Lust auf Farbe – Ausstellung bunte Götter

Klassisch weiß? Von wegen. Die Antike war alles andere als farblos. Im Gegenteil. Die alten Römer und Griechen liebten es bunt. Die Lust auf leuchtende Farbtöne bestimmte und bereicherte die Kunst und war ebenso ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Dass antike Marmorskulpturen weder fahl noch matt waren, zeigt die Ausstellung „Bunte Götter“, die auf ihrer Tour rund um die Welt vom 6. März bis 1. Juni auch Station im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel machen wird.

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

Ein echtes Highlight für Dr. Rüdiger Splitter im Kanon des Jahresprogramms der Museumslandschaft Hessen Kassel. Denn „Bunte Götter“ ist nicht nur was fürs Auge, sondern auch „spannende, anschauliche Wissenschaft“, hinter der aktuell rund 25 Jahre Forschungsarbeit, letztlich aber sogar eine über 200-jährige Entdeckungsreise steckt. Ein großes Team von Wissenschaftlern unter der Regie von Vinzenz Brinkmann, dem Leiter der Antikensammlung des Liebighauses in Frankfurt, schaffte es in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten, eine Flut spektakulärer Erkenntnisse über antike Skulpturen zu belegen.

Das Ergebnis der Forschungsarbeit mündete in der Wanderausstellung „Bunte Götter“, die antike Skulpturen ebenso wie eindrucksvolle Rekonstruktionen zeigt. Das Fazit: Die Antike ist bunt. Das belegen nicht nur zahlreiche Schriftquellen, sondern auch Spuren des ursprünglichen Farbkleides, die klar zeigen, dass die griechischen und römischen Kunstwerke farbige Gewänder trugen und diese mit aufwändigen Ornamenten verziert waren. An dieser Tatsache ändert auch nicht, dass diese Farbigkeit während der Renaissance verdrängt, im 19. Jahrhundert zwar wieder aufgegriffen, dafür aber im 20. Jahrhundert erneut zugunsten einer klaren Ästhetik vernachlässigt wurde.

„Bunte Götter“ ist eine Ausstellung, die sich als „work in progress“, also immer auf dem neuesten Stand der Forschungsarbeit, schon in der ganzen Welt präsentiert hat. Nach Stationen in Istanbul, Athen, Malibu, Basel, Amsterdam, Los Angeles, Cambridge, New York, Hamburg, München und Frankfurt ist die Museumslandschaft Hessen Kassel besonders stolz, die Skulpturen und ihre Rekonstruktionen in Nordhessen zeigen zu dürfen. Denn Kassel war laut Dr. Rüdiger Splitter in dem Wissenschaftszweig der Polychromieforschung, die sich der Farbigkeit antiker Skulpturen widmet, immer eine wichtige Adresse. Nicht zuletzt deshalb sollen die weltberühmten Ausstellungsstücke, die sich im Schloss Wilhelmshöhe auf zwei Ebenen präsentieren und die außergewöhnliche Forschungsarbeit anschaulich darstellen werden, um rund 50 ausgewählte Kasseler Objekte aus der Antikensammlung, die ebenfalls für Farbigkeit stehen, ergänzt werden.

Doch bevor der Perserreiter, eines der Highlights der „Bunten Götter“, zweifelsohne zum Publikumsmagneten avancieren und seine Laserkopie ebenso zu bewundern wie seine Rekonstruktion filmisch nachzuvollziehen sein wird, steht den Kasseler Museumsfachleuten wieder mal eine logistische Herausforderung ins Haus. Nur rund drei Wochen Zeit bleibt zwischen dem Ende der aktuellen Ausstellung in Frankfurt und dem Start in Kassel. Doch Dr. Rüdiger Splitter ist sich sicher: „Das ist alles genau getaktet, das kriegen wir hin.“

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