100 Jahre Holzbau Bode: Maria Bode im Interview

Geschäftsfrau und Mutter: Maria Bode mit ihren Kindern Thomas, Hildegard und Stephan. Foto: Familie Bode

Geschäftsfrau und Mutter: Maria Bode mit ihren Kindern Thomas, Hildegard und Stephan. Foto: Familie Bode

Vor genau einem Jahrhundert, am 1. April 1910, wurde der Grundstein für das Unternehmen gelegt. 100 Jahre Firma Bode, das ist keine Geschichte vom Aufstieg eines kleinen Handwerksbetriebs zum „Global Player“, sondern eine, die von Kontinuität, Fairness und Fleiß handelt. Das Familienunternehmen mit Firmensitz in Kaufungen-Papierfabrik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auf den Innenausbau spezialisiert – heute arbeiten 20 Mitarbeiter für die Stephan Bode Holzbau GmbH. Diplom-Ingenieur Stephan Bode, der in dritter Generation das Unternehmen leitet, blickt positiv in die Zukunft: „Wie es bereits hundert Jahre lang gelungen ist, setzen wir alles daran, weiterhin ein verlässlicher Arbeitgeber, ein fairer Geschäftspartner und ein solider Dienstleister zu sein.” Als Zimmermeister Nicolaus Bode am 1. April 1910 seinen Meisterbetrieb in Kassel gründete, ahnte er noch nicht, dass er den Grundstein eines Jahrhundert-Unternehmens setzen würde. Bode profitierte damals vom großen Bauboom in Kassel. 1936 trat dessen Sohn Egon Bode in das väterliche Unternehmen mit ein. Nach dem Krieg und den Bombenangriffen auf Kassel baute er das Unternehmen neu auf. Mit der Tochterfirma Federholz o.H.G. produzierte er in Zusammenarbeit mit seinem Bruder, documenta-Gründer Prof. Arnold Bode, auch patentierte Sitzmöbel, die sich durch modernstes Design auszeichneten. 1954 übernahm Maria Bode nach dem Tod ihres Mannes Egon die Unternehmensleitung. In den 70er Jahren trat die dritte Generation mit Thomas und Stephan Bode in den Familienbetrieb ein.

Doppelrolle als Geschäftsführerin und Familienoberhaupt
Maria Bode, die im Jubiläumsjahr ihren 92. Geburtstag feiert, schrieb als erste Geschäftsführerin der Firma Bode einen weiblichen Namen ins Buch der Firmengeschichte. Diese Frau hat ein ganz eigenes Charisma: Sie schaffte es, nach dem Tod ihres Mannes, die Leitung der Firma Bode und die Rolle als alleinerziehende Mutter mit Erfolg zu meistern. Wie hat Maria Bode, die heute zurückgezogen in Kassel lebt, das geschafft? Was sagt sie zur Jahrhundertfirma Bode, zur heutigen Zeit und zur Emanzipation? Wir haben sie gefragt.

Jérôme: Wenn Sie an Ihre Arbeit als Seniorchefin der Nic. Bode & Sohn KG zurückdenken, wie war es für Sie, die Firmenleitung zu übernehmen?

Maria Bode: Ich denke erst einmal an meinen Mann Egon, der nach langer und schmerzhafter Krankheit 1954 starb. Ich habe mich damals sehr allein gefühlt und hätte mich gerne mit Egon besprochen. Die Kinder waren noch sehr jung, Stephan war vier Jahre alt, Hildegard sieben und Thomas zehn Jahre alt. Egon war das Familien-Gewissen und hat seine Brüder in den Zeiten vor dem Krieg, im Krieg und auch danach immer unterstützt, er war immer sehr freundlich zu allen. Ich habe ihn sehr geschätzt und vermisst. Und ich wollte ihm eine gute Nachfolgerin sein.

Jérôme: War es schwer, erste weibliche Geschäftsführerin der Firma Bode zu sein?

Maria Bode: Ich bin meinem Mann sehr dankbar, dass er mich im Testament als befreite Vorerbin bestimmt hatte. Sonst wäre, beruflich gesehen, meine Stellung gegenüber den männlichen Führungskräften im Betrieb sehr schwierig gewesen.

Jérôme: Auf was haben Sie besonders großen Wert gelegt?

Maria Bode: Wichtig war mir immer, gute Aufträge zu bekommen und unsere Mitarbeiter und Lieferanten pünktlich zu bezahlen. Im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden war mir immer Gerechtigkeit und Respekt sehr, sehr wichtig. Ich habe versucht, selbst bescheiden und sparsam zu leben und nie mehr ausgegeben als ich hatte. Ich habe viel Geld in die Firma investiert, es freut mich sehr zu sehen, dass sich das ausgezahlt hat.

