Grimms Mördchen – Ottfried Fischer im Interview

Foto: Mario Zgoll

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Jérôme: In Kassel hatten Sie 1989 schon mal einen Auftritt im Staatstheater. Das war Ihr erster außerhalb Bayerns?

Ottfried Fischer: Im Soloprogramm, ja. Da bin ich von Gott und der Welt verlassen, von den Menschen zum Glück nicht, auf der Bühne gestanden und habe einen solchen Hänger gehabt, dass ich nicht mal mehr wusste, wie die Stadt heißt. Das Einzige, was ich noch wusste, war, dass ich meinen Autoschlüssel in der Hosentasche hatte, für den Fall, wenn sie mir mal die Garderobe ausräumen, dass ich wenigstens noch heimfahren kann. Und ich wusste, dass hier hinter der Bühne eine Tür auf den Parkplatz führt und da irgendwo das Auto steht, und im Kofferraum ist der Text drin.

Jérôme: Und Sie haben ihn geholt?

Fischer: Ich hab gesagt, ich komm gleich wieder, ich muss erst mal sehen, wie es weitergeht, und hab die Bühne verlassen. Und die Zuschauer waren am Diskutieren, ob das dazugehört. Und ich habe meinen Text rausgesucht, hab nachgeschaut, wusste wieder, wie es weitergeht und habe das Stück dann zu Ende gespielt. Und am Schluss kamen die Leute und haben gemeint: „Das hat aber schon dazugehört, oder?“

Jérôme: Das war ein Kabarett-Programm damals?

Fischer: Das war ein Kabarett-Programm. Schwer ist leicht was, hieß das.

Jérôme: Ist das ihr erster Kontakt mit Kassel gewesen, oder waren Sie vorher schon mal hier?

Fischer: Ich habe Verwandtschaft in Ostwestfalen, mein Vater stammt aus dem ehemaligen Kreis Bühren, heute Kreis Paderborn. Da sind wir immer, wenn wir mal hingefahren sind, über Kassel gefahren. Und bei Kassel hat man sich eigentlich immer verfahren. Soweit ich mich erinnern kann, waren da Baustellen, und man hat sich verfahren.
Jérôme: Ist das von 1989 eine Geschichte, die Sie mit der Stadt verbindet?

Fischer: Damit ist die Stadt in meiner Biographie. Und zwar in meiner sehr persönlichen. Ansonsten bin ich hier noch ab und zu mal aufgetreten. Jetzt ist Kassel eine Stadt, die nicht unbedingt hängen bleibt wegen ihrer Lieblichkeit und ihrer städtebaulichen Grandezza, sondern mehr in einem bunten Zusammengewürfeltsein von verschiedenen Stilen, allerdings sehr gut unterbrochen von großflächigen Gebilden wie Plätzen und Brunnen und Wiesen und Feldern. Man hat das Gefühl, dass man Platz hat in der Stadt.

Jérôme: Sie ermitteln derzeit als Pfarrer Braun in Kassel. An welchen Orten haben Sie da gedreht?

Fischer: Wir waren an vielen Orten in und um Kassel. Ich muss ehrlich sagen, da prasseln so viele Namen auf einen ein, das kann man sich gar nicht alles merken. Wir waren am Brüder Grimm Museum, dem Schloss Wilhelmsthal und ich glaube auf der Löwenburg. Aber alles in allem muss man sagen, es ist rund um Kassel eine wirklich sehr liebliche, zauberhafte, anmutige Gegend.

Jérôme: Können Sie zum Fall in Kassel was erzählen?

Fischer: Das ist eigentlich streng geheim. Es geht um mehrere Morde im Umfeld der Gebrüder Grimmschen Welt. Man erfährt ein bisschen was über die Brüder Grimm, die sich ja sowohl um das Märchen als auch um die deutsche Sprache und auch politisch sehr verdient gemacht haben. Und ein Märchen ist da ein Fahrplan für diverse Morde.

Jérôme: Und wie wird die Folge heißen?

Fischer: Grimms Mördchen.

Jérôme: Was hat Ihnen bei den Dreharbeiten hier in Kassel besonders gut gefallen?

Fischer: Mir ist aufgefallen, dass die Leute hier nicht so aufdringlich sind wie an anderen Orten. In Bad Tölz wird immer die Kuranwendung geschwänzt und stattdessen mit Blitzlicht in die Szene fotografiert. Die Leute hier freuen sich einfach, dass man da ist. Ist halt doch noch altes Zonenrandgebiet. Ich habe hier nur gute Erfahrungen gemacht.

Jérôme: Wie ist das gekommen, dass Pfarrer Braun nach Kassel kam?

Fischer: Hubertus Meyer-Burckhardt, der Produzent von der Polyphon, ist ja ein Kind Kassels. Und der hat ja schon davon geträumt, als er noch nicht wusste, dass er einmal Produzent werden würde. Da hat sich einfach ein großer Sohn der Stadt einen Traum erfüllt, seine Heimat ins rechte Licht zu setzen.

Jérôme: Das ist ja auch immer so ein bisschen Heimatkunde.

Fischer: Ja, das ist ja auch völlig in Ordnung und legitim so. Aber wenn man im Vorfeld sagt, wir gehen nach Kassel, da fragt man schon, was willst’n da? Die Leute wissen gar nicht viel über Kassel. Dass zum Beispiel die Brüder Grimm hier immer noch wirken, in Form von Museen und Ähnlichem. Das sind ja alles Dinge, die man auch einer breiten Bevölkerung verkaufen kann. Und der Pfarrer Braun ist ja sowieso in gewisser Weise als Heimatkunde zu betrachten. Durch die ständigen Strafversetzungen, die er zu erleiden hat, lernt man eigentlich so langsam ganz Deutschland kennen.

Jérôme: Wo ging es da schon lang?

Fischer: Wir haben angefangen auf Norderney, sind dann nach Quedlinburg, in den Rheingau, dann in die Sächsische Schweiz, nach Franken, nur nach Bayern kommen wir nicht.

Jérôme: Wieso nicht nach Bayern?

Fischer: Das wäre ja keine Strafversetzung.

Grimms Mördchen ist am 21. Oktober 2010, 20.15 Uhr, in der ARD zu sehen. Mehr Infos hier.

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