Ulrich Fischer: Über Effizienz, Energie und geköpfte Eier

Ulrich Fischer - Geschäftsführer E.ON Mitte Vertrieb (Ressort Privat- und Gewerbekunden)

Ulrich Fischer – Geschäftsführer E.ON Mitte Vertrieb (Ressort Privat- und Gewerbekunden)

Kinder können einen gelegentlich wunderbar aus der Fassung bringen. Neulich beim Frühstück überraschte meine achtjährige Tochter mich mit einer Frage: „Papa, du redest immer soviel von Effizienz. Was bedeutet das eigentlich?“ Eine verständliche Erklärung war nicht das Problem: Am Beispiel der Frühstückseier im Kochtopf – mal mit, mal ohne Deckel köchelnd – war die Effizienzfrage für meine Tochter schnell erledigt.

Mich brachte ihre spezifische Art der Fragestellung am Sonntagmorgen ins Grübeln. Redete ich tatsächlich so viel von Effizienz? War ich gar ein Sklave des Optimierungsgedankens? Kulturkritische Beiträge, die den „Effizienzwahn“ insbesondere der Wirtschaft und eine damit einhergehende „Entmenschlichung“ kritisieren, schossen mir ins Bewusstsein. An diesem Morgen musste der Wirtschaftsteil der Sonntagszeitung warten.

Wie halte ich’s nun mit der Effizienz? Ja, ich bin tatsächlich überzeugt davon, dass sie eines der unverzichtbaren Prinzipien ist, wenn es um das Wohl des Menschen und dessen positive Fortentwicklung geht. Mit der Kritik am Effizienzgedanken stimme ich dann überein, wenn sie sich auf ein einseitig ausgerichtetes, blindes Optimierungsdenken bezieht. Effizienz trägt ihren Zweck nicht in sich selbst, sie ist Dienerin des Menschen. Darüber hinaus braucht sie, wenn sie fruchtbar sein soll, vor allem eine Verbündete, die auf den ersten Blick fast als Gegensatz auftritt: Kreativität. Wer den kürzesten, optimalen Weg sucht, muss erst einmal bereit sein, in spielerischer Manier ungewöhnliche und manchmal auch weite Wege zu beschreiten. Die vermeintlich „strenge Effizienz“ ist notwendigerweise immer auf das „freie Spiel“ angewiesen. Und in dieser Form gehört sie nicht nur in die Wirtschaft, sie gehört zur existenziellen Ausstattung des Menschen.

Besonders augenfällig wird das deutlich bei einem Thema, das zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gehört: die Energieversorgung. Das Thema „Energie“ lässt in unseren Tagen kaum einen kalt; es ist emotional aufgeladen. In den vergangenen Jahren hatte man häufig den Eindruck, dass die Debatten um Energiepreise, Erzeugungsarten oder Emissionen in einem Topf ohne Deckel stattfinden, der ständig überkocht. Das bereits bemühte Bild des Kochtopfes gilt jedoch nicht nur für eine Diskussionskultur, es gilt auch für die Art und Weise, wie leider ein Großteil der Gesellschaft immer noch mit Energie umgeht: verschwenderisch. Ja richtig, wir Deutschen sind anderen Nationen in Sachen  Energie- und Umweltbewusstsein weit voraus. Aber: Auch bei uns gibt es immer noch große Potenziale, die wir alle aktivieren können ­– sie schlummern in jedem Lebensbereich. Durch einfache, kostenlose Maßnahmen – wie dem Deckel auf dem Topf – ist es beispielsweise im privaten Haushalt möglich, rund 150 Euro im Jahr einzusparen. Die Antwort lautet im kleinen wie im großen Bereich wieder einmal: Effizienz.

Sie gewinnt als beeinflussbare Größe ihre große Bedeutung vor dem Hintergrund anderer globaler Faktoren, die unsere Energiezukunft weiterhin maßgeblich bestimmen werden, vor allem hinsichtlich des Dauerbrenners „Energiepreise“. Wir müssen uns damit abfinden, dass aufgrund hoher Nachfrage und geringer werdender Ressourcen die internationalen Rohstoffpreise und damit auch die Energiepreise weiterhin eher steigen als fallen werden. Der „Run auf Energie“ wird aufgrund des weltweiten Bevölkerungswachstums weiter zunehmen.

Die Antworten auf diese Problematik stehen allesamt unter dem Oberbegriff der Effizienz: sei es, wenn es um die Einbindung der regenerativen oder dezentralen Energien in unseren Kraftwerks-park geht, sei es bei der Dämpfung der Kosten durch Energiesparmaßnahmen, die jeder Mensch vor Ort realisieren kann. In der Region Nordhessen gibt es bereits einige Initiativen, beispielsweise vom Regionalmanagement, die dieses Bewusstsein in die Praxis umsetzen. Projekte dieser Art zeichnen sich dadurch aus, dass Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ihre Kräfte wirkungsvoll zusammenbringen und dabei im Sinne des lateinischen Wortstammes von Effizienz (efficere) wirklich etwas „zustande bringen“. Gewiss, die Energiebranche trägt bei der  „Herausforderung Energie“ eine besondere Verantwortung. Sie kann dieser jedoch nur gemeinsam mit regionalen Partnern gerecht werden, die ohne ideologische Scheuklappen ganzheitlich den Energieauftrag anpacken: Nämlich gemäß dem Grundsatz, dass Umweltschutz und Versorgungssicherheit sich nur in einem ausgewogenen Verhältnis mit ihrer Schwester Effizienz nachhaltig verwirklichen lassen. Einer Schwester, die trotz ihrer „strengen Geradlinigkeit“ sehr zur Freude der Menschen beitragen kann.

Übrigens auch bei meinem Nachwuchs: Als ich bei unserem letzten Sonntagsfrühstück mit verurteilender Miene  beobachtete, wie meine Tochter ihr gekochtes Ei „köpfte“, erwiderte sie: „Wieso mühsam mit der Hand schälen? Ist doch so viel effizienter, Papa!“

Ulrich Fischer

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