Geschichte und Gegenwart – Die Neue Galerie

Von links: Eckard Wörner, Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Prof. Dr. Andreas Tönnesmann, Prof. Dr. Martin Schieder, Dr. Marianne Heinz und Prof. Dr. Bernd Küster. Foto: Mario Zgoll

Von links: Eckard Wörner, Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Prof. Dr. Andreas Tönnesmann, Prof. Dr. Martin Schieder, Dr. Marianne Heinz und Prof. Dr. Bernd Küster. Foto: Mario Zgoll

Es ist „das ehrgeizigste Kulturinvestitionsprojekt in Hessen und zugleich eines der größten in Deutschland“, heißt es auf der Homepage www.kultur-baut-auf.de über das Projekt Museumslandschaft Kassel. Das Projekt sieht vor, „die zahlreichen denkmalgeschützten Gebäude und Gartenanlagen umfassend zu sanieren, die Infrastruktur der Museen zu modernisieren, die durch Spezialisierung und Krieg separierten Sammlungen in neuen Zusammenhängen zu präsentieren und den Besucherservice zu verbessern“. Auf der Homepage kann man unter anderem Informationen über 21 Standorte, vom Ballhaus bis zum Weißensteinflügel, einholen. So bekommt man auch Auskunft über die Baumaßnahmen des Berliner Büros Staab Architekten in der Neuen Galerie. Zu den Maßnahmen zählen beispielsweise die Umgestaltung von Eingangsbereich und Treppenaufgängen, die Schaffung von Wechselausstellungsflächen sowie die behindertengerechte Erschließung des Museums. 19 Millionen Euro habe die Landesregierung dafür bereitgestellt, im Herbst 2011 soll die Neue Galerie wieder eröffnet werden.

Gedankenaustausch
Um die Neue Galerie kreiste im April ein hochkarätig besetztes Kolloquium in der Orangerie, zu dem ein zahlreiches Publikum, das „musische Kassel“, wie Moderator Eckard Wörner formulierte, gekommen war. „Neue Galerie – Geschichte und Gegenwart“ lautete das Motto des Gedankenaustausches. Damit waren die wichtigsten Stichworte vorgegeben, denn die Neueinrichtung des Museums soll sowohl der Kasseler Tradition als auch der Gegenwart gerecht werden. Nach der Wiedereröffnung des Hauses beginnt der künftige Museumsrundgang mit der reichen Sammlung der Malerei des 19. Jahrhunderts, zugleich schafft die aufwändig sanierte Neue Galerie als Museum der Moderne Raum für eine großzügige Präsentation der zeitgenössischen Kunst und für die Erwerbungen aus den vergangenen und zukünftigen documenta-Ausstellungen.

Prof. Dr. Bernd Küster, der Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel, nannte als ein geglücktes Beispiel die Neuhängung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, die Geschichte präsentiere und den Genius Loci anschaulich mache. In dem sanierten Kasseler Museum, erläuterte Dr. Marianne Heinz, die Leiterin der Neuen Galerie, stünden nur die Räume von Joseph Beuys und Ulrike Grossarth unverrückbar fest. Es gebe keine Epochenräume, sondern individuell gestaltete Künstlerräume. Küster wies in einem Statement zur Flexibilität in der Hängung der Kunstwerke außerdem darauf hin, dass die Neue Galerie ein halbes Jahr nach ihrer Wiedereröffnung geräumt werde, um der documenta 13 Platz zu machen.

Ergänzt wurden die Ausführungen durch Referate von Prof. Dr. Martin Schieder (Universität Leipzig), Prof. Dr. Andreas Tönnesmann (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) und Prof. Dr. Hubertus Gaßner, dem Leiter der Hamburger Kunsthalle. Ganz im Sinn der Kasseler Museumsleute war es etwa, als Andreas Tönnesmann in seinem Vortrag über das Thema „Geschichte – Moderne – Avantgarde: Integration oder Separation?“ sprach und dabei für eine Integration plädierte. In der abschließenden Publikumsdiskussion bemerkte man freilich auch Differenzen in die Frage der konfrontativen Hängung mit dem Kontrast von alter und neuer Kunst. „Schick“ nannte Martin Schieder diesen Ansatz, während Marianne Heinz eine solche Konfrontation als „hilfreich“ verteidigte. Man darf auf die sanierte Neue Galerie gespannt sein.

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