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Im 30. Jahr auf Erfolgskurs: das Kasseler Dokumentarfilmfestival

Was 1982 als mutiges Experiment einer Handvoll filmbegeisterter Kasseler Studenten begann, unter ihnen Irmhild Scheuer und Frank Thöner, die ihren gerade frisch mit der Stoßrichtung Gegenöffentlichkeit gegründeten »Filmladen« als Abspielstätte zur Verfügung stellten, hat sich mittlerweile – im 30. Jahr, mit stolzen 13.200 Besuchern an fünf Tagen – sowohl zu einem Highlight der Kasseler Kulturszene wie auch zu einem Flaggschiff unter den deutschen Filmfestivals entwickelt.

Schon seit 1989 für das DokFest aktiv: Festivalleiter Gerhard Wissner Ventura (links), hier im Gespräch mit Jérôme-Redakteur Jan Hendrik Neumann. Foto: Mario Zgoll

Schon seit 1989 für das DokFest aktiv: Festivalleiter Gerhard Wissner Ventura (links), hier im Gespräch mit Jérôme-Redakteur Jan Hendrik Neumann. Foto: Mario Zgoll

256 aus knapp 3.000
Ursprünglich fast ausschließlich aus Leidenschaft und mit einem mehr oder weniger “No-Budget“ realisiert, ist aus dem Dokumentarfilmfestival ein Ganzjahresunternehmen geworden, das einen Vorlauf von 18 Monaten erfordert und bis zum ersten „Film ab!“ 184 Mitwirkende hat, vom Jurymitglied bis zur Aufsicht. Gab es noch Ende der 80er Jahre bescheidene 300 Filmeinreichungen, die eine Auswahlkommission sichten musste, so hat sich diese Zahl seither fast verzehnfacht; davon gezeigt wurden in diesem Jahr schließlich 256 Beiträge.

Weit mehr als Filmschau
Insbesondere der hessische Anteil am Filmschaffen erhält dabei ein besonderes Podium, „denn es ist ein Grundprinzip des Kasseler Filmfestivals, die Region wie auch das Land im Programm abzubilden, gezeigt im Zusammenhang mit Internationalem“, wie Festivalleiter Gerhard Wissner Ventura erläutert, der seit 1989 mit der Organisation der Veranstaltung befasst ist und es damals um das Format Video ergänzte, was nach seinen Angaben inzwischen allerdings keinen Unterschied mehr darstellt: „Heute werden alle Arbeiten in das Vorführformat DCP – Digital Cinema Package – verwandelt.“ Neben Filmen bietet das DokFest, wie es nun kurz firmiert, unter anderem mit »Monitoring«, „die Erweiterung des kinematographischen Raumes; Arbeiten, die nicht nur auf der Leinwand funktionieren“, mit »Interfiktion«, „eine theoretische Plattform, um aktuelle Themen in Form von Vorträgen und Seminaren auf den Tisch zu bringen“ sowie mit »junges dokfest«, ein Programm speziell für Schüler, das jährlich Hunderte von diesen gerne wahrnehmen.

Engagement erwünscht
Seit der Erweiterung auf das »Gloria« und die »BaLi«-Kinos 2001 werden auch durch Sponsoren finanzierte Preise vergeben, während das Festival selbst weiterhin knapp kalkulieren muss: „Auf’s Jahr gesehen gibt es dafür zweieinhalb Stellen, die das alles machen, weitere Aufgaben regeln sich über wenig üppige Honorare“, so Wissner Ventura. „Von daher würde ich mir wünschen, dass es noch mehr bürgerschaftliches Engagement aus der Stadt für das DokFest gibt, wie auch von Seiten des Landes Hessen.“

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