Jérôme: Wie sah Ihr Arbeitsalltag damals aus?

Maria Bode: Ich bin um neun Uhr ins Büro gefahren und habe dort anfallende Büroarbeiten wie Frachtbriefe, Post, Buchhaltung, Korrespondenzen, Bestellungen bearbeitet und
alles Weitere organisiert. Dann habe ich die Kinder von den Schulen abgeholt und war meist am Nachmittag wieder im Betrieb.

Jérôme: Wie haben Sie das geschafft, die beiden Jobs auszufüllen, einmal als Geschäftsführerin und einmal als Mutter dreier Kinder?

Maria Bode: Es war natürlich nicht immer leicht. Aber die Familie hat immer sehr zusammengehalten. Egons Bruder Arnold war für Stephan Vaterersatz und Leitfigur. Außerdem habe ich den Führerschein gemacht, um sowohl für meine Kinder als auch für die Arbeit flexibel zu sein… Wissen Sie: Früher bekamen die Leute wöchentlich ihr Geld und eine Restzahlung. Ich war dafür verantwortlich, diese Gelder auszuzahlen, und fuhr so von Baustelle zu Baustelle. Drittens hatte ich das Glück, viele Jahre eine Hilfe zu haben, die mich im
Haushalt unterstützt hat.

Jérôme: Was hat Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß gemacht?

Maria Bode: Ich war gerne Firmenrepräsentantin auf den Besuchen der Kölner Möbelmesse.

Jérôme: Was war Ihr schlimmstes Erlebnis in Bezug auf die Unternehmensgeschichte?

Maria Bode: Der Brand und die Zerstörung der Firma.

Jérôme: Was halten Sie für den größten Fortschritt Ihrer Zeit?

Maria Bode: Die Emanzipation.

Jérôme: Ist Ihnen das Aufhören schwergefallen?

Maria Bode: Nein, überhaupt nicht, ich hatte ja meine Söhne hinter mir. Stephan hat im Betrieb seine Lehre gemacht und sich sehr gut eingearbeitet. Der erste Enkel Moritz kam, ich konnte mich wieder um die Familie kümmern. Rosen und mein Garten sind weitere große Themen nach meiner Zeit im Betrieb. Auch die Kirche ist mir wichtig.

Jérôme: Was machen Sie heute besonders gerne?

Maria Bode: Ich lese viel Zeitungen und Bücher und höre gerne Musik. Außerdem liebe ich Spaziergänge und nehme so oft wie möglich an Gottesdiensten teil.

Jérôme: Welche Themen bewegen Sie, wenn Sie sich heute die Arbeitswelt ansehen?

Maria Bode: Für mich ist nach wie vor die Emanzipation ein Riesenthema. Die heutigen Zeiten sind für junge Frauen sicher sehr schwierig. Sie sollen Kindererziehung und Beruf bei den heutigen Gehaltsstrukturen ohne Hausangestellte bzw. weitere Hilfe unter einen Hut bekommen. Das empfinde ich als große Belastung für die Frauen der heutigen Zeit.

Jérôme: Wenn Sie die Firma, die Sie lange auf Ihrem Weg begleitet haben, heute zum 100. Geburtstag anschauen, über was freuen Sie sich ganz besonders?

Maria Bode: Firma und Familie gehören für mich immer zusammen. Ich finde es wunderbar, dass mein Sohn Stephan eine glückliche Ehe führt und freue mich, dass seine Frau Adelheid seit fast 30 Jahren mit im Betrieb arbeitet. Ich finde schön, dass die beiden alles miteinander besprechen können. Das ist etwas, was mir leider verwehrt geblieben ist. Ich bin auch sehr froh darüber, dass Stephan das Unternehmen so leitet, wie er es leitet. Dass seine Entscheidungen gut und richtig sind, zeigt ja auch unser Firmenjubiläum.

Jérôme: Was ist ein gutes weiteres Rüstzeug für die Zukunft?

Maria Bode: Dass die Familie, Mitarbeiter und Kunden der Firma Bode weiterhin zusammenhalten und respekt- und vertrauensvoll miteinander umgehen.

