Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Märchenhafte Stunden in der GRIMMWELT verbringen

22. Dezember 2017 | Von | Kategorie: Gesellschaft 

In die Welt der Mythen und Sagen entführt die aktuelle Sonderpräsentation »HörenSAGEN«. Auch die Dauerpräsentation ist an den Feiertagen geöffnet.

Die Weihnachtsferien stehen vor der Tür und es ist die Zeit der Märchen, Mythen und Legenden. Was liegt da näher als ein Besuch in der GRIMMWELT? Hier können die Besucher gleich zweimal in sagenhafte Welten eintauchen: Die Sonderpräsentation »HörenSAGEN« legt den Schwerpunkt auf die Grimmschen Sagen sowie ihre Vorläufer, die antiken Mythen, und ihre heutigen Erscheinungsformen wie dem »Digitalen Erzählen«. Die Dauerpräsentation »Märchenhaft von A bis Z« zeigt die Welt der Brüder Grimm – ihre Forschung, ihre Sammelleidenschaft, ihre Märchen und Geschichten.

Foto: GRIMMWELT Kassel

Sonderpräsentation
Im oberen Teil der GRIMMWELT ist seit dem 1. Dezember die Sonderschau »HörenSAGEN: Antike Mythen – Grimmsche Sagen – Digitales Erzählen« zu sehen. Die Familienausstellung lädt gleich im Entree zum Mitmachen ein: An der Installation von Ole Werner können die Besucher durch Rohre ihre Botschaften sprechen, ohne zu wissen, wer sie am anderen Ende empfängt – und was er daraus macht. Hörensagen eben. Gleich ein paar Schritte weiter warten Figuren antiker Mythen und deutscher Sagen auf die Kreativität und das Wissen der Besucher. Die Figuren können in ihre tatsächliche Geschichte eingebettet oder zu ganz neuen Erzählungen zusammengestellt werden. Durch raumhohe Bücherwänden hindurch, die die Originale der Grimmschen Sagen von 1816 un weitere Ausgaben lokaler und regionaler Sagen zeigen, schimmert der Papercut der Berliner Künstlerin Katrin Binder: »Hollenteich« greift die tiefgründige und vielschichtige Figur der Frau Holle auf. Was nur wenige wissen: Die Märchenfigur Frau Holle hat eine rund 5.000-jährige (Vor-) Geschichte als »Perchta«. So heisst die nordische Sagengestalt, die den Ursprung des Holle-Märchens bildet. Vorbei an antiken Mythen wie z.B. dem »Narziss« des berühmten Malers Johann Heinrich Tischbein d. Ä., entstanden um 1770, oder dem »Sisyphos«, einer Videoarbeit des Künstlers Florian Grolig, geht es weiter zur Sagenmaschine des Berliner Studios TheGreenEyl. Hier wird der Besucher selbst Teil einer Geschichte: Über ein Live-Foto werden Attribute des Gesichts analysiert und Kennzeichen wie Alter, Geschlecht oder Größe mitsamt der Mimik zu einer eigenen Legende gesponnen, die auf Monitoren und einem Spruchband ausgespielt werden. Hier zeigt sich, dass es auch moderne Mythen gibt: Das »Digitale Erzählen« heute folgt jedoch ganz eigenen, algorithmischen Logiken.

Dauerpräsentation
In der Dauerpräsentation entführt der Künstler Alexej Tschernyi die Besucher in die Zeit der Grimms. Er lässt für sie die Entstehungsgeschichte des Deutschen Wörterbuchs durch die Wirrungen der deutschen Geschichte hindurch in papierenen Welten auferstehen. An diesem Mammutwerk der deutschen Sprache, auch »der Grimm« genannt, arbeiteten die Brüder seit 1838. Die beiden damals berühmtesten deutschen Germanisten begannen mit der akribischen Dokumentation von Herkunft und Gebrauch des deutschen Wortschatzes – doch erst nach 123 Jahren konnte diese Arbeit durch die Mitwirkung unzähliger Bearbeiter vollendet werden. Im Ergebnis misst der Grimm 33 Bände, 67.744 Textspalten, mehr als 320.000 Stichwörter und rund 84 kg. Einige Meter weiter, hinter buchseitenartigen Vorhängen, liegt der Eingang zur Schatzkammer der Ausstellung: Hier werden fünf historische Ausgaben der Grimmschen Märchen gezeigt, die sogenannten Handexemplare der Brüder Grimm: Diese Bücher wurden für Jacob und Wilhelm Grimm mit extra breitem Rand für ihre handschriftlichen Kommentare gedruckt. In diesen Arbeitsexemplaren machten die beiden ihre Korrekturen für die heute weltberühmten Kinder- und Hausmärchen, die mittlerweile in über 160 Sprachen übersetzt wurden und auf der ganzen Welt bekannt sind. In die Welt der Märchen steigen Groß und Klein über eine sprechende Treppe hinab: Das Grimmsche Reich lädt zum Entdecken mit allen Sinnen ein. Flüsternde Stimmen versuchen den Besucher vom Weg abzubringen, doch der Froschkönig winkt bereits zur Begrüßung und weist den Besuchern den Weg in Dornröschens Reich. Dort begegnen sie dem sprechenden Spiegel, den sieben Zwergen, Rotkäppchen und – natürlich – dem Wolf. Hunderte Kleinwesen entschlüpfen einer raumgroßen Märchenbombe und strömen durch die Gänge, bekannte und unbekannte Gestalten darunter. Hinter dem Brunnen vom wilden Mann präsentiert die Videoinstallation »For ever and ever« Märchenfilme aus über 100 Jahren und zeigt, wie sich der Grimmsche Bilderschatz in unser kollektives Gedächtnis eingeschrieben hat.

Angebot für Kinder
Für die jüngeren Besucher steht in beiden Präsentationen ein eigener Parcours bereit: Ausgerüstet mit einem Faltplan erkunden Kinder die Dauerpräsentation auf eigene Faust und beantworten Fragen an verschiedenen Stationen. Nach dem Bestehen der Abenteuer gibt’s an der Kasse einen Stempel in den Reisepass und eine kleine Überraschung. Für kleine Forscher ist auch in der Sonderpräsentation ein Rätsel-Rundgang ausgelegt: Hinter versteckten Klappen verbergen sich Motive und Fragen, die zur Lösung des Rätsels rund um Mythen und Sagen führen.

Service
Sonderöffnungszeiten während der Feiertage
So., 24.12. von 10.00 bis 14.00 Uhr
Mo., 25.12. von 10.00 bis 18.00 Uhr
Di., 26.12. von 10.00 bis 18.00 Uhr
So., 31.12. von 10.00 bis 14.00 Uhr
Mo., 01.01.2018 geschlossen

Reguläre Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Freitag von 10:00 bis 20:00 Uhr

Öffentliche Rundgänge
Außerhalb der turnusgemäßen Rundgänge finden auch am 25. und 26.12. Rundgänge
statt, am 24. Und 31.12. entfallen die Rundgänge. Weitere Informationen und
Anmeldung unter 0561-598619-0.

Eintritt
Dauerpräsentation: Erwachsene 8 € | ermäßigt 6 €, Familien 20 €
Sonderpräsentation: Erwachsene 5 € | ermäßigt 3 €, Familien 12 €
Kombiticket: Erwachsene 10 € | ermäßigt 7 €, Familien 25 €
Kinder bis 6 Jahren frei

Nähere Informationen unter www.grimmwelt.de

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