In vielerlei Hinsicht attraktiv

Die Kasseler Musiktage vom 28. Oktober bis zum 13. November präsentieren junge Ausnahme-Künstlerinnen als Artists in Residence

Martinskirche. Foto: Bernd Schölzchen

Was haben Thomas Quasthoff, Heinz Holliger und Jessye Norman gemeinsam? Alle drei gewannen in jungen Jahren den internationalen Musikwettbewerb der ARD und sind heute Berühmtheiten der klassischen Musik. So gesehen, hat Hyeyoon Park die besten Voraussetzungen für eine ganz große Karriere. 2009 erspielte sich die damals 17-Jährige den 1. Preis beim ARD-Wettbewerb in München. Die koreanische Geigerin ist damit die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des legendären Wettbewerbs.

Im Atem der Zeit
Junge Ausnahme-Künstlerinnen wie Hyeyoon Park stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Kasseler Musiktage. Das traditionsreiche Festival lädt vom 28. Oktober bis zum 13. November zu 21 Konzerten und Veranstaltungen in das Kongress Palais, die Kunsthalle Fridericianum, das Staatstheater, den Ständesaal und andere Spielstätten ein. „Im Atem der Zeit – Junge Kunst und große Meister“ heißt das facettenreiche Motto.
Der künstlerische Leiter Dr. Dieter Rexroth formuliert das Konzept: „Junge Künstler, unsere kulturelle Zukunft – Artists in Residence bei den Kasseler Musiktagen 2011 – interpretieren große Werke, die in vergangenen Zeiten entstanden sind. Unsere jungen Künstler legen ihre Karten offen, was Annäherung, Deuten, Erfassen, was Auseinandersetzung und Verstehen betrifft. Und dabei stellen sie ihre Interpretationen auch in unterschiedliche programmatische und veranstalterische Kontexte.“

Artists in Residence
Neben der Geigerin Hyeyoon Park sind die Pianistinnen Martina Filják und Daniela Hlinková die Artists in Residence. Martina Filják feierte ihr Debüt bereits als 12-Jährige mit dem Kammerorchester ihrer Heimatstadt Zagreb und gastiert mittlerweile auf den bedeutendsten Podien von der New Yorker Carnegie Hall bis zum Wiener Musikverein. Die ebenfalls preisgekrönte Pianistin Daniela Hlinková stammt aus einer slowakisch-tschechischen Musikerfamilie und lebt wie Hyeyoon Park in Berlin. Über Hlinková schwärmte kein Geringerer als der Dirigent Michael Gielen: „Sie spielt hervorragend, sehr sensibel, ein wunderbar klarer Ton.“

Von Brahms zu Schostakowitsch
Das in vielerlei Hinsicht attraktive Konzept sieht vor, dass die drei Musikerinnen in unterschiedlichen Veranstaltungsformen auftreten. Sie spielen Kammermusik, Recitals, sie sind in Salons zu Gast – und sie haben sich in Orchesterkonzerten zu bewähren. Hyeyoon Park interpretiert beim Auftakt am 28. Oktober im Kongress Palais/Stadthalle mit dem hr-Sinfonieorchester das Violinkonzert von Johannes Brahms. Daniela Hlinková und das Spohr Kammerorchester Kassel führen am 7. November in der Kirchditmolder Kirche das 1. Klavierkonzert von Dmitri Schostakowitsch auf. Beim Finale am 13. November im Kongress Palais präsentieren Martina Filják und die Staatskapelle Weimar das 1. Klavierkonzert von Brahms.

Aber nicht nur die Artists in Residence glänzen bei den Musiktagen. Mit tschechischer Klangkultur verwöhnt das Symphonieorchester des Nationaltheaters Prag an zwei Abenden in der Martinskirche und dem Opernhaus, unterstützt vom Cellisten Petr Nouzovský (3. November) und der Geigerin Tai Murray (4. November). In einem spannenden Projekt lassen Studierende und Dozenten der Musikakademie Kassel Johann Sebastian Bachs Brandenburgische Konzerte in einen Dialog mit Werken junger Kasseler Komponisten treten (6. und 13. November).

Quatuor Diotima
Einen weiteren Schwerpunkt neben den sieben Orchesterkonzerten bilden die Auftritte von führenden Streichquartett-Ensembles wie dem französischen Quatuor Diotima, das am 1. November im Ständesaal unter anderem die Uraufführung eines Werkes des zeitgenössischen tschechischen Komponisten Miroslav Srnka spielen wird – große Kunst kann auch von jungen Meistern kommen.

Hyeyoon Park. Foto: Julia Wesely

Darüber hinaus gibt es viel zu entdecken. Am 6. November etwa bieten die Kantorei Kirchditmold und Kirchenmusikdirektor Michael Gerisch ein Konzert mit dem bewegenden „Deutschen Requiem“ von Brahms. Gesangssolisten sind die Sopranistin Katharina Persicke und der Bariton Wolfgang Brendel, der bei der Kasseler Produktion von Wagners „Meistersingern“ als Hans Sachs ein Publikumsliebling war.

Tickethotline: (0561) 3164500, www.kasseler-musiktage.de

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