Patrik Ringborg: Ein Garant für gute Musik

Ein großes Lob bekamen das Staatsorchester Kassel und Patrik Ringborg von einem der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart: Nach der Premiere seiner Oper „Lear“ im September nannte der aus Berlin angereiste Komponist Aribert Reimann die Musiker ein „unwahrscheinlich tolles Orchester“ und hob die Genauigkeit des schwedischen Dirigenten hervor. Seit 2007 ist Patrik Ringborg Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel. Wir sprachen mit ihm in seinem Büro, in dem man Richard Wagner in zweifacher Ausführung zu sehen bekommt, denn neben einer Büste des Bayreuther Meisters liegt eine niedliche Wagner-Puppe auf dem Klavier.

Jérôme: Herr Ringborg, mögen Sie den Titel Generalmusikdirektor?

Patrik Ringborg: Als ich noch in Schweden wohnte, fand ich schon, dass er extrem deutsch klang – hier sagt man eher: preußisch. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und auch gelernt, woher die Bezeichnung kommt. Sie hat ja nichts mit Militär zu tun. Gaspare Spontini (ein italienischer Komponist und Dirigent, der in Berlin wirkte) wollte 1819 mehr Geld, und um das zu ermöglichen, bekam er eben eine zivile Uniform und diesen Titel. Insofern finde ich das heute amüsant. Wichtig sind aber die Verpflichtungen und die Verantwortung eines Generalmusikdirektors.

Jérôme: Sie leben schon seit mehreren Jahren in Deutschland, haben aber auch immer wieder Auftritte in Ihrer Heimat. Sind Ihnen Unterschiede zwischen der deutschen und schwedischen Mentalität aufgefallen?

Ringborg: Diese Unterschiede merkt man sofort an den Entscheidungsfindungen bei einem Orchester. Der Beruf des Dirigenten ist ja etwas Antiquiertes: Ein Mensch schlägt mit der Hand nach unten, und hundert Leute müssen spielen. Das ist wie vor hundert Jahren, und es wird noch in hundert Jahren so sein. Aber alles was rundherum geschieht – Programme, Auftritte, sogar Kleidung auswählen –, das wird in Schweden völlig demokratisch in Komitees entschieden. Wehe, wenn der Dirigent versucht, irgendetwas anzusagen.

Jérôme: Wie verhält es sich damit am Staatstheater, ist das Arbeitsklima mehr deutsch oder schwedisch?

Ringborg: Für deutsche Verhältnisse ist es wahrscheinlich eher schwedisch, aber immer noch so, dass von mir viele Entscheidungen erwartet werden. Ich versuche auch einen Dialog zu führen, aber es ist einfach anders hier. Und ich finde es auch besser. Es geht nicht um Diktatur, sondern um Vertrauen. Wenn man jemanden hat, dann soll der machen dürfen. Und wenn er es nicht gut macht, kann man sich wieder trennen.

Jérôme: Ihr Vertrag wurde bis 2017 verlängert, was für die Qualität Ihrer Arbeit spricht. In der jetzigen Spielzeit heißt das Motto der Kasseler Sinfoniekonzerte „Cantus“ – Gesang. Dazu passt Gustav Mahlers Frühwerk „Das klagende Lied“, das Sie am 14. Mai zur Eröffnung der Gustav-Mahler-Festtage dirigieren.

Ringborg: Es ist das erste Mal, dass die Urfassung des „Klagenden Liedes“ in  Kassel erklingt.

Jérôme: Ein weiteres Ereignis ist Richard Wagners Oper „Lohengrin“. Darf man Ihnen eine Neigung für das romantische Repertoire Wagners und Mahlers attestieren oder gibt es noch andere große Vorlieben?

Ringborg: Ich habe eine Vorliebe für gute Musik. Merkwürdigerweise landet man vor allem als Gastdirigent leicht in einem bestimmten Fach. An gewissen Häusern dirigiere ich nur italienische Opern, anderswo dirigiere ich viel französische Musik. Aber Wagner, Strauss und Mahler sind für mich schon sehr wichtig, und sie sind auch für ein Orchester wichtig.

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