Opernsänger Derrick Ballard – Ein Amerikaner in Kassel

„Stimmlich brilliant und mit komödiantischem Pep bringt er die schillernde Figur herüber,“ schrieb ein Kritiker über Derrick Ballard als Dulcamara in Donizettis Belcanto-Oper L’elisir d’amore. Seit drei Jahren gehört der Bassbariton aus Denver/Colorado dem Ensemble des Staatstheaters Kassel an. In der nächsten Zeit hat der 34-Jährige gleich zwei große Rollendebüts – als Diener Leporello in Mozarts Don Giovanni und als Titelheld in Händels Hercules.

Es ist eine alte Streitfrage unter Opernfans: Auf der einen Seite gibt es die schöne Stimme, auf der anderen den charakteristischen Ausdruck, der nicht unbedingt schön sein muss. Welche Seite bevorzugen Sie?

Das erste Ziel ist, dass es schön klingt. Wenn man diese Schönheit nicht hat, hat man nichts. Und innerhalb dieses Rahmens kommen dann die Charaktersachen. Kraft gehört dazu und Charakter – aber eben dazu, nicht bloß Kraft, nicht bloß Charakter. Ich glaube auch, dass jeder Sänger an einem stimmlich weniger guten Abend die Charaktersache betont, damit die nicht so gute Form weniger auffällt.

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

Was hören Sie privat außer Oper?
Ganz verschiedene Sorten an Musik: Blues, Metallica, Guns N’ Roses. Übrigens würde ich irgendwann mal gern in einer Rockband singen.

Haben Sie sich in Kassel gut eingelebt?

Ja, natürlich. Ich finde es wirklich gut hier. New York, wo ich vorher lebte, fand ich immer zu laut und mit zu vielen Leuten. Und jetzt ist es was anderes.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem neuen Ersten Kapellmeister Marco Comin, der Don Giovanni dirigieren wird?

Er ist einfach super. Was er in den Proben allein von der Sprache bringt. Er kann sagen: Mach’ den Akzent auf dieses Wort, oder diese Phrase geht bis zu diesem Wort. Und auch als Musiker ist er klasse. Er reagiert darauf, was der Sänger gerade braucht: Müssen wir diesen Teil ein bisschen schneller nehmen oder brauchst du Zeit zu atmen? Er ist immer direkt mit uns. Das ist echt beruhigend, wenn man auf der Bühne steht.

Von Georg Pepl

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