Urlaub vom Urlaub …

Was für ein Sommer! Flirrende Hitze, tieffliegende Mückenschwärme, verdurstende Balkonpflanzen und volle Freibäder: Der Sommer 2014 zeigt, was alles möglich ist. „Wohin fährst Du in den Urlaub?“ Die jährliche Standardfrage wird mit einer jährlichen Standardantwort gekontert: „Gar nicht!“ Es folgt fast immer blankes Entsetzen. „Wie, gar nicht …?“ Tatsächlich ist es wahr, ich oute mich an dieser Stelle: meistens fahre ich im Sommer nicht in den Urlaub. Und sonst auch nicht soviel. „Wo fahrt Ihr denn hin“, frage ich nach. „Wir fliegen in die Wärme“, höre ich. Während mir in Kassel der Schweiß bei 33 Grad im Schatten von der Stirn rinnt.

Petra Nagel. Foto: Jörg Lantelmé

Petra Nagel. Foto: Jörg Lantelmé

Das Argument mit der Hitze hinkt also irgendwie. Aber natürlich ist das Meer toll, ein anderes Land, andere Menschen, andere Kulturen. Klar ist Urlaub schön. Aber es ist auch kein Makel, wenn man zu Hause bleibt. Finde ich. Ich habe einen anstrengenden Beruf, bin viel unterwegs und gern zu Hause. Zu Hause ankommen, die Schuhe in die Ecke werfen, ein Glas Wein und meinen Balkon in Besitz nehmen – das ist für mich auch Urlaub. Kurz-Urlaub. Ebenso wie der Besuch in der Eisdiele. Oder ein Spaziergang durch den Bergpark Wilhelmshöhe. Oder ein Besuch in meinem Lieblingsrestaurant. Oder ein tolles Buch. Urlaub fängt ja eigentlich im Herzen an. Nicht im Flieger. O der ist es nicht sogar noch ein bisschen anders? Manchmal frage ich mich nämlich, was Urlaub eigentlich ist? Ich nehme mich ja immer mit, egal, wohin die Reise geht. Ob ich auf Sylt schlechte Laune habe, in New York oder in Kassel – gibt es da einen Unterschied? Okay, New York lenkt wahrscheinlich schon ob der Trubeligkeit ab, aber das ist es dann auch.

Ich finde es wichtig, neben den großen und kleinen Urlauben auch einen guten Alltag zu haben. Für die meisten Menschen dauert der Alltag ja pro Jahr mindestens 300 Tage. Das ist eine Menge. Da mag ich nicht auf „Urlaub“ warten. Da möchte ich auch den Alltag genießen können. Der ja nicht nur dazu da sein kann, den nächsten Urlaub zu planen, um ihm schon wieder zu entfliehen. Ich mag in keinen Urlaubs-Rhythmen leben. Und ich muss auch nicht überall auf der Welt gewesen sein. Ich will da, wo ich bin, gut leben. Das kann man in Nordhessen sehr gut. Mit Temperaturen wie in den Tropen, kulturellen Angeboten, die sich sehen lassen können und Menschen, die gern auch mal über den Tellerrand schauen.

In diesem Sinne eine gute Sommerzeit in Kassel und darumherum

wünscht Petra Nagel

Teilen, drucken, mailen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.