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Wie viel Bauhaus steckt in der documenta? Eine Spurensuche 44 www.jerome-kassel.de JÉRÔME FEUILLETON Eine Tradition der Moderne und Avantgarde Die Ausstellung „Bauhaus I documenta. Vision und Marke“ in der Neuen Galerie Kassel reflektiert erstmals die beiden Institutionen Bauhaus und documenta im Vergleich. Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum 2019 bietet den Anlass, die Entwicklung beider zu Kulturmarken gewordenen Institutionen zu betrachten und damit zugleich kritisch zu hinterfragen: Wo bleiben sich die Marken treu als Verpflichtung zu Innovation und Fortschritt, wo sind sie Teil einer interessensgeleiteten Vereinnahmung? So bietet die Ausstellung zugleich den Blick auf die Rolle und Funktion, die Kunst und Kultur in einer Gesellschaft heute einnehmen können. Die Sympiose von documenta und Bauhaus: Das Kunstwerk Oase Nr. 7 von Haus-Rucker- Co (documenta 5) und die legendäre Bauhaus Leuchte von Wilhelm Wagenfeld. Das vor 100 Jahren in Weimar gegründete Bauhaus und die 1955 erstmalig in Kassel eröffnete documenta: Beide stehen bis heute für eine Tradition der Moderne und Avantgarde in Deutschland, für visionäre Kulturmarken von internationaler Strahlkraft und den Glauben an künstlerische Innovation und ihre sozialreformatorische Kraft. Beide haben ihre eigenen ideellen Werte ausgebildet und eine fast populäre Bekanntheit erlangt. Anhand von Installationen, dokumentarischen Objekten, statistischem Material und einigen hochkarätigen Originalkunstwerken kreiert die Ausstellung einen Parcours über sieben Themenräume, der von der Entstehung und den ersten Visionen beider Kulturinstitutionen bis hin zur heutigen Rezeption reicht. Ausgestellte Künstler/innen sind unter anderen: Marianne Brandt, Marcel Breuer, Bazon Brock, Hans Haacke, Wassily Kandinsky, Barbara Klemm, Aleksandr Ptuschko und Gilles Raynaldy. Gegliedert in sieben Themenbereiche fragt die Ausstellung nach Vermittlungsstrategien und Medienrezeption, nach Macht und Einflüssen, nach Idealen, Werten und Verwertbarkeiten: Was motiviert Personen, Institutionen, ganze Städte zur Beschäftigung mit Kunst und Kultur? Welche Vermittlungsformen gibt es? Wer trifft die maßgeblichen Entscheidungen über Auswahl, Darstellung und Wirkung? Und was sind die Zielgruppen: Wer wird erreicht? Und wer nicht? Philipp Oswalt, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung: „Die Parallelbetrachtung von Bauhaus und documenta ermöglicht völlig neue Einblicke in die beiden Kulturmarken. Zugleich hinterfragt sie kritisch das Versprechen, dass Kunst gesellschaftlich emanzipativ wirksam ist.“ Flankiert wird die Ausstellung von einer Virtuellen Ausstellung zum Thema „Wie viel Bauhaus steckt in der documenta? Eine Spurensuche“ so- Fotos: © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, © Günther Zamp Kelp, © documenta archiv / Foto: Carl Eberth, © bpk/ Nationalgalerie, SMB/Jörg P. Anders, © documenta archiv / Foto: Nicolas Wefers


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