Kommentar: Dr. Lars Lachmann

lachmannLieber Leserin, lieber Leser,
alle fünf Jahre erleben wir Kassel im documenta-Rausch. Hier präsentiert sich die Stadt weltoffen. Es sind dann nicht nur die Besucher, die das Flair von Kassel ausmachen, sondern es ist auch der Kasselaner, Kasseläner und so weiter der dazu beiträgt und sich großstädtisch verhält. Wenn man diesen Rausch mit in das tägliche Leben nähme, würde Kassel seiner geografischen Lage gerecht werden.

Als national und international tätige Unternehmensberatung stellen wir aber immer wieder fest, dass Kassel und damit die Region Nordhessen aus ihrem zentralen Standort wesentlich mehr machen könnte, als dies größtenteils geschieht.

Wir haben einige sehr innovative Unternehmen in der Region, die über die Bundesgrenzen hinaus von sich reden machen. Gleichwohl gelingt es nicht, weitere größere Betriebe aus den unterschiedlichsten Produktionsbereichen anzusiedeln. Dies hat mannigfaltige Gründe. Wir sind sicher, dass bei einer stärkeren werblichen Präsenz der Stadt Kassel eine Veränderung der Situation möglich ist.

Der Schwerpunkt unserer Beratung liegt im Baubereich und im Bereich der Bauzulieferer. Wir können deutlich erkennen, dass die verhaltene Ausgabenpolitik der Bürger und die sehr sparsame Einstellung zu Luxusgütern die Nachfrage erheblich beeinträchtigt.

Über diese Probleme klagt nicht nur die gehobene Gastronomie, sondern auch der Handel, so dass das Spiegelbild zu den von uns betreuten Branchen stimmig ist. Durch die Sparsamkeit der Bürger wird die gesamte Region geprägt. Es mag sicher sehr tugendhaft sein, hilft aber Unternehmern, die über die täglichen Gebrauchsgüter hinweg Umsatz generieren wollen, nur sehr wenig.

Es ist eine unterschiedliche Lebensphilosophie, ob man sein Glück in einem wachsenden Konto sieht oder sich vor dem Hintergrund verfügbarer Mittel Annehmlichkeiten erfüllt, die letztlich Lebensqualität ausmachen und bedeuten.

Warum wollen Sie zum Beispiel nicht mit 60 Ihr Haus komplett modernisieren und sich damit den Traum von einer Erlebnisküche oder einem Wellness-Bad oder einem Wintergarten erfüllen oder nur aus energetischer Sicht Ihr Haus umrüsten auf den Verbrauch von erneuerbaren Energien. Warum rechnen Sie permanent bei der Anschaffung Ihres Autos, ob Diesel oder Benziner, warum überlegen Sie nicht, welches Auto Ihnen mehr Freude beim Fahren bereiten würde?

Warum überlegen Sie beim Kauf eines Hauses, ob man so bauen sollte wie allen anderen auch? Warum lassen Sie nicht Ihrer eigenen Individualität freien Lauf und haben den Mut zu einem ungewöhnlichen Hausbau? Es gibt Gemeinden rund um Kassel, die innovative Hausformen belohnen, zumindest für den Betrachter. Fahren Sie einmal nach Lohfelden und schauen sich das Neubaugebiet hier an. Sie werden feststellen, es ist erfrischend, so viele unterschiedliche Baustile zu sehen.

Genießen Sie Ihr Leben, nutzen Sie den Abend zum Drei- oder Vier-Gänge-Menü, verbringen Sie viele Stunden mit Freunden in angenehmer Atmosphäre. Natürlich zahlen Sie hierfür Geld, aber haben Sie einmal ausgerechnet, was Sie dafür wieder bekommen?

Wir sind gebeten worden, unsere Einschätzung zum nordhessischen Markt zu geben. Wir hätten dieses Thema sicher ganz anderes beantworten könne, aber wir denken ganz einfach, dass eine Region, die bereitwillig Neuem gegenüber aufgeschlossen ist und dafür zugegeben maßen auch bereit ist, etwas zu zahlen, macht die gesamte Region lebenswerter.

Sicher kann diese Idee und damit auch dieser Artikel sehr kontrovers diskutiert werden. Wir sagen aber nicht, dass unser Beitrag richtig sein muss. Es entspricht unserer Lebensphilosophie und wir persönlich wünschten uns für den Standort Nordhessen mehr Bereitschaft zu Neuem.
Wir sind sicher, dass diese Lebensphilosophie auch die der Leser des Magazins Jerome wieder spiegelt.

Ihr
Dr. Lars Lachmann

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