Über Maria Bode:
Maria Bode, geborene Nichtern, besuchte auf Wunsch ihres Vaters Jacob Nichtern die Höhere Handelsschule. Sie unterstütze ihren Vater, Jacob Nichtern, früh im eigenen Betrieb. Die Familie Nichtern hatte eine Zimmerei, ein Sägewerk und war im Holzhandel tätig. Zu dieser Zeit beschäftigte Marias Vater 30 Mitarbeiter. Die junge Frau half im Büro und überall, wo helfende Hände gefragt waren. Mit 18 Jahren bekam sie – zum Unmut ihres Vaters – eine Stelle beim Stuttgarter Autobauer Daimler Benz. 1938 arbeitete sie als Sekretärin in der Steuerabteilung und stieg binnen kurzer Zeit zur zweiten Sekretärin des Personalchefs auf. Doch der Krieg warf seine Schatten voraus und Maria Nichtern kehrte krankheitsbedingt nach Ingelheim zurück und arbeitete wieder im väterlichen Betrieb. Da Jacob Nichtern Mitglied der Zimmereiinnung war, traf seine Tochter in Ingelheim den Kasseler Innungschef Henner Mayer, der sie überredete, einige Monate in seinem Verbandsbüro am Ständeplatz in Kassel auszuhelfen. Sie half im Büro und unterstütze das Büro bei den täglichen Arbeiten. In dieser Zeit lernte sie Egon Bode kennen und lieben. Das Paar heiratete 1942.

Kurz danach wurde Egon Bode nach Russland eingezogen. Nach Krieg und Kriegsgefangenschaft begann der Neuaufbau derFirma. Maria Bode unterstützte ihn tatkräftig. Nach Egon Bodes Tod führte sie die Firmengeschicke von 1954 bis 1973.

Über Bode Holzbau:
Ob Deckensysteme oder Trennwände, der Name Bode steht in der Baubranche für hochwertige Qualität, besten Service und professionelles Know-how. Die klassischen Aufträge kommen aus dem öffentlichen Bereich, Industrie und Gewerbe. Holzbau, das ist heute viel mehr als die Verarbeitung von Holz, wie Stephan Bode betont: „Die Zeiten einfacher Holzkonstruktionen sind lange vorbei, heute arbeiten wir mit Blechprofilen, die mit Gipskarton verkleidet werden und effektiven Feuerwiderstand sowie ausgezeichnete Dämmung bieten.“ Das Portfolio umfasst auch Verglasungen, abgehängte Decken in allen Varianten, den Akustikbau und den baulichen Brandschutz. Für Privatkunden bietet die Stephan Bode Holzbau GmbH gleichermaßen alle Leistungen – vom Ausbau des Dachgeschosses bis hin zum kompletten Innenumbau. Auch ungewöhnliche Projekte stehen auf der Referenzliste: „Wir haben für verschiedene Kunstausstellungen der documenta-Reihe die Ausstellungsarchitektur umgesetzt“, sagt Stephan Bode stolz.

Soweit zur Gegenwart und Zukunft der Stephan Bode Holzbau GmbH, doch wie schrieb sich die erste und zweite Generation ins Buch der Firmengeschichte? Als Zimmermeister Nicolaus Bode am 1. April 1910 seinen Meisterbetrieb in Kassel gründete, ahnte er noch nicht, dass er den Grundstein eines Jahrhundert-Unternehmens setzen würde. Bode profitierte damals vom großen Bauboom in Kassel. 1936 trat dessen Sohn Egon Bode in das väterliche Unternehmen mit ein. Nach dem Krieg und den Bombenangriffen auf Kassel baute er das Unternehmen neu auf. Mit der Tochterfirma Federholz o.H.G. produzierte er in Zusammenarbeit mit seinem Bruder, documenta-Gründer Prof. Arnold Bode, auch patentierte Sitzmöbel, die sich durch modernstes Design auszeichneten.

1954 übernahm Maria Bode nach dem Tod ihres Mannes Egon die Unternehmensleitung. In den 70er Jahren trat die dritte Generation mit Thomas und Stephan Bode in den Familienbetrieb ein. Der industrielle Innenausbau – heutiger Schwerpunkt des Unternehmens – wurde eingeführt, ebenso ein Fertighausprogramm. In Kaufungen-Papierfabrik wurde eine Fertigungshalle für flexible Trennwandsysteme und Schrankwände errichtet. Rund 80 Mitarbeiter standen damals in Lohn und Brot. 1986 trennten die Brüder Thomas und Stephan Bode das Unternehmen in die Bereiche „Innenausbau“ und „Holzbau“. Die Firma Bode Innenausbau wurde 1999 aufgegeben. Stephan Bode errichtete 1989 eine neue Halle für die Stephan Bode Holzbau GmbH – auch in Kaufungen-Papierfabrik – und konzentrierte sich auf den Innen- und Trockenbau.

Was wünschen sich Stephan Bode und dessen Frau Adelheid nun für die Zukunft ihres „Jahrhundert-Unternehmens“? „Klare Sache: dass unser Unternehmen mit all seinen Werten weiterhin Bestand hat – vielleicht ja sogar weitere einhundert Jahre.“

Weitere Infos unter www.bode-holzbau.de

Teilen, drucken, mailen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.