Holger Schach: „Nordhessen – die Lage ist gut!“

schach1Noch nie waren Regionen so wichtig wie heute. Die Globalisierung hat das altbekannte Verständnis von Wirtschaftsräumen neu definiert. Inzwischen ist vielfach belegt: Regionen sind, wenn die Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Zulieferern, Dienstleistern, Bildungs- und Forschungseinrichtungen und nicht zuletzt der Politik funktioniert, besser als Städte, Länder oder Nationen. Deshalb definieren sich derzeit in Europa zahlreiche Regionen als Wirtschaftsraum neu, und auch die EU unterstützt vorrangig regionale Standortpolitik. Nordhessen ist  hierfür mittlerweile ein Erfolgsbeispiel.

Ausgehend von der schwierigen Ausgangslage um die Jahrtausendwende wurde eine regionale Entwicklungsstrategie erarbeitet und umgesetzt, deren Früchte wir heute ernten können. Mit Gründung des Regionalmanagements im Jahr 2002 steht nun eine Plattform zur Verfügung, um die vielfältigen Interessen zu koordinieren und zielgerichtete Maßnahmen zur Entwicklung der Region umzusetzen.

Der entscheidende Wachstumshebel aber ist die zentrale Lage mit ihren Transportkostenvorteilen für die Verteilung von Waren und Gütern. Je stärker aktuell die Kosten steigen, z. B. für Kraftstoff und Maut, desto interessanter wird Nordhessen als bundesweites Verteilzentrum für Waren und Güter. Das visonäre Ziel hierzu: Top-Logistik-Standorte entwickeln und bis 2015 10.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Seit Vorstellung dieses Konzepts 2004  wurden mehrere 100 Mio. Euro investiert und pro Jahr rd. 900 Arbeitsplätze geschaffen. Die Vision kann also Wirklichkeit werden. Dabei geht es nicht nur um neue Logistikunternehmen. Die Kostenvorteile des Standortes sollen sich vielmehr auch in der Ansiedlung von Betrieben niederschlagen, die in Nordhessen produzieren und von hier aus Zuliefer- und Vertriebskosten optimieren können. Auch die regionale Fahrzeugindustrie wächst stetig, nicht zuletzt aufgrund des rapide steigenden Mobilitätsbedarfs weltweit. Nordhessen profitiert deshalb stärker von der Globalisierung als andere.

Doch die Region hat weitere Chancen. Bei den dezentralen Energietechnologien verfügt Nordhessen über einen besonderen Wissensvorsprung und will sich bis zum Jahr 2020 als Modellregion mit ebenfalls Tausenden von neuen Arbeitsplätzen profilieren. Im Juni hat Bundesforschungsministerin Anette Schavan Nordhessen als „Gesundheitsregion der Zukunft“ ausgezeichnet und Unterstützung für den Ausbau der regionalen Gesundheitswirtschaft zugesagt.

Insofern mangelt es nicht an Perspektiven. Vielmehr dürfte die Verfügbarkeit von Fach- und Führungskräften der entscheidende Wachstumsengpass sein. Es muss also darum gehen, Nordhessen als Wirtschaftsstandort mit herausragender Freizeitqualität und bezahlbaren Lebenshaltungskosten zu vermarkten. Dies ist Ziel der vor einem Jahr gestarteten Standortkampagne „Nordhessen – Die Lage ist gut“, die bundesweit Aufmerksamkeit erzielt hat.

Wenn es gelingt, Nordhessen getreu dem Grundsatz „Tue Gutes und rede drüber“ in den Köpfen der Unternehmens- und Familienentscheider als feste Größe zu verankern, wird die Region sich positiv entwickeln. Auch dieses Ziel ist trotz aller kritischen Prognosen zur demographischen Entwicklung erreichbar. Attraktive Arbeitsplätze und hohe Lebensqualität können durchaus dazu führen, dass Nordhessen auch für „Zuzügler“, vor allem jene, die sich von den zunehmend teuren und für Familien unattraktiven Ballungsräumen abwenden, interessant wird.

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