Weltretterin

Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor an Sibylle Berg verliehen

Am 9. März wurde die Autorin Sibylle Berg mit dem „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ ausgezeichnet. Der „Förderpreis komische Literatur“ ging an Jakob Nolte.

Katja Riemann, Sibylle Berg, Jakob Nolte, Benjamin Vieth (v.l.). Foto: Anja Köhne

Katja Riemann, Sibylle Berg, Jakob Nolte, Benjamin Vieth (v.l.). Foto: Anja Köhne

Mit dem Stück „Euridyke“ empfingen „Kreidler“ die Gäste zur Verleihung im Kasseler Rathaus. Das Stück hatte die Band eigens für Sibylle Berg komponiert und arrangiert. Es entstand anlässlich der Lesetour zu ihrem Buch „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“. Auf ihren Lesetouren lässt sich Berg, die im Gegensatz zu ihren Texten als sehr zurückhaltend gilt, regelmäßig von Schauspielern und Musikern begleiten, so etwa 2015 von „Kreidler“ und 2012 von Katja Riemann, die die Veranstalter als Laudatorin gewinnen konnten.

Was ist eine Sibylle?
Dass Berg und Riemann eine enge Freundschaft verbindet, offenbarte sich in der emotionalen Rede letzterer, in der sie Berg als „Weltretterin“ pries, die durchgehalten habe, „auch wenn der Wind scharf von vorn blies“. Sich etymologisch mit Bergs Vornamen Sibylle auseinandersetzend, ging Riemann der Frage nach, was eigentlich eine Sibylle sei, und stellte fest, da habe sich der Name mit der Person und dem ergriffenen Beruf gedeckt, denn in der griechischen Mythologie ist eine „Sibylle“ eine Prophetin, die unaufgefordert die Zukunft weissagt.

Streiterin für die Demokratie
Auch Riemanns Vorredner fanden starke Worte für die 55-jährige Preisträgerin. Oberbürgermeister Christian Geselle etwa bezeichnete Berg in seinem Grußwort als „Streiterin für die Demokratie“. Prof. Dr. Dr. Walter Pape, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Brückner-Kühner, die den mit 10.000 Euro Preis seit 1985 gemeinsam mit der Stadt Kassel jährlich an Autoren und Autorinnen vergibt, „deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist“, konstatierte, Bergs Texte seien „aktiver Katastrophenschutz“.

Fragen Sie Frau Sibylle
Bergs Œuvre zeichnet sich darüber hinaus durch Vielseitigkeit aus: Sie schreibt Romane, Kurzprosa, Theaterstücke, Hörspiele, Songtexte, Essays und ist als Regisseurin und Kolumnistin tätig. Ihr Werk umfasst 21 Theaterstücke und 14 Romane, übersetzt in 34 Sprachen. Seit Januar 2011 schreibt sie für „Spiegel Online“ die wöchentlich erscheinende Kolumne „S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle“. In den Jahren 2016 und 2017 sprach sie für die ZDFneo-Talkshow „Schulz & Böhmermann“ selbst verfasste satirische Texte zur Vorstellung der Gäste ein. Ihre zahlreichen Auszeichnungen, darunter der „Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis“, wurden nun durch den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ abgerundet.

Förderpreis für Jakob Nolte
Seit 2004 wird gemeinsam mit dem Hauptpreis auch der mit 3.000 Euro dotierte „Förderpreis komische Literatur“ vergeben, dem anders als dem Hauptpreis Vorschläge von Verlagen vorausgehen. Aus rund 100 Einreichungen von 43 Verlagen entschied sich die Jury in diesem Jahr letztlich für den 30-jährigen Schriftsteller Jakob Nolte, denn sie musste anerkennen: „Noltes Komik lässt uns seinem Wahnwitz nicht entkommen.“ Sein Laudator Benjamin Vieth vom Verlag Matthes & Seitz bezeichnete Nolte analog zu einer Figur aus Noltes Buch „Alff“ als „Vollstricker, weil er die Verstrickung des Lesers in den Text vollstrecke“.

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