Paten für Putten

 Initiative für Schloss Wilhemsthal bei Calden

Es ist nicht verwunderlich, dass Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel sich in dem idyllischen Lustschlösschen wohl fühlte. Das bei Calden gelegene Schloss Wilhelmsthal – 1747 bis 1761 erbaut vom berühmten Münchner Hofarchitekten François de Cuvilliés – gilt mit seiner prächtigen Architektur und beeindruckenden Gartenanlage als eines der schönsten Rokokoschlösser Deutschlands.

Helmut und Ingrid Wenzel vom Waldhotel Schäferberg in Espenau haben zusammen mit der Museumslandschaft Hessen Kassel die Initiative „Rettet die Putten“ ins Leben gerufen. Foto: Bernd Schoelzchen

Helmut und Ingrid Wenzel vom Waldhotel Schäferberg in Espenau haben zusammen mit der Museumslandschaft Hessen Kassel die Initiative „Rettet die Putten“ ins Leben gerufen. Foto: Bernd Schoelzchen

Ein Schmuckstück sind die goldenen Putten, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts den Weg entlang der Grotte zieren. 28 Putten-Gruppen gehören zu dem Ensemble, das die Künstler Willem Rottermondt, Asmus Frauen, Jacob Cressant und Sir Henry Cheere geschaffen haben. Heute weisen sie starke Schäden auf. 2009 wurden sie deshalb demontiert und in einem Depot der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) eingelagert.

Empfindliches Material
Der Grund für die starken Schäden liegt im Material: „Blei ist weich, neigt zu Verformungen und ist empfindlich für mechanische Kräfte“, erläutert Restaurator Bernhard Krönung aus Fulda, der auf die Arbeit mit Metall spezialisiert ist. In den 1960er-Jahren wurden die Putten bereits restauriert und zur Stabilisierung mit Baumharz gefüllt, berichtet er. Die Kombination von Blei und Baumharz sei eine weitere Ursache für die Schäden. Die Materialien arbeiteten bei Klimaschwankungen unterschiedlich: „Entsteht ein Haarriss, lagert sich Feuchtigkeit ein. Bei Frost wird das Metall auseinandergetrieben, und das Baumharz quillt bei warmen Temperaturen durch die Risse.“

An der Unterseite des Krokodils klafft ein großes Loch, aus dem das Baumharz bröckelt. Foto: Kothe

An der Unterseite des Krokodils klafft ein großes Loch, aus dem das Baumharz bröckelt. Foto: Kothe

Dass die Putten für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind, finden auch Helmut und Ingrid Wenzel, Inhaber des Waldhotels Schäferberg in Espenau sehr schade: 2011 haben sie gemeinsam mit der MHK die Initiative „Rettet die Putten“ ins Leben gerufen, um Spenden für die Restaurierung zu sammeln. Etwa 50 000 Euro sind zusammengekommen. Der Erhalt und die Pflege der eindrucksvollen Anlage von Park und Schloss Wilhelmsthal sind für sie eine Herzensangelegenheit: „Wir möchten viele Unterstützer finden, um dieses einmalige historische Gartendenkmal für die Nachwelt zu erhalten.“ Helmut Wenzel kennt den Park seit Kindertagen, viel Zeit hat er dort mit seiner Familie verbracht, immer wieder begleitet er auch Gäste seines Hotels dorthin zu Spaziergängen: „Der Park ist für uns eine Oase der Erholung.“

Aufwändige Restaurierung
Die Restaurierung der Putten ist zeitaufwändig und kompliziert. So müssen unter anderem die Goldfassung abgenommen, deformierte Gliedmaßen rückgeformt, Risse geschlossen, ornamentierte Oberflächen nachziseliert, fehlende Teile ergänzt und die Figuren wieder vergoldet werden. Das Schwierigste ist jedoch, das Blei flächig zu stützen. Dafür wird ein Skelett aus Edelstahl eingebaut. Anschließend wird es mit einer Mischung aus mikrokristallinem Wachs und feinen Glaskügelchen befüllt. „Darin sammelt sich kaum Feuchtigkeit und sie bleibt bei hohen Temperaturen stabil“, erklärt Krönung.

„Die Restaurierung kostet bis zu 60.000 Euro je Putten-Gruppe“, erläutert Dr. Gisela Bungarten, stellvertretende Direktorin der MHK. Bisher konnten drei Gruppen restauriert werden. Die MHK hat rund 140.000 Euro investiert, finanziert vom Land Hessen und mit Spenden. Doch um weiter arbeiten zu können, fehlt das Geld. Im April feierte Wenzel seinen 80. Geburtstag – statt Geschenken wünschte er sich Spenden. 3.000 Euro überreichte er nun der MHK – ein Anfang für das nächste Restaurierungsprojekt. Das „Krokodil“ ist mit 8.000 bis 15.000 Euro kalkuliert. „Wir hoffen, noch mehr Menschen zu finden, die als Spender Pate für die wunderschönen Figuren stehen möchten“, sagen Helmut und Ingrid Wenzel und rühren weiterhin die Werbetrommel. Und die MHK hofft auf weiteres Engagement vom Land. Das Krokodil stammt vermutlich von dem Künstler Jacob Cressant, einem Bildhauer aus Utrecht. Er schickte 1747/1748 eine Gruppe von Kinderfiguren (Putten) nach Kassel. „Seine Kinderfiguren sind mit Tierdarstellungen, zum Beispiel einem Hund oder einer Taube, kombiniert“, erläutert Bungarten. Es handele sich vermutlich um Darstellungen von Tugenden und Lastern. So symbolisiere der Hund die Treue. Auch das Krokodil, so nimmt man an, gehörte zu einer Kinderfigur: „Die leider nicht erhalten ist. Deshalb lässt sich eine Aussage über die Bedeutung des Krokodils nicht treffen.“

Die Schäden am Krokodil sind massiv: An der Unterseite klafft wie eine Wunde ein Loch auf, die Figur ist rissig. Krönung wird bald mit seiner Arbeit beginnen. Ein ruhiges Händchen ist gefragt: „Der Zugang in die kleinen Beine des Krokodils, die Schwanzspitze und den Kopf ist eng und der Radius zum Hantieren stark eingeschränkt.“ Eine Aufgabe, die er meistern und damit ein Stück Glanz nach Wilhemsthal zurückbringen wird.

Information: www.rettet-die-putten.de

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