Den Kliniken fehlt bald gutes Personal

Philip Meurer, Claus-Peter Müller von der Grün, Korrespondent der F.A.Z. für Hessen und Thüringen, Bibliomed-Chefredakteurin und Geschäftsführerin Uta Meurer, Markus Boucsein, Handball-Abteilungsleiter der MT Melsungen und Chefredakteur der Fachzeitschrift für Pflegepersonal „Die Schwester Der Pfleger“, Birgit Dilchert, Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen Holding, Karl-Georg Dittmar, Geschäftsführer der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau und der Diakonie-Kliniken Kassel, und Conrad Fischer, Geschäftsführer der Bernecker Mediagruppe, einer der vielen Aussteller des Forums. Foto: Ulf Schaumlöffel

Philip Meurer, Claus-Peter Müller von der Grün, Korrespondent der F.A.Z. für Hessen und Thüringen, Bibliomed-Chefredakteurin und Geschäftsführerin Uta Meurer, Markus Boucsein, Handball-Abteilungsleiter der MT Melsungen und Chefredakteur der Fachzeitschrift für Pflegepersonal „Die Schwester Der Pfleger“, Birgit Dilchert, Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen Holding, Karl-Georg Dittmar, Geschäftsführer der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau und der Diakonie-Kliniken Kassel, und Conrad Fischer, Geschäftsführer der Bernecker Mediagruppe, einer der vielen Aussteller des Forums. Foto: Ulf Schaumlöffel

Die deutsche Gesundheitswirtschaft ist eine Wachstumsbranche, aber ihre größte Herausforderung ist der Mangel an qualifiziertem Personal. Während es in Deutschland noch genügend Ärzte gibt, diese aber heute schon falsch verteilt sind, wird der Mangel an Pflegekräften nach Auffassung namhafter Krankenhausmanager in den kommenden Jahren zum größten Problem der Kliniken. Das offenbaren die Recherchen und Fachkongresse des Bibliomed-Verlages aus Melsungen und der B. Braun Stiftung.

Zukunftsfragen auf der Tagesordnung
Die Publikationen des Verlages sind national in ihren Fachgebieten führend. In Berlin lädt der Verlag regelmäßig zum „Nationalen DRG-Forum“, das ursprünglich der Abrechnung der Klinikentgelte nach Diagnosis Related Groups (DRG), nach diagnoseabhängigen Fallpauschalen, gewidmet ist, mittlerweile aber alle Zukunftsfragen für Krankenhäuser auf die Tagesordnung setzt. Zum DRG-Forum kommen regelmäßig 1000 Teilnehmer aus den etwa 2000 Krankenhäusern in Deutschland. Es ist die größte Fachveranstaltung dieser Art. Das 9. Nationale DRG-Forum in Berlin wurde in diesem Jahr von Werner Sonne und Claus Peter Müller von der Grün moderiert. Sonne ist Leiter des ARD-Hauptstadtstudios. Müller von der Grün ist Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Hessen und Thüringen und schreibt seit 1986 in der F.A.Z.-Verlagsgruppe über Fragen der Gesundheitssysteme. Die Stiftung fördert wiederum die Fortbildung in der Pflege, Medizin und der Gesundheitsökonomie. Sie veranstaltet mit dem Pflegekongress, der jeden Herbst mit 1500 Teilnehmern in Kassel stattfindet, ebenfalls die größte Fachveranstaltung dieser Art in Deutschland.

Fehlallokation der Ärzte
Schon auf den Kasseler Gesundheitstagen im April war der „Ärztemangel“ das Thema eines eigenen Forums, das die B. Braun Stiftung ermöglicht hatte. Dort sprach der Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) in Hessen, Professor Dr. Wolfgang Deinsberger, zugleich Ärztlicher Geschäftsführer und Direktor des Klinikums Kassel, von der „Fehlallokation“ der Ärzte. Es gebe nicht zu wenige Ärzte. In einigen Fachgebieten werden nach Deinsbergers Worten sogar mehr Ärzte weitergebildet, als benötigt werden. In anderen Fachgebieten und vor allem auf dem Land fehlten dagegen Ärzte. Wenige Tage später in Berlin brachte das DRG-Forum dasselbe Ergebnis. Auch die kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg, Irmtraut Gürkan, sprach von der Fehlallokation der Mediziner. Verglichen mit der Zahl der Ärzte pro Einwohner in anderen Ländern liege Deutschland im oberen Drittel. Es gebe keinen Ärztemangel. Frau Gürkan mahnte, die Krise als Chance zu nutzen. Dass eine attraktive Branche wie die Gesundheitswirtschaft gute Mitarbeiter finden und binden könne, zeigten die Konzepte und Praxisbeispiele des Universitätsklinikums Heidelberg. Dort werde aktives Personalmanagement durch Mitarbeiterqualifikation, die Schaffung „altersgerechter“ Arbeitsplätze sowie die Entlastung des Ärztlichen und des Pflegedienstes gelebt. Der Arzt entscheide über Diagnostik und Therapie und trage die medizinische Gesamtverantwortung. Die Pflegenden übernehmen die Ablauforganisation, die Patientenbetreuung, den Service sowie delegierbare ärztliche Tätigkeiten.

Feminisierung der Medizin
Der Präsident des VLK in Deutschland, Professor Dr. Hans-Fred Weiser, bezeichnete es auf dem DRG-Forum als unerträglich, dass es in Deutschland nicht gelinge, den absehbaren Bedarf an Ärzten zu decken. Statt dessen wechselten sich ein Über- und Unterangebot an Ärzten ab. Nach den Berechnungen des VLK werden bis 2017 in Klinik und Praxis mehr als 15000 Ärzte hierzulande fehlen. Weiser begründete dies auch mit der Feminisierung der Medizin: Schon heute seien 63,4 Prozent der Medizinstudenten weiblich. Der Anteil der Ärztinnen, die weniger als 32 Wochenstunden arbeiteten, sei überproportional hoch, wohingegen jene Kollegen, die 45 Stunden und mehr arbeiten, vor allem Ärzte seien.

Uta Meurer

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