Alles voller Grimms: Auftakt zum Jubiläumsjahr

Es ist schon ein Mammutwerk, das Jubiläumsprogramm zum Jubiläumsjahr. Aber es ist nicht der 1. Januar des neuen Jahres, an dem das Jahr der Grimms gefeiert wird. Stichtag ist der 20. Dezember 2012. An diesem Tag ist es genau 200 Jahre her, dass die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm die Erstausgabe ihrer akribisch gesammelten Kinder- und Hausmärchen herausgaben. Ein guter Grund, diesen denkwürdigen Tag und das darauf folgende Jahr mit einem kompletten Jubiläumsjahr zu feiern. Intendantin Maren Matthes enthüllt im Gespräch mit Ralph-Michael Krum, was sich hinter einigen ihrer Lieblingsveranstaltungen des Festprogramms verbirgt.

Maren Matthes, Intendantin von Grimm 2013, im Jérôme-Interview. Foto: Mario Zgoll

Maren Matthes, Intendantin von Grimm 2013, im Jérôme-Interview. Foto: Mario Zgoll

Jérôme: Greifen Sie doch einfach mal in den Topf mit dem großen Programm und greifen Sie eine Ihrer Lieblingsveranstaltungen heraus.

Maren Matthes: „Das ist bestimmt Schattenwald, ein sehr leises Theater im öffentlichen Raum. Ich bewundere die Arbeit des Theaters Anu schon seit langer Zeit, und nun ist es mir gelungen, sie zu unserem Jubiläumsjahr zu holen. Schon beim ersten Kontakt sagten mir die Mitglieder, dass sie schon immer mal Märchen dort spielen wollten, wo viele von ihnen ursprünglich angesiedelt waren, nämlich im tiefen Wald. Und genau so machen wir es auch. Wir werden in den Wald gehen, werden dort auf rund einem Kilometer Länge mit Lichteffekten, mit Bildern und vielem Anderem mehr Spielszenen inszenieren.

Die Premiere wird in Kassel an der Hessenschanze sein, wir spielen aber auch unter anderem am Baumkronenweg in Hemfurth, am Hohen Meißner und im Landkreis Kassel. Da arbeiten wir derzeit noch ein bisschen dran. Hoch interessant war für uns, dass wir erstmals mit Naturschutzbehörden zusammenarbeiten mussten. Die haben uns gesagt, wann beispielsweise Brutzeiten sind. Sowas hat man ja normalerweise im Theaterbetrieb nicht.

Jérôme: Gibt es denn im Programm auch etwas, das das Thema Märchen mal auf eine ganz andere Weise behandelt?

Matthes: Ja, „Zwischen den Jahrhunderten“ halte ich für eine ganz andere, tolle Veranstaltung. Das Ganze ist ein reines Auftragswerk, speziell nur für Grimm 2013. Unser Regisseur Hannes Hametner hat den französischen Philosophen Philippe Beck aus Paris kennengelernt, und dieser Mann hat über die Märchen und über die Grimms Gedichte geschrieben. Diese Produktion wird drei Mal im tif gespielt werden.

Den Gedichten Becks wohnt etwas sehr Schönes inne. Sie beantworten nämlich auch Fragen, etwa nach den Stereotypen in Märchen, aber auch nach deren Motivation. Einen Tag vor der ersten Aufführung wird es, ebenfalls im Staatstheater, eine Podiumsdiskussion zu diesem Stück geben.

Jérôme: Da viele Veranstaltungen in Kassel beheimatet sind: können wir auch bekannte Kasseler Gesichter erwarten?

Matthes: Unter der künstlerischen Leitung von Günther Staniewski wird es eine Woche lang ein pralles Programm mit Musik, Tanz, Ausstellungen und Theater geben, und das Ganze ist für Erwachsene ebenso geeignet wie für Kinder. Bekannte Gesichter werden in dieser Woche auftauchen – Sabine Wackernagel beispielsweise, oder das Tanzensemble henß und kaiser, aber auch ausländische Gäste.

Der Vorteil in Kassel ist, dass es hier aufgrund der seit langem gepflegten Grimm-Tradition ein großes Angebot an Künstlern gibt, die sich oft und lange mit den Grimms beschäftigt haben.

Jérôme: Vorträge sind ja oft wenig populär, weil zu wissenschaftlich und zu faktisch. Was passiert bei Grimm 2013 in dieser Hinsicht?

Matthes: Was überhaupt an der Arbeit spannend war: Wir haben mit Dr. Holger Ehrhardt, der an der Uni in Kassel eine Grimm-Stiftungsprofessur innehat, sowie mit Professor Dr. Heiner Boehncke aus Maintal und Professor Dr. Steffen Martus aus Berlin zusammengesessen und an der Konzeption des Festivals gearbeitet. Dank deren Arbeit und deren Ideenreichtum wird es Vorträge geben, die alles andere als wissenschaftlich trocken sind. Wir werden über die spannende Konzeption des Grimmschen Deutschen Wörterbuchs reden, werden unglaublich viel über den in der Öffentlichkeit weniger bekannten, zuweilen auftretenden Unfrieden innerhalb der Grimm-Familie hören und werden viel Neues über die Arbeit von Wilhelm und Jacob Grimm als Journalisten und Politiker erfahren. Manche der Veranstaltungen werden auch mit bekannten Sprechern besetzt sein, es wird Musik geben.

Jérôme: Was genau ist Ihre Rolle bei diesem Festival?

Matthes: Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: Grimm 2013 ist keine Solo-Veranstaltung des Kultursommers Nordhessen. Das gesamte Festival, und man ahnt es schon, wenn man sich den satten Umfang des Programms ansieht, wird in enger Kooperation mit unterschiedlichen Veranstaltern stattfinden. Das kommt zum einen der Quantität zugute, aber natürlich auch der Qualität und der Vielfalt. Da alles aber unter der Dachmarke Grimm 2013 steht, ist, und das ist ein absolut positiver Nebeneffekt, das Thema Marketing gut für das Festival. Die Struktur ist umfangreich, aber nicht kompliziert. Träger sind das Land Hessen, die Stadt Kassel und die nordhessischen Landkreise; die finanzieren und arbeiten alle mit. Die Deutsche Märchenstraße ist ebenso dabei wie die Grimm Heimat Nordhessen, die gemeinsam mit der Hessen Agentur die Vermarktung übernimmt. Und die künstlerische Leitung schließlich hat der Kultursommer Nordhessen.

Das komplette Programm zum Grimm-Jahr 2013 gibt es unter www.grimm2013.nordhessen.de

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