Selfies in der Urzeit

Naturkundemuseum: Kassels Naturgeschichte in 3D

Wir wollen eigentlich immer kleine Welten erschaffen“, sagt Dr. Kai Füldner, Direktor des Kasseler Naturkundemuseums im Ottoneum und bald auch Leiter des Kasseler Stadtmuseums. „Bilder an die Wände hängen: So etwas machen wir eigentlich nicht.“ Dass im Erdgeschoss seines Museums derzeit nun doch zahlreiche großformatige Gemälde zu sehen sind, ist dem Impuls der Königsteiner eli – eine lose idee GmbH zu verdanken, die den Kontakt zu chinesischen Künstlern herstellte, die Bilder mit 3D-Effekt malen. „Mit solchen Gemälden kann man interagieren, da passiert etwas“, so Füldner. „Diese Idee hat mir gefallen.“ Insbesondere mit Blick auf die jugendlichen Besucher, die dank Smartphone ein ganz neues Verhältnis zum Fotografieren und Fotografiert-werden entwickelt haben, sei ihm dieser Ansatz ein Experiment wert gewesen: 3D-Gemälde zur Vermittlung der Erdgeschichte rund um Kassel, die rund 450 Millionen Jahre zurückreicht. „Wir lagen mal unter Wasser, wir lagen mal mitten in einem Kontinent – da gibt es eine Menge Spielraum“, so der Museums-Chef. Entsprechende Motive boten sich schnell an: Im Ordovizium gab es Riesentintenfische, im Karbonwald flogen monströse Libellen und im Perm tauchten die ersten großen Saurier auf, im Kasseler Raum mit dem Dimetrodon. Weitere Gemälde illustrieren unter anderem die eigentliche „Saurierzeit“ Jura und Kreide, die Zeit der Neandertaler, Kassels Natur heute und die Geschichte des Ottoneums.

So wäre vor 150 Millionen Jahren vermutlich die Begegnung von Markus Braband (ARTvanced) mit einem Brontosaurus verlaufen. Foto: Jan Hendrik Neumann

So wäre vor 150 Millionen Jahren vermutlich die Begegnung von Markus Braband (ARTvanced) mit einem Brontosaurus verlaufen. Foto: Jan Hendrik Neumann

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?
„Unsere Grafiker haben dazu die Vorlagen geliefert, die haben wir dann nach China geschickt“, erläutert Kai Füldner. „Beim dortigen Produktionsprozess gab es noch ein reges Hin und Her und einiges wurde aus sprachlichen und kulturellen Gründen auch missverstanden.“ Ungeachtet dessen habe man das sehr ambitionierte Zeitfenster – Startschuss: August 2014 – halten können, sogar mit sehr befriedigendem Ergebnis. So etwa bei der bildlichen Umsetzung des „missglückten Experiments“, das der Physiker und Erfinder Denis Papin um 1700 im Ottoneum durchgeführt hatte. Füldner: „Dieses Bild ist in vielerlei Hinsicht perfekt geworden, unter anderem durch die Abbildung authentischer, von Papin tatsächlich benutzter Objekte, die jenen in seinen noch erhaltenen Konstruktionszeichnungen entsprechen.“

Selbst das unperfekte Element des Bildes entfaltet dabei noch seinen Reiz: Für’s Erinnerungsfoto kann dessen Betrachter gleich mit in die Luft fliegen … Und so haben seit Eröffnung der Ausstellung, die noch bis zum 6. September gezeigt wird, bereits zahllose Besucher die einmalige Chance genutzt, sich beim Füttern eines Flugsauriers fotografieren zu lassen, mit Höhlenmenschen am Feuer zu sitzen – oder gar vom Goethe-Elefanten nassgespritzt zu werden.

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