Enos Trio – Da brennt etwas

Ein Vorurteil über Kammermusik lautet, dass sich dabei gesetzte Herrschaften in gepflegter Langeweile ergehen. Das Enos Trio beweist das Gegenteil. Wenn Katalin Hercegh (Violine), Daniel Geiss (Violoncello) und Julia Okruashvili (Klavier) ein Stück Joseph Haydns spielen, dann fegen sie alle törichten Klischees vom biederen Papa Haydn hinweg. Selbst vermeintlich unbedeutende Begleitfiguren der Streicher bekommen eine treibende Prägnanz, wirbelnd virtuos wird am Klavier gezaubert. Die Post geht ab, um es mal ganz unklassisch zu sagen.

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

Klassisch altgriechisch ist der Name „Enos“, auf deutsch bedeutet er so viel wie „Einheit“. Kulturelle und instrumentale Gegensätze möchte das international besetzte Ensemble zur Einheit verbinden. Elan und Ausdruckswille zeichnen es aus. Kein Wunder, dass im Gespräch kritische Worte über die Glätte des Klassik-Mainstreams fallen. Die Musik werde immer mehr auf ein enges Ideal gestanzt, sagt Daniel Geiss. Dagegen gelte es, die Klangwelten der verschiedenen Komponisten auszudifferenzieren, Beethoven anders klingen zu lassen als Schubert oder Mendelssohn. Geiss über den Revolutionär Beethoven: „Da brennt etwas, eine Aussage, die durchbrechen möchte. Es ist noch heute aktuell: sich aus einem bestimmten Rahmen zu befreien.“

Die ungarisch-finnische Geigerin Katalin Hercegh ist erste Konzertmeisterin des Staatsorchesters Kassel, Dozentin an der hiesigen Musikakademie und zählt zu den Gründern des Spohr-Kammerorchesters Kassel. Daniel Geiss, 2006 mit dem Kulturpreis der Stadt Kassel ausgezeichnet, hat am Staatstheater Wiesbaden die Position des stellvertretenden Solocellisten inne. Die russische Pianistin Julia Okruashvili, seit Mai 2008 Enos-Mitglied, bereitet sich in der Frankfurter Meisterklasse von Prof. Lev Natochenny auf ihr Konzertexamen vor. Von dem renommierten Klavierpädagogen hat das Ensemble übrigens wichtige Impulse empfangen, ebenso von dem in Hannover lehrenden Geiger Prof. Ulf Schneider.

Das Enos Trio ist selber pädagogisch tätig, gestaltet mit begabten jungen Instrumentalisten eine spannende Jugendkonzertreihe in der Musikschule Baunatal. Und es hat ein Herz für die Moderne, etwa für die Trios von Mauricio Kagel. Am 10. April wird Katalin Hercegh beim Karfreitagskonzert des Staatstheaters in einem ergreifenden Gipfelwerk des 20. Jahrhunderts die Solistin sein: Alban Bergs Violinkonzert, dem „Andenken eines Engels“ gewidmet, steht in der Kasseler Stadthalle auf dem Programm. Vormerken sollte man auch den 3. Juli: Im Rahmen der Konzertreihe „Komponistinnen und ihr Werk“ wird das Enos Trio in der Lutherkirche die Uraufführung eines Auftragswerks der belgischen Komponistin Jacquelin Fontyn mit dem Trio Nr. 5 g-moll des Jahresregenten Louis Spohr koppeln.

www.enostrio.de

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Ein Kommentar

Hans-Georg Schäfer

Ein sehr guter Artikel! Ich wünsche mir, dass viele „Jerome“ lesen und anerkennen, dass wir auch in unserer Region sehr gute Musiker vereinen.
Ich habe schon öfter als Aufnahmeleiter mit dem Trio gearbeitet. Wir haben gemeinsam diverse Konzerte aufgenommen und die CD „Enos Encores“ produziert. Mich hat die hohe Professionalität des Ensembles immer wieder begeistert.
Ich freue mich auf weitere gemeinsame Projekte!
Enos Trio – weiter so!
Hans

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