Engagement für die Bühnenkunst

Die Volksbühne Kassel ist die größte regionale Besucherorganisation. Auch unter dem Namen „Kulturpunkt“ bekannt, bietet sie ihren Mitgliedern vergünstigte Tickets für vier Kasseler Theater an. Der Verein wurde vor 70 Jahren gegründet.

Gute Laune im Schauspielfoyer: André Busse ist seit 15 Jahren Geschäftsführer der Volksbühne. Foto: KULTURpunkt

Gute Laune im Schauspielfoyer: André Busse ist seit 15 Jahren Geschäftsführer der Volksbühne. Foto: KULTURpunkt

Großer Beliebtheit erfreuen sich die Kammerkonzerte des Staatstheaters, meistens finden sie im Opernfoyer statt. Mitte April gab es eine Ausnahme, denn da war das voll besetzte Schauspielhaus der Konzertort – aus besonderem Anlass: Im Rahmen des Kammerkonzerts wurde das 70-jährige Bestehen der Volksbühne Kassel gefeiert. Seit 1949 existiert die gemeinnützige Vereinigung, die heute mit rund 2000 Mitgliedern die größte regionale Besucherorganisation bildet. Der Verein bietet flexible Abos an und stellt seinen Mitgliedern vergünstigte Theater-Tickets zur Verfügung. Mehr als drei Millionen Eintrittskarten sind bisher vermittelt worden.

Vielfältiges Engagement
In ihren Grußworten würdigten Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann und Kulturdezernentin Susanne Völker das vielfältige Engagement der Kasseler Volksbühne, ehe Vorsitzender Jürgen Fechner auf ihre Geschichte zurückblickte und daran erinnerte, dass der Verein einst erfolgreich für den Neubau des Staatstheaters gekämpft hatte – übrigens noch ein Jubiläum, war doch der Neubau vor sechzig Jahren, und zwar im September 1959, eröffnet worden. Als kammermusikalische Delikatesse erklang dann das Oktett von Franz Schubert, mit viel Schwung von Musikerinnen und Musikern des Staatsorchesters. Üppig blühende Melodienfülle bereicherte den Abend, bevor die gelungene Jubiläumsveranstaltung beim Imbiss im Schauspielfoyer ausklang.

Kein Privileg der Vermögenden
Ihren Ursprung hatte die Volksbühnen-Bewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. 1890 wurde in Berlin die Freie Volksbühne mit dem Ziel gegründet, breiten Bevölkerungsgruppen einen Zugang zum kulturellen Leben zu ermöglichen – Kultur sollte nicht nur ein Privileg der vermögenden Schichten sein. Seit zwei Jahren präsentiert sich der traditionsreiche Berliner Verein unter dem Markennamen „Kulturvolk“, um Verwechslungen mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zu vermeiden. Ähnliche Überlegungen hatten zuvor schon in Kassel eine Rolle gespielt, denn seit 2012 ist die heimische Volksbühne auch als „Kulturpunkt“ bekannt. Zuweilen gab es nämlich Fragen, ob die Volksbühne selbst Theater mache. Solchen Missverständnissen beugt der Name „Kulturpunkt“ vor, indem er die Tätigkeit als Besucherorganisation kommuniziert. Ganz korrekt heißt es auf der Webseite: „KULTURpunkt ist ein Projekt des VolksBühne Kassel e.V. Theaterabo + Kultur“.

Freie Auswahl
Die Mitglieder erhalten vergünstigte Tickets für das Staatstheater, das tic, die kleine bühne 70 und das Wehlheider Hoftheater. Dabei kann man zwischen verschiedenen Abos wählen und selbst bestimmen, welches Theater man wann besucht, es herrscht freie Termin-, Stück- und Theaterwahl. Die Geschäftsstelle berät bei der Auswahl der Stücke und ist Ansprechpartner für alle Informationen rund um die Kasseler Theater. Außerdem engagiert sich der Verein für das junge Publikum, denn mit dem „jugendKULTURpunkt“ gibt es ein eigenes Angebot für Jugendliche.

Zwei Preise ausgelobt
Wenn die Mitglieder von günstigen Eintrittspreisen profitieren und die Theater von mehr Besuchern, ist das für alle eine gute Sache. Zusätzlich fördert die Volksbühne die Kultur Kassels, indem sie zwei Preise auslobt: Der erste ausgelobte Preis ist der zweimal im Jahr vergebene Volksbühne-Preis für Ensemblemitglieder des Staatstheaters. Die Preisträger – jeweils eine Künstlerin oder ein Künstler aus dem Schauspiel und dem Musiktheater – werden von den Mitgliedern des Vereins und der Kasseler Bevölkerung gewählt. Die Städtische Werke AG ermöglicht die Dotierung von jeweils 1.000 Euro. Diesjährige Preisträgerinnen sind Schauspielerin Michaela Klamminger, die den Preis im April überreicht bekam, und Sängerin Jaclyn Bermudez – die Sopranistin wird die Auszeichnung am 6. Oktober entgegennehmen.

Der zweite von der Volksbühne ausgelobte Preis ist der Anneliese-Hartleb-KULTURpunkt-Preis. Er zeichnet eine Persönlichkeit aus, die langfristig in der darstellenden Kunst, im orchestralen, solistischen und tänzerischen Bereich Kassels Kultur angeregt und weiterentwickelt hat. In diesem Jahr erhielt die Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin Deborah Smith-Wicke den Preis, der seit 2016 durch Unterstützung der Kasseler Sparkasse mit 1.000 Euro dotiert ist. Die Preisträger werden vom Vorstand des Vereins gekürt. Benannt ist die Auszeichnung nach Anneliese Hartleb (1921–2015), der einstigen Ehrenvorsitzenden der Volksbühne und Grande Dame des Kasseler Kulturlebens.

Informieren als wichtige Aufgabe
Der von den Mitgliedern gewählte Vorstand des Vereins arbeitet ehrenamtlich. Neben Jürgen Fechner gehören ihm Knut Hoffmann als stellvertretender Vorsitzender, Ursel Bessing als Schriftführerin und Meike Elbelt als Schatzmeisterin an. Jürgen Fechner ist im zwölften Jahr als Vorsitzender aktiv. Der gebürtige Magdeburger, der seit vielen Jahren in Kassel lebt, war Berufsschullehrer und von 1981 bis 1997 Kasseler Stadtverordneter – als einen „Markstein“, auf den er stolz ist, bezeichnet er seine Initiative für Gedenktafeln, die in Kassel die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus wachhalten. Unter den Tätigkeiten der Volksbühne, zu der auch Fernsehgespräche im Offenen Kanal und Führungen gehören, hebt Fechner die beratende Funktion eigens hervor: „Mitglieder informieren – das ist schon eine wichtige Aufgabe. Es kommen immer wieder Mitglieder und fragen: Was können Sie mir empfehlen? Unsere Leute kennen die Interessen und Liebhabereien der Mitglieder und können dann sagen: Das wird Ihnen Spaß machen.“

KULTURpunkt: Friedrich-Ebert-Straße 42, 34117 Kassel. Telefon (0561) 14895. Öffnungszeiten während der Theatersaison: Montag/Dienstag/Mittwoch/Freitag 10 bis 14 Uhr, Donnerstag 10 bis 17 Uhr.
www.kulturpunkt.de

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