zwei Systemen zu entscheiden, könne nicht erfolgreich sein. 2013 habe man so viel Braunkohle verstromt wie zuletzt 1990. Die Subventionen für atomare und fossile Energien in der Europäischen Union seien noch immer mehr als doppelt so hoch wie die für erneuerbare Zukunftstechnologien. „Gerade ein Megaprojekt wie die Energiewende braucht einen klaren Kurs“, mahnte Häckl. Die große Koalition habe sich für den Mittelweg entschieden. „Für Nordhessen glaube ich trotzdem sagen zu können, dass wir den Weg zu hundert Prozent erneuerbaren Energien gestärkt fortsetzen.“ Engagement und Know-how seien auf diesem Gebiet in den vergangenen zehn Jahren noch einmal deutlich gewachsen. Die Voraussetzungen in der Region, Vorreiter der Energiewende zu sein, beurteilte er als besser denn je. Auch wenn der Rückenwind aus Berlin nur noch ein laues Lüftchen sei. Die Spielräume für neue Geschäftsmodelle gelte es mit Pioniergeist umzusetzen.

Treiber, Ideengeber und Gestalter
deENet-Geschäftsführer Dr. Martin Hoppe-Kilpper beschrieb die regionale dezentrale Energiewende in Nordhessen. Das durch ihn vertretene Kompetenznetzwerk wolle dabei die Rolle des Treibers, Ideengebers und Gestalters übernehmen. Seine herausragende Aufgabe sehe man darin, umfassend über die eigentlichen Ziele, Inhalte und Perspektiven einer dezentralen Energiewende zu informieren. Bürger und politische Entscheidungsträger wolle man direkt ansprechen und zum praktischen Umsetzen und Mitmachen bewegen.

In Hessen ganz vorne
Dass sich Nordhessen und das Oberzentrum Kassel in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt für erneuerbare Energien und Energieeffizienz entwickelt haben, komme nicht von ungefähr, erklärte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Der Schlüssel liege beim Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, insbesondere Universität und Instituten, Wirtschaft und Kommunalpolitik. „Da gibt es kein Gegeneinander, da gibt es ein Miteinander. Und wir stehen zueinander auch in schwierigen Zeiten.“ Gemeinsam habe man viel erreicht. Kassel sei in Hessen nicht nur ganz oben, sondern im Blick auf die Solarenergie auch ganz vorne.

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