Louis Spohr – Mehr als ein Denkmal

louis_spohrDer Mann, dessen Denkmal auf dem Kasseler Opernplatz steht, war ein wegweisender Komponist. Er war zudem einer der ersten modernen Dirigenten, der größte Geiger seiner Zeit neben Niccolò Paganini, ein einflussreicher Pädagoge und ein aufgeklärter, fortschrittlich gesinnter homo politicus. Von 1822 bis 1857 wirkte er als Hofkapellmeister in Kassel und machte die Stadt zu einem bedeutenden Musikzentrum. Vor 225 Jahren, am 5. April 1784, wurde Louis Spohr in Braunschweig geboren, vor 150 Jahren, am 22. Oktober 1859, starb er in Kassel.

Fast 300 Kompositionen, darunter allein mehr als 30 Streichquartette, umfasst sein Werk. Einst hoch geschätzt, wird es heute manchmal einseitig beurteilt. „Biedermeierlich“, „weich“, „elegisch“ – so lauten einige Klischees. Damit übersieht man die zukunftsweisende Seite in Spohrs Musik, nicht zuletzt die reiche Chromatik, die auf farbige Weise die Halbton-Unterteilung der Oktave nutzt. In seiner Oper „Der Alchymist“ findet sich etwa eine fast wörtliche Vorwegnahme der revolutionären „Tristan“-Wendung Richard Wagners. Übrigens wurden Wagners „Der fliegender Holländer“ und „Tannhäuser“, damals mithin avantgardistische Opern, unter der Leitung des vermeintlichen Biedermeier-Mannes in Kassel aufgeführt. Spohr – ein wegweisender Künstler, ein mutiger Kapellmeister.

Eine Fülle an Veranstaltungen in Kassel würdigt den Jubilar. Auf 58 Seiten informiert die Broschüre „Louis Spohr Jahr 2009“, erhältlich u. a. in den Kasseler Museen, bei Kassel Tourist, im Rathaus-foyer und im Staatstheater, über die Konzerte und Termine. Hier nur einige Höhepunkte: Drei Oratorien Spohrs werden aufgeführt. Am 22. März präsentieren Michael Gerisch und die Kantorei Kirchditmold das Passionsoratorium „Des Heilands letzte Stunden“. Am 7. Juni folgt „Der Fall Babylons“ in der Martinskirche mit dem Kasseler Konzertchor und dem Staatsorchester Braunschweig. Das Oratorium „Die letzten Dinge“ mit dem Kasseler Bachchor unter Norbert Ternes erklingt am 8. November in der Martinskirche.

An Kammermusik gibt es u. a. das Musikfest vom 3. bis 6. Juni in der documenta-Halle, veranstaltet vom Konzertverein Kassel (ehemals Kammermusikverein), sowie die Wilhelmshöher Schlosskonzerte des Hessischen Rundfunks mit sechs Terminen im Juni, Juli und August. Das Opernschaffen Spohrs wird mit drei konzertanten Aufführungen von „Jessonda“ am Staatstheater unter der Leitung von Generalmusikdirektor Patrik Ringborg gewürdigt (Premiere: 25. Oktober). Die Kasseler Musiktage, die unter dem Motto „Haltet die Zeit“ vom 29. Oktober bis zum 22. November dauern, entwerfen vom 6. bis 8. November ein Laboratorium des Erinnerns und der Fantasie: Das Ensemble Modern, eines der weltweit führenden Ensembles für zeitgenössische Musik, wird sich dabei mit Spohr auseinander setzen.

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