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Elisabethpreis für das Pilotprojekt »Gedächtnisspuren. Kunst und Demenz«

20. April 2018 | Von | Kategorie: Feuilleton 

Acht hessische Projekte für Menschen mit Demenz sind am Mittwoch, 18. April 2018 in Wiesbaden mit dem Elisabeth-Preis für Soziales geehrt worden. Das Projekt »Gedächtnisspuren. Kunst und Demenz«, ein Kooperationsprojekt der Museumslandschaft Hessen Kassel und der Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen e.V. Hofgeismar hat bei einem Festakt am gestrigen Abend den zweiten Preis übergeben bekommen. Der Elisabeth-Preis für Soziales wird von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und Lotto Hessen gemeinsam mit der Hessischen Landesregierung ausgelobt. Er ist mit insgesamt 30.000 Euro Preisgeld verbunden. Das Projekt »Gedächtnisspuren. Kunst und Demenz« erhält 4.000 Euro. Der Preis wurde zum ersten Mal verliehen.

Foto: MHK

In Zusammenarbeit mit dem Ev. Altenpflegezentrum Stiftsheim, der Ev. Altenhilfe Gesundbrunnen e.V. Hofgeismar als Träger und der wissenschaftlichen Begleitung durch Geraldine Schilling, die ihre Bachelor-Arbeit an der Universität Kassel zu diesem Projekt verfasst hat, startete die Museumslandschaft Hessen Kassel in 2015 ein Pilotprojekt zum Thema »Kunst und Demenz«. Unterstützt wurde das Projekt von der DiaDem Stiftung Diakonie Hessen, die besonders Projekte für Demenzkranke und ihre Angehörigen fördert. Die Betroffenen tauchen dabei ein in eine faszinierende Welt des Kunstbetrachtens und vergessen die schmerzliche Erfahrung ihrer Krankheit. Es steht nicht das im Fokus, was sie nicht mehr können, sondern das, was sie können – eine ganz neue Erfahrung für die Betroffenen und für ihre Angehörigen.

»Gedächtnisspuren. Kunst und Demenz« eröffnet mit Hilfe museumspädagogisch angeleiteter Moderation in Kunstmuseen den Teilnehmern die Möglichkeit, in der Auseinandersetzung mit Kunst »alte Welten« zu öffnen und Erfahrungs- und Sprachräume für »neue Welten« zu schaffen. Anders als bei den herkömmlichen Führungen und Workshops im Museum steht nicht die Vermittlung von Wissen im Zentrum der pädagogischen Arbeit. Vielmehr gilt es, über die intensive Betrachtung eines einzelnen Kunstwerks Emotionen und Erinnerungen der Teilnehmer zu wecken und eine Geschichte zu entwickeln.

Für die MHK als Museumsinstitution ist es ausgesprochen wichtig, ihr Angebot auch für die neue Besuchergruppe der demenziell Erkrankten zu öffnen. Es soll damit eine Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht werden.

In Hessen leben nach Angaben der Liga der Freie Wohlfahrtspflege derzeit mehr als 100.000 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Trotz der steigenden Zahl der Betroffenen ist die Krankheit derzeit noch ein Tabuthema. Nach Aussage des Sozialministeriums soll der Preis zukünftig jährlich vergeben werden und dazu ermutigen, »die Qualität sozialer Arbeit zu verbessern«, so erklärte Minister Stefan Grüttner (CDU).

Nachdem dieses Modellprojekt nun mit dem Preis »geadelt« wurde, wird die Museumslandschaft Hessen Kassel das Angebot fortführen und für andere Institutionen öffnen. Ziel ist es, möglichst vielen demenziell Erkrankten die Möglichkeit zu einem Kunstausflug ins Museum zu ermöglichen. Das Preisgeld wird für die weitere wissenschaftliche Evaluierung und Weiterentwicklung des Angebotes eingesetzt werden.

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