Orchester der Musikakademie gestaltet diesjähriges Konzert zur Eröffnung der Wasserspielsaison

Die diesjährige Wasserspielsaison im Bergpark Wilhelmshöhe wird mit einem Sinfoniekonzert des Orchesters der Musikakademie am Dienstag, 1. Mai, um 17 Uhr im Ballhaus eröffnet. Auf dem Programm der Veranstaltung stehen zwei bekannte Werke der Musikgeschichte: Georg Friedrich Händels Wassermusik (Händelwerkverzeichnis 348-350) und Ludwig van Beethovens Sinfonie Nummer 5, c-Moll (Opus 67), auch bekannt als „Schicksalssinfonie“.

Veranstalter ist der Verein Bürger für das Welterbe e.V. Dessen Vorsitzende Brigitte Bergholter freut sich über die Zusammenarbeit mit der Musikakademie und ihrem Team: „Wir freuen uns sehr, dass es nach der wunderbaren Aufführung der Herkules-Kantate von Johann Sebastian Bach im vergangenen Jahr auch 2018 wieder einen musikalischen Höhepunkt im Ballhaus geben wird. Unser Dank gilt der Musikakademie und ihrem Leiter, Dr. Peter Gries, den Dozentinnen und Dozenten sowie den Studierenden für ihre monatelange intensive Arbeit an den beiden anspruchsvollen Werken.“

Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen Alberto Bertino, der das Akademieorchester in den vergangenen Jahren zu außergewöhnlicher Leistungsstärke führen konnte. Unterstützt wird der Dirigent dabei vor allem im Hinblick auf die Besonderheiten der Aufführung der Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts durch die Barockgeigerin Sylvie Kraus, Gründungsmitglied und Konzertmeisterin von Concerto Köln, die seit einigen Jahren an der Musikakademie das Fach „Historische Instrumentalpraxis“ lehrt. Von der fruchtbaren Zusammenarbeit der Studierenden mit dieser Spezialistin für historische Aufführungspraxis konnte sich das Kasseler Publikum bereits mehrfach überzeugen. Akademiedirektor Dr. Peter Gries ist daher auch voll des Lobes: „Die Aufgabe, die Spielkultur eines Klangkörpers aus Studierenden langfristig zu entwickeln, ist wirklich eine besondere Herausforderung, wechselt die Besetzung eines Orchesters aus Studierenden doch von Semester zu Semester. Unserem Orchesterleiter, Alberto Bertino, sowie der Konzertmeisterin, Sylvie Kraus, gebühren daher großer Dank und Anerkennung für ihre Arbeit“.

Hintergrund:
Händel und Beethoven – die Lebensdaten dieser beiden Granden europäischer Musikgeschichte, der eine geboren 1685 und verstorben 1759, der andere 1770 und 1827, sind weitgehend deckungsgleich mit der Entstehung und dem Ausbau der Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe. Aber die Parallelen zwischen dem Leben und Wirken dieser beiden Komponisten und dem „Geist des Bergparks“ gehen noch weiter. Händel und Beethoven- diese Namen stehen sinnbildlich für den Glanz und Höhepunkt ihrer jeweiligen Epoche. Händel war im Unterschied zu Johann Sebastian Bach ein Weltbürger in seiner Zeit, der sich über alle Sprach- und Konfessionsgrenzen hinweg in Italien ebenso wohlfühlte wie in Großbritannien oder Irland. Bei seiner Wassermusik handelt es sich um drei Sammlungen von Tanzsätzen, sogenannten „Suiten“ (Händelwerkverzeichnis 348, 349 und 350) mit über dreistündiger Aufführungsdauer, die der Komponist nach 1715 unabhängig voneinander veröffentlichte. Ihre Entstehung verdanken die drei Suiten dem Umstand, dass König Georg I., dem deutschen, früheren König von Hannover auf dem englischen Thron, Ausfahrten auf der Themse liebte, bei denen die königliche Barke von mehreren Booten begleitet wurde, auf denen die Musiker des Orchesters platziert waren – eine Art englischer Variante unserer Wasserspiele also. Parade, Schaufahrten und etikettierte Verhaltensmuster zur Inszenierung königlicher Macht – das sind genau die Insignien eines Staats- und Autoritätsverständnis, aus dem sich auch der ursprüngliche Geist der Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe speiste und wie er sich in der Herkules-Statue und den Kaskaden widerspiegelt.

Ungleich anders die Situation knapp vier Generationen später: Beethovens bestimmt berühmteste Sinfonie, die 5., entstand nach ersten Skizzen in den Jahren 1800 zwischen April 1807 und Frühjahr 1808. Wie sehr hatte sich doch inzwischen Welt verändert. Hier soll einmal nicht nur von dem durch die Französische Revolution hervorgerufenem Wandel der politischen Kultur die Rede sein, denn unabhängig davon veränderte sich in der Kunst und der Musik der ästhetische Anspruch: Hatte der Barockkomponist sein Augenmerk noch hauptsächlich auf die Anwendung standardisierter Formsprachen und konventionalisierter Figuren, die man sogar als Semantik der Musik mit rhetorischer Funktion betrachtete, gelegt, nahmen die Komponisten, Schriftsteller und Maler des 19. Jahrhunderts vermehrt das Individuum beziehungsweise seine Gefühlswelt und Weltwahrnehmung ins Blickfeld. Aus diesem Geist entstand auch Beethovens 5. Sinfonie. Viele sehen dieses Werk als Einblick in das individuelle Seelenleben Beethovens. Auch im Bergpark Wilhelmshöhe veränderte sich die Erlebniskraft der Wasserspiele: Es entstanden Inszenierungen, die das Vorbild der wilden Natur imitieren und nicht mehr bändigen sollten. Bei den romantischen Wasserfällen zum Beispiel kann der Besucher bis heute ganz selbständig die Symbiose von Natur und Kunst genießen beziehungsweise seiner dadurch entstehenden individuellen Gedankenwelt nachhängen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier: www.kassel-welterbe.de
Informationen zu den Mitwirkenden unter: www.musikakademie-kassel.de

Der Eintritt zur Veranstaltung beträgt zwölf Euro. Der Vorverkauf beginnt ab Mittwoch, 18. April, bei Bürobedarf Bietau, Wilhelmshöher Allee 285, 34131 Kassel, Telefon 05 61/3 29 82. Außerdem können Karten bei der Musikalienhandlung Bauer und Hieber im Musikhaus Eichler, Ständeplatz 13, 34117 Kassel, Telefon 05 61/73 96 81 10, erworben werden.

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