Schauspieler Bastian Semm im Interview

Er fülle die Titelrolle des Hamlet „mit enormer Physis und psychologischer Durchdringung“ aus, befand die Jury über den Schauspieler Bastian Semm (31), der bei den 61. Bad Hersfelder Festspielen mit dem Hersfeld-Preis ausgezeichnet wurde. Nach dem diesjährigen Ende der Festspiele sprachen wir mit dem gebürtigen Bochumer über Zukunftspläne und seine Liebe zu einem legendären Musiker.

Jérôme: Wenn man Ihren Namen in eine Internet-Suchmaschine eingibt, stößt man auf Ihre Seite beim sozialen Netzwerk Myspace, das viele Musiker und Bands benutzen. Ist Musik eine Ihrer großen Leidenschaften?

Bastian Semm: Absolut. Musik ist mein zweites Leben neben der Schauspielerei. Schon seit ewigen Zeiten singe ich und spiele Gitarre. Außerdem habe ich ein Johnny-Cash-Projekt, das mir wahnsinnig am Herzen liegt. Es gibt dabei eine Lesung aus Cashs Autobiographie und Songs von ihm, die wir mit Akustikgitarre und der Kistentrommel Cajón unplugged begleiten. Mit sehr eigenen Versionen seiner Lieder reiten wir durch das Leben von Johnny Cash. Das ist sozusagen mein kleines Baby (lacht).

Jérôme: Wird dieses Baby noch öfters zu hören sein?

Semm: Mit den Kollegen Sandro Tajouri und Jörg Schröder stellte ich den Johnny-Cash-Abend schon in Basel, Heidelberg und München vor. Ab der kommenden Spielzeit geht mein freies Leben los, dann bin ich ohne festes Engagement frei arbeitend als Schauspieler und Musiker. Natürlich versuche ich deshalb, diesen Abend Theatern und anderen Spielstätten anzubieten. Da Sie vorher das Internet erwähnt haben: Wir haben eine Homepage www.a-singer-of-songs.com, benannt nach einem bekannten Cash-Lied.

Jérôme: Wie sieht Ihr nächster Plan aus?

Semm: Bis Herbst bin ich in Nashville und Los Angeles. Es hat wieder mit Johnny Cash zu tun, denn es ergab sich folgendermaßen: Nachdem ich das Johnny-Cash-Projekt in Basel gemacht hatte, stellte ich meine Version von „A Singer of Songs“ online auf YouTube. Nach knapp zwei Jahren meldete sich bei mir der Songwriter Tim O‘Connell, dass er diesen Song 1979 geschrieben habe und dass er meine Version mögen würde. Für mich war das wie ein Ritterschlag. Seitdem sind wir in regem E-Mail-Kontakt. Nun hat Tim O‘Connell in Nashville ein Treffen mit John Carter Cash arrangiert, dem Sohn von Johnny und June. Ein absolutes Highlight, ein Traum.

Jérôme: Was mögen Sie an Johnny Cash?

Semm: Die Wahrheit (lacht). Musik in dem Sinne, wie ich sie mache, und Schauspiel, wie ich es verstehe, haben eine große Schnittmenge. Es geht immer darum, Geschichten zu erzählen, entweder aus einer Figur heraus oder in einem Song. Johnny Cash ist für mich der Inbegriff des Geschichtenerzählers. Egal was er singt, jedesmal denkt man: Ja, da hat er recht. Das hat er gezeigt in aller Widersprüchlichkeit, die er nun mal als Mensch war. Für mich ist es das Gleiche wie im Schauspiel: authentisch sein und erzählerisch eintauchen in Figuren und Geschichten.

Jérôme: Eine musikalische Qualität konnte ich auch im Bad Hersfelder „Hamlet“ entdecken, den der im Opernfach erfahrene Regisseur Jean-Claude Berutti inszeniert hat ….

Semm: In allen Bereichen des Schauspiels ist das Rhythmusgefühl immens wichtig. Am deutlichsten merkt man es in der Komödie, denn das Setzen von Pointen hat ganz viel mit Timing zu tun. Anderswo ist es aber genauso. Zum Beispiel in der Fechtszene in „Hamlet“, die für mich ein Dialog war: Der eine machte eine Aktion, und der andere parierte. Das ist Kommunikation und eine Rhythmusfrage.

Jérôme: Was bringt die Zukunft außer Musik?

Ich habe fünf Jahre lang fest in Ensembles gespielt, drei Jahre in Basel und zwei Jahre in Heidelberg. Nun möchte ich erst mal gucken, was es im Theater für mich noch so gibt an Projekten mit Regisseuren, die ich schätzen gelernt habe. Und ich möchte wieder mehr im Film- und Fernsehbereich machen.

Teilen, drucken, mailen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.