Interprofessionell in die Zukunft

Seit Anfang März 2019 leitet  als Chefarzt die Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Alterstraumatologie an den DRK-Kliniken Nordhessen. Zuletzt war der 1979 in Coesfeld geborene Mediziner als leitender Oberarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Gießen-Marburg tätig. Kassel ist ihm nicht unbekannt: Bereits in den Jahren 2012–2013 arbeitete er als Assistenzarzt an der orthopädischen Landesklinik in der documenta-Stadt. Grund genug für uns, den innovativen Chefarzt zum Interview einzuladen und mit ihm über die Weiterentwicklung der Strukturen, die Veränderungen im Portfolio und die Rasanz der medizinischen Entwicklung zu sprechen.

Chefarzt Prof. Dr. med. Benjamin Bücking an der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Alterstraumatologie. Foto: DRK-Kliniken Nordhessen

Chefarzt Prof. Dr. med. Benjamin Bücking an der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Alterstraumatologie. Foto: DRK-Kliniken Nordhessen

Jérôme: Was waren Ihre ersten Aufgaben in Ihrer neuen Tätigkeit?

Prof. Dr. Benjamin Bücking: Sowohl das Kennenlernen der Mitarbeiter und der Strukturen als auch eine Bestandsaufnahme. Gemeinsam mit dem Team haben wir begonnen, unseren Bereich neu aufzustellen. Natürlich greifen nicht alle Änderungen sofort, aber wir haben eine behutsame Weiterentwicklung angestoßen.

Jérôme: Hat es strukturelle Veränderung gegeben und wurde das Portfolio ergänzt?

Prof. Bücking: Ich möchte den Bereich der Alterstraumatologie, der hier in der Klinik eine gute Tradition hat, weiterentwickeln und fortführen. Das betrifft zum einen Operationsverfahren, die ich in Marburg mitentwickelt und angewendet habe, aber natürlich auch organisatorische Zusammenhänge. Wir sind bestrebt, mit den Internisten, den Neurologen unseres Krankenhauses und natürlich auch mit den Geriatern in der Klinik in Kaufungen, die Abläufe stärker zu verzahnen. Einhergehend mit der Behandlung älterer Unfallpatienten haben wir das Portfolio um die Bereiche der Altersorthopädie und Endoprothetik erweitert. Des Weiteren wollen wir die Tradition der Schwerverletztenversorgung verstärken. Der Rettungshubschrauber, Christopher 7 ist hier stationiert und wir sind bestrebt, mit passenden Strukturen und meiner persönlichen Expertise einen schlüssigen Schwerpunkt zu setzen, um Schwerverletzte in den DRK-Kliniken behandeln zu können.

Jérôme: Seit 2016 sind Sie stellvertretender Leiter des Arbeitsgruppe Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Wie wirkt sich auf Ihre alltägliche Arbeit aus?

Prof. Bücking: Durch die langjährige Mitarbeit habe ich Kenntnisse über die neusten wissenschaftlichen Entwicklungen und nehme auch an der berufspolitischen Entwicklung teil. So können wir neue Entwicklungen schneller aufgreifen und an Studien teilnehmen. Meine neuen Erfahrungen hier aus der Klinik lasse ich in die Prozesse der Arbeitsgruppe einfließen, wir geben Handlungsempfehlungen ans Gesundheitsministerium oder stellen uns für Befragungen zu speziellen Themen vom Bundesausschuss zur Verfügung.

Jérôme: Inwiefern profitieren Ihre Patienten davon?

Prof. Bücking: Die Therapie, die wir anbieten ist immer auf dem neusten Stand und unsere Patienten profitieren von unserer Teilnahme an nationalen und internationalen Kongressen. Durch den Input aus anderen Fachdisziplinen partizipieren unsere Patienten von der gelebten Interdisziplinarität und Interprofessionalität und wir arbeiten weiter an schonenden Operationsverfahren für ältere Menschen, die dann auch bei jüngeren Patienten angewendet werden.

Jérôme: Die Entwicklung der Medizin zeichnet sich durch enorme Rasanz aus. Wo sehen Sie ihre Abteilung in zehn Jahren?

Prof. Bücking: Die Herausforderung für uns liegt im Spagat zwischen einer zunehmenden Spezialisierung und einer wohnortnahen und guten Versorgung in der Breite – das untermauert auch noch einmal die Sektionsbildung. Das medizinische Wissen verdoppelt sich alle zehn Jahre und dementsprechend auch die therapeutischen Möglichkeiten. Für die Zukunft legen wir deshalb den Fokus auf die weitere Spezialisierung einzelner Personen.

Jérôme: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am Besten?

Prof. Bücking: Durch meine neue Tätigkeit als Chefarzt verfüge ich über einen hohen Gestaltungsspielraum und eine Gestaltungsfreiheit. Die Weiterentwickelung gehe ich natürlich nicht alleine: Ich habe ein hoch motiviertes Team, das offen für Veränderung ist und bereit ist, mit mir neue Wege zu gehen. Die Teamarbeit generell im Krankenhaus gefällt mir sehr gut und die Zusammenarbeit macht großen Spaß. Besonders die Komplexität meiner neuen Aufgabe motiviert mich sehr.

Jérôme: Sie kennen Kassel bereits aus einer vorherigen beruflichen Station. Was schätzen Sie am Meisten an der nordhessischen Region?

Prof. Bücking: Mir gefällt es sehr, dass Kassel eigentlich eine kleine Großstadt ist und alle Annehmlichkeiten einer Großstadt vorhanden sind. Aber ich schätze auch den familiären Charakter – man kennt sich und lernt schnell über verschiedene Ecken neue Menschen kennen. Es ist nicht so anonym wie in der Großstadt, das finde ich sympathisch und das gefällt mir sehr gut. Auch gefallen mir die Nähe zur Natur, der Bergpark und das Umland. Am meisten hat mich die Bodenständigkeit der Menschen hier beeindruckt und die nordhessische Region ist eine Region, in der man sich schnell wohlfühlen kann.

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