100 Jahre Frauenwahlrecht – viel erreicht, noch viel zu tun

Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen – eine der wichtigsten Errungenschaften im Bereich der Frauenrechte. „Es hat sich natürlich viel verbessert für Frauen seit 1918, aber nur wenn wir weiter aktiv für Frauenrechte streiten, können wir die Gleichberechtigung auch künftig mit Leben füllen“ so die Dezernentin für Jugend, Frauen, Gesundheit und Bildung, Anne Janz, anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März.

Auf die gleichen Rechte für Frauen und Männer, auf die Chancen zur Verwirklichung von Bildung und Erwerbstätigkeit, setzen auch viele Frauen, die in den letzten Jahren nach Deutschland zugewandert sind.

Dabei werden sie aktuell von mehreren Projekten unterstützt, die niedrigschwellig ansetzen und mit einer Mischung aus Sprache lernen und Alltags- und Berufsorientierung zugewanderte Frauen unterstützen. Die Projekte werden vom Kulturzentrum Schlachthof, Lighthouse, Kirche im Hof, dem Kasseler Familienberatungszentrum, BENGI und Indimaj durchgeführt und im Rahmen eines Integrationsprogramms des Landes gefördert. Anne Janz: „Bildung und Integration, das geht Hand in Hand, und ich danke allen Trägern, die sich in diesem Bereich, auf den wir in meinem Dezernat seit diesem Jahr noch einmal verstärkt einen Schwerpunkt setzen, für die Frauen engagieren!“

Dadurch, dass es oft die Frauen sind, die die Verantwortung für Erziehung und Betreuung von Kindern übernehmen, bleiben die Angebote zur Kinderbetreuung ein zentraler Baustein für die Ermöglichung von Bildung und Erwerbsarbeit der Mütter und die Integration der Kinder. Sie wird in Kassel weiter ausgebaut, gerade auch in den Stadtteilen, in denen viele zugewanderte Menschen leben.

Auch wenn gesetzlich in Deutschland ein hoher Standard der Gleichberechtigung erreicht ist, setzt sich das nicht von allein in gelebte Wirklichkeit um, auch nicht für die Menschen, die schon lange in Deutschland leben. Die nach wie vor große Ungleichheit zwischen den Geschlechtern beim Lohn ist da ein Thema, sowie die Tatsache, dass Frauen immer wieder mit sexualisierten Übergriffen konfrontiert werden. Für viele Formen der Belästigung ist es erst seit der 2017 erfolgten Reform des Sexualstrafrechts möglich, sie anzuzeigen. Das Kasseler Frauenbündnis wird am 8. März am Opernplatz von 14 bis 16 Uhr mit Information und Aktionen zum Internationalen Frauentag aktiv sein. Auch dabei wird es um 100 Jahre Frauenwahlrecht und weitere Rechte gehen, und wie sich Frauenrechte in den nächsten hundert Jahren weiterentwicklen.

Hintergrund:
Im November 1918 wurde in Deutschland das Wahlrecht für alle erwachsenen Personen eingeführt, auch für Frauen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es auch in der Bildung von Frauen wichtige Fortschritte, so durften sie seit 1908 an Universitäten studieren. Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Gleichberechtigung war die Aufnahme der Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ in das Grundgesetz von 1949. Die Kasseler Rechtsanwältin Elisabeth Selbert hatte das als Mitglied des Parlamentarischen Rats durchgesetzt. Lange Zeit gaben Frauen viele Rechte in der Ehe ab: erst seit 1958 dürfen Frauen ohne Erlaubnis des Ehemannes Führerschein machen, und erst seit 1977 ohne Erlaubnis erwerbstätig sein. Erst seit 1997 ist die Vergewaltigung in einer Ehe strafbar.

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