Alles war aus purem Gold

Der Kasseler Leonard Riegel gewinnt internationalen Cartoon-Wettbewerb

Ein Saal mit zahlreichen Lüstern aus Gold und Kristall, mit aufwändigem, goldverziertem Stuck an der Decke und an den Wänden, mit kostbaren überlebensgroßen goldgerahmten Ölgemälden, mit rotsamtenen Vorhängen. In diesem Ambiente wurde im Januar der Kasseler Leonard Riegel zum Sieger des Wettbewerbs „Pas de Deux/Paarlauf“ gekürt.

Leonard Riegel bei der Preisverleihung in Paris. Foto: Deutsche Botschaft Paris

Leonard Riegel bei der Preisverleihung in Paris. Foto: Deutsche Botschaft Paris

Riegel ging es im Palais de Beauharnais, der Residenz der deutschen Botschaft in Paris, allerdings etwas zu prunkvoll zu. Der 29-Jährige ist eher bodenständiger Natur. Doch sei es schon schön gewesen, nach Paris zu fahren und an einem internationalen Wettbewerb teilzunehmen. Denn zum einen werde man als Zeichner „nicht oft irgendwohin eingeladen“, zum anderen sei es immer interessant sich mit kulturellen Unterschieden in Sachen Humor auseinanderzusetzen. Besonders in Bezug auf das Medium Cartoon, in dem ja die Sprache im Vordergrund stehe, sei ein Austausch nicht immer einfach.

Eingeladen zu diesem Wettbewerb hatte die deutsche Botschaft in Kooperation mit dem Goethe-Institut Paris. Die Kasseler Caricatura Galerie übernahm die logistische Organisation für die deutsche Ausschreibung. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrages zwischen Deutschland und Frankreich waren Nachwuchszeichner aus beiden Ländern aufgefordert worden, Cartoons und Karikaturen über die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen einzureichen. Diese eher politische Ausrichtung war für Leonard Riegel eine Herausforderung, bearbeitet er doch in seinen Cartoons sonst eher gesellschaftliche Themen.

Die Jagd nach der zündenden Idee
Wie er zum Zeichnen von Cartoons gekommen sei? Das habe sich so ergeben. Der Absolvent der Kasseler Kunsthochschule habe schon immer gezeichnet, aber nie gewusst, wohin das führen würde. Irgendwann fing er an „kleine, nicht ganz ernstgemeinte Zeichnungen“ zu machen. Und die kamen in seiner Umgebung ziemlich gut an. Also fackelte Riegel nicht lange und sandte einige Arbeiten beim Satiremagazin Titanic ein. Dort erkannte man sein Talent sofort und veröffentlicht seither regelmäßig seine Arbeiten. Außerdem blogged Riegel auf seiner Homepage leonardriegel.de wöchentlich aktuelle Cartoons und Comics.

Ja, Comics zeichnet er auch. Der Vorteil dieses Mediums sei, dass man Charaktere und Handlung länger entwickeln könne, während der einbildrige Cartoon eher auf eine schnelle Pointe aus sei. Riegels erstes Buch „Die Jagd nach der zündenden Idee“, das im Sommer 2011 in der Edition Moderne erschien, umfasst zwei abgeschlossene Comics, in denen Riegel mit trockenem Humor von den Sorgen der kreativen Menschen erzählt. Was macht zum Beispiel ein Glückskeks-Sprücheschreiber, wenn ihm die Ideen fehlen? Oder: Was tun, wenn man seine Memoiren schreibt und auch mit einer Schriftgröße von 22 Punkt nicht über sieben Seiten hinauskommt?

Mit verschiedenen Stilen experimentieren
Neben Cartoons und Comics macht Riegel auch Illustrationen und fertigt gelegentlich Objekte. Abwechslung ist ihm wichtig. Sein Ziel ist nicht ein fester Stil, den er dann über Jahre reproduziert. Riegel will sich ausprobieren, mit verschiedenen Stilen experimentieren.

Auch in puncto Arbeitsmaterial legt er sich nicht fest. Er zeichnet mit allem, was ihm in die Finger kommt – egal ob, Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift, Pinsel oder Feder.

Als Vertreter der neuen Zeichnergeneration ist Riegel auch das digitale Arbeiten nicht fremd. Oft koloriert er seine Zeichnungen am Rechner, denn er findet den Kontrast zwischen schroffer Bleistiftzeichnung und flächiger digitaler Koloration reizvoll. Ganz auf eine digitale Arbeitsweise umzustellen, kann sich Riegel jedoch nicht vorstellen. Es mache einfach Spaß „analog“ zu zeichnen.

Der Sieg beim Wettbewerb „Pas de Deux/Paarlauf“ war übrigens nicht Riegels erste Auszeichnung. Bereits im Jahr 2009 belegte er den dritten Platz beim Deutschen Cartoonpreis.

Und wenn er nicht zeichnet? Dann singt Riegel und spielt Gitarre. Und zwar in gleich zwei Bands – „Iron Dan“ in seiner Geburtsstadt Göttingen und „Holz“ in Kassel. Letztere haben sich dem Stoner Rock verschrieben und treten mit ihren scheppernden Drums und ihren tiefgestimmten Gitarren regelmäßig im Kasseler Nachtleben in Erscheinung.

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