Coronavirus: Hilft jetzt ein heißer Sommer?

Wie in einem Katastrophenfilm, aber bittere Realität: Ausgehend von einem Markt in der chinesischen Metropole Wuhan hat sich eine seltsame Lungenkrankheit namens Covid-19 weltweit ausgebreitet. Das Virus springt von Mensch zu Mensch durch Tröpfchenübertragung an Mund, Nase und Augen. Und dies aggressiver und rapider als bisher bekannte Coronaviren, wie etwa die SARS- oder MERS-Viren. Auch Deutschland hat es in der Pandemie schwer erwischt.

Das öffentliche Leben ist auch in Nordhessen stark reduziert, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Foto: Hans Martin Krause

Das öffentliche Leben ist auch in Nordhessen stark reduziert, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Foto: Hans Martin Krause

Reisende schleppten Covid-19 mit ein. Karnevalisten steckten sich gegenseitig an. Heute ist Covid-19 in Hessen und bundesweit ein riesiges Problem. Die Pandemie ungekannten Ausmaßes hat das öffentliche Leben und Teile der Wirtschaft in die Knie gezwungen. Läden, Schulen, Universitäten, Spielplätze, Kindergärten, Restaurants, Friseure und Sportvereine: Alle mussten dichtmachen, um die Pandemie zu verlangsamen. Aber könnte jetzt ein heißer Sommer die Gefahr durch Covid-19 minimieren, weil das Virus sich dann weniger rasant ausbreitet?

Vitales Nordhessen befragte dazu einen Wissenschaftler aus Marburg. Er heißt Dr. Markus Eickmann und ist an der Philipps-Universität Marburg Experte für importierte Infektionen (Lassa-, Marburg- und Ebolavirus) und neu auftretende hochpathogene Viren (wie SARS-CoV) im BSL4-Hochsicherheitslabor, das er leitet. Dr. Eickmann bestätigt: Viren seien oft dominanter in den Wintermonaten. „Es könnte einen saisonalen Effekt geben“, was zu erhoffen sei, weil man Zeit gewinne. Ein Rückgang der Coronavirus-Infektionsraten auf der Nordhalbkugel im Sommer „wäre ein mögliches Szenario“, das sich ergeben könnte. Jedoch sei es nicht ganz gewiss, ob dieser möglicherweise eintretende saisonale Effekt mit der UV-Strahlung oder mit hohen Temperaturen zusammenhänge.

Weitere Forscher um Günter Kampf von der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald fanden heraus: Auf verschiedenen Materialien könnten bisher bekannte Coronaviren „zwei Stunden bis zu neun Tagen infektiös bleiben. Eine höhere Lufttemperatur wie etwa 30 °C oder 40 °C reduzierte die Bestehensdauer hoch krankheitserregender MERS-CoV, TGEV- und MHV-Viren.“ Und: HCoV-229E-Viren hielten sich bei 50 Prozent relativer Luftfeuchte länger als bei 30 Prozent relativer Luftfeuchte, erklären die Wissenschaftler im „Journal of Hospital Infection“ (Ausgabe 104, März 2020, S. 246–251). Ist dies bei dem neuen Covid-19-Erreger auch so und wird er sich bei Hitze ähnlich verhalten?

Somit darf Europa und auch Deutschland hoffen: Wenn ein heißer Sommer die Coronavirus-Infektionen verlangsamen kann, bliebe noch mehr Zeit, um einen Impfstoff und Medikamente an den Start zu bringen.

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