Mit Baum der Erkenntnis

Naturkundemuseum im Ottoneum: Sintflut & Sündenfall

Die Tierwelt in der Bibel ist das große Thema der aktuellen, dort noch bis zum 25. Januar 2015 präsentierten Sonderausstellung Sintflut & Sündenfall des Naturkundemuseums im Ottoneum, für die, wenngleich auch nur als repräsentativer Teilausschnitt, selbst die Arche Noah neu erbaut wurde. Wer nicht bibelfest ist, erfährt dazu aus der ergänzenden Texttafel: „Von allen unreinen Tieren sollte Noah ein Paar mit an Bord nehmen, von allen reinen Tieren und den Vögeln sieben Paare“ (nach 1. Moses 6–9). Doch selbst für „unreine“ Paare hat es nicht gereicht, „das schafft man einfach nicht“, erläutert Museumsdirektor Dr. Kai Füldner, dem es gelang, die opulente Ausstellung, für die viele Objekte eigens angefertigt wurden, nicht zuletzt dank zahlreicher unbezahlt überlassener Leihgaben auf Kosten von zirka 40.000 Euro zu begrenzen.

Ochs und Esel ohne Krippe

Dr. Kai Füldner (links), Direktor des Naturkundemuseums im Ottoneum, beim prüfenden Blick auf die realistisch umgesetzte Bibelszene Bileams Eselin. Foto: Markus Frohme

Dr. Kai Füldner (links), Direktor des Naturkundemuseums im Ottoneum, beim prüfenden Blick auf die realistisch umgesetzte Bibelszene Bileams Eselin. Foto: Markus Frohme

Geradezu paradiesisch, und auch ganz so gewollt, mutet darunter der vier Meter hohe „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ an – ein Apfelbaum –, der die Schlange trägt, durch deren Verführungskünste Adam und Eva schließlich den Garten Eden verlassen mussten. Dramatisch die Szene mit Bileams Eselin, die diesen – mit ihrem nur scheinbar störrischen, indes wohlkalkulierten Verhalten – vor dem sicheren Tod durch einen bewaffneten Engel retten konnte. Schon fast monumental der Nachbau jener Löwengrube, in die der Prophet Daniel während seines Babylonischen Exils geworfen wurde. In dem archaisch anmutenden Stall, „gebaut aus selbst hergestellten Ziegeln“, erwartet man neben Ochs und Esel fast automatisch auch die berühmte Jesus-Krippe, doch Dr. Füldner winkt ab: „Diese Krippe gibt es in der Bibel gar nicht, das ist eine reine Erfindung der Christenheit.“

„Und es kamen Frösche herauf“

Schauplatz der Bibel ist das Gebiet von Ägypten bis hin zum Iran, wodurch hier die Tierwelt der Kontinente Afrika, Asien und Europa aufeinander trifft, von Wölfen und Bären bis hin zu Löwen und Kamelen – was dem seit vielen Jahren rein regional ausgerichteten Museum im Rahmen dieser Schau eine gute Gelegenheit bot, auf entsprechende, schon lange nicht mehr ausgestellte Präparate aus seinem Fundus zurückzugreifen. Aber auch lebende Tiere finden sich, im Terrarium, in Gestalt von Heuschrecken und Fröschen, die zu den “zehn Plagen“ führen, verbunden mit Erklärungsversuchen aus heutiger wissenschaftlicher Sicht. Im Zusammenspiel mit zahlreichen weiteren Exponaten entsteht so ein komplexes Bild der Bedeutung, die Tieren im christlichen und jüdischen Glauben zugemessen wird und welche Veränderungen es dabei bis in die Gegenwart gegeben hat.

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