Der Ton macht die Musik

Rolf Dressler arbeitet seit den Achtzigerjahren als freier Tontechniker. Er war schon mit höchst unterschiedlichen Künstlern auf Tour, betreute mehrere CD-Produktionen und ist ein echter Meister seines Faches.

„Bester Tontechniker der Welt“: Rolf Dressler. Foto: Mario Zgoll

„Bester Tontechniker der Welt“: Rolf Dressler. Foto: Mario Zgoll

Eine Szene, die sich immer wieder im Kasseler Theaterstübchen abspielt: Das Konzert geht zu Ende, das Publikum jubelt, die Künstler bedanken sich, natürlich bei Theaterstübchen-Chef Markus Knierim, aber nicht nur bei ihm. Ob lokale Größe oder Star – von der Bühne kommt ein Lob für den Mann am Mischpult. „Danke für den tollen Sound, Rolf!“, das ist ein Satz, den man immer wieder hört.

Von Herzbuben bis Robin Gibb
Das Lob gilt dem Tontechniker Rolf Dressler, einem echten Meister seines Faches. Als „Urgestein“ bezeichnet er sich selbst, als wir ihn an einem Freitagnachmittag im noch leeren Theaterstübchen treffen. Der Ausdruck „Urgestein“ hat einen guten Grund, denn Dressler arbeitet seit 1986 als freier Tontechniker. Er wird von verschiedenen Firmen für Event- und Medientechnik gebucht, er betreut bundesweit Classic Open Airs, er begleitet die Touren bekannter Bands wie Triosence oder Planting Robots, und er war schon mit höchst unterschiedlichen Künstlern unterwegs – auf der Liste finden sich die Wildecker Herzbuben ebenso wie Nils Landgren oder Robin Gibb.

Maschinenbau, Lehramt, Musik
Rolf Dressler, Jahrgang 1957, stammt aus Südhessen. In Hanau geboren, wuchs er in Langenselbold auf, bekam schon früh Klavierunterricht, spielte in der Kirchenband und kam nach dem Abitur zum Studium nach Kassel. Hier absolvierte er das Grundstudium Maschinenbau, später studierte er Musik und Kunst auf Lehramt. Vor allem aber knüpfte er als Keyboarder und Pianist Kontakte zur Kasseler Musikszene. Er war Mitglied der Band Sango um Sängerin Susanne Vogt. Als die Band eine LP aufnahm, bediente er auch das Mischpult, denn „wenn man Keyboard spielt, ist man ruck zuck bei der Elektronik angelangt“.

Erstes Musical in den Achtzigern
Mitte der Achtzigerjahre suchten die Bad Hersfelder Festspiele für „Anatevka“ jemanden, der sich mit dem Mischpult auskennt und Partitur lesen kann – eine adäquate Aufgabe für Dressler und sein allererstes Musical. So fand er zunehmend ein neues Tätigkeitsfeld jenseits des Bühnenauftritts, stieg bei der Firma Voice Musikproduktion ein und wählte die Studio- und Live-Produktion zu den Schwerpunkten seiner Arbeit.

100 Dollar von Gibbs Manager
Seitdem ist er viel herumgekommen als Tontechniker. Er wickelte Auslandsprojekte für das Goethe-Institut ab, er war mit Robin Gibb auf Asientour. „Ein beeindruckender, netter Mensch“, erinnert er sich an den 2012 verstorbenen Bee-Gees-Sänger und fügt eine Geschichte über eine brenzlige Situation in Hongkong hinzu: Dort habe das Mischpult gebrannt, weshalb er beim Konzert ein neues, unbekanntes Pult, frisch aus der Pappschachtel, verwenden musste. Alles lief prima, aber danach kam Gibbs Manager zu ihm und überreichte ihm 100 Dollar. Man hatte gewettet, dass es nicht klappen würde.

Gutes Feeling
Nach seiner Schätzung betreut er im Theaterstübchen rund 150 Konzerte pro Jahr. Als Markus Knierim 2012 den Club aufwendig erneuern ließ, stand er ihm beratend zur Seite bei der Anschaffung der Tonanlage und des Mischpults. „Wenn du was machst, mach‘s richtig“, habe er damals gesagt. Das hat sich ausgezahlt: „Man merkt es an den Leuten, die hierherkommen – egal ob auswärtiger Techniker oder Musiker. Die merken einfach: Hier können wir gut arbeiten, hier haben wir ein gutes Feeling, und das transportieren sie natürlich ins Publikum.“

Eine optimale Balance finden
Ganz in seinem Element ist Dressler, wenn über technische Details und die Belange seines Metiers spricht, etwa über die 3D-Beschallung, die er bei einem Klassikkonzert auf der Insel Mainau vornahm, über Staffelungen des Halls, über Bändchenhochtöner oder die Anordnung der Lautsprecher, die im Theaterstübchen eine sogenannte Zylinderwelle ergibt. Ein Tontechniker müsse viel beachten: Zunächst einmal sollen die Musiker ein gutes Gefühl auf der Bühne haben, dann gelte es, durchaus vergleichbar mit der Arbeit des Dirigenten, eine optimale Balance zwischen den Instrumenten und Stimmen zu erzielen, schließlich gebe es noch die Möglichkeit, während des Konzerts verschiedene Effekte zu addieren.

Auch Alben aufgenommen
„Live ist mein Ding“, sagt Dressler. Dabei hat er auch eine beachtliche Studio-Erfahrung. So erzählt er, dass er fünf CDs von Ganz Schön Feist aufgenommen und dabei viel experimentiert hat. Er nahm unter anderem auch auf Schloss Elmau das Album „Hidden Beauty“ von Triosence und im Theaterstübchen das Live-Album „Ron Carter: Golden Striker Trio“ auf. Diese Alben brachten dem Triosence-Pianisten Bernhard Schüler und der Kontrabass-Legende Ron Carter im Vorjahr jeweils eine Nominierung für den Echo Jazz ein. Doch dann kam der Eklat um die Rapper Kollegah und Farid Bang. „Leider haben sie ja den Echo abgeschafft“, bemerkt er lachend.

Voice meets Voice
Rolf Dressler lebt mit der Sängerin Sabine Roppel zusammen, die beiden sind Eltern der 14-jährigen Tochter Pauline. „Ich bin spät Vater geworden, meine Familie ist mir sehr wichtig“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Sabine Roppel, den weiteren Sängerinnen Christel Thomas und Annette Roas sowie den Instrumentalisten Rolf Denecke, Christian Svenson und Stefan Metz musiziert Dressler in der Band Voice meets Voice, die immer rund um Weihnachten das Theaterstübchen-Publikum auf eine Reise durch verschiedene Stile mitnimmt. Auch an den Tasten, an Keyboard und Flügel, beweist der hervorragende Tontechniker sein Feingefühl.

Emotional angesprochen werden
Seine musikalischen Vorlieben? Beim Musikhören geht es ihm vor allem darum, emotional angesprochen zu werden. Er schätzt Chopin, Debussy, Beethoven und Rachmaninow, er mag Jazz und Pop, wobei er Sting als Popkünstler hervorhebt. Bleibt noch eine charmante Begebenheit zu erwähnen: Während unseres Gesprächs kam Markus Knierim kurz vorbei und gab den Tipp: „Schreib‘ ganz einfach: Rolf ist der beste Techniker auf der ganzen Welt.“

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