Botschaft, Stimulans und Entspannung – Leidenschaft Kunst

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ – mit diesem Satz des Kabarettisten Karl Valentin ist schon das wirklich Wesentliche gesagt. Denn der Wille zur Gestaltung bricht seine Bahn mit allem nur Erdenklichen, aber – so es denn wirklich Kunst ist – ganz sicher nicht mit leichter Hand. Welche Empfindung soll da ästhetisches Antlitz erhalten, welche Botschaft Hirn und Herz des Betrachters erreichen, welche Stimulans hervorgerufen werden? Wie muss die Darstellung angelegt sein, damit sie glaubwürdig ist, das ersehnte Feuer im Auge des Betrachters entzündet, ihm Identifikationsmöglichkeiten bietet, im besten Falle permanent seine Fantasie anregt oder ihm gar Brücken zur Kontemplation baut? Solche Fragen sind es, die bei Kunstschaffenden – so sie denn tatsächlich von gerade noch in Maßen gehaltener bis hin zu inbrünstiger Leidenschaft und nicht vom Schielen auf die kurzfristigen Galeristenmoden des Kunstmarktes getrieben werden – zu langen Tagen und kurzen Nächten führen, vor Leinwand, Zeichenbrett, Werkbank und anderswo. Denen – und sei es erst nach Monaten, aber eigentlich immer noch zu früh – schließlich nur die innere Stimme machtvoll Einhalt gebieten kann: „Schluss jetzt! – Aufhören! – Es ist vollbracht!“ – wenn der letzte Pinselstrich gesetzt, das letzte falsche Pixel getilgt, die letzte Unebenheit beseitigt ist. Zumindest vorläufig. Bis zum nächsten Morgen. Wenn ihnen in der oberen rechten Ecke plötzlich dieser merkwürdige Grünton auffällt, der auf keinen Fall so bleiben kann und deshalb …

Eine sich entwickelnde Passion
Nicht eine bereits lange währende Leidenschaft für Kunst, sondern eher eine sich langsam entwickelnde Passion – „Folge bestimmter Erfahrungen und Ausdrucksmöglichkeiten“ – sieht Dr. Joachim Benedix, Leiter des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Kassel, als Triebfeder für sein künstlerisches Schaffen. „Für mich, als Spätberufenen, bedeutet die Beschäftigung mit meinen Bildern zunächst Entlastung. Zum einen, weil die Möglichkeit, in selbst gewählter Isolation Bilder zu erstellen, für mich Ruhe und Entspannung bietet, da mein beruflicher Alltag vom Umgang mit Problemen und Konflikten sowie von vielen menschliche Kontakten geprägt ist. Zum anderen, weil mir meine Bilder die Möglichkeit eröffnen, viele Ereignisse meines beruflichen Alltags zu verarbeiten. Das heißt im Umkehrschluss: Ohne meine beruflichen Erfahrungen und meinen professionellen Hintergrund würde es meine Bilder nicht geben. Dass es Bildcollagen sind – und nicht etwa Gedichte, Romane oder Ölgemälde – hängt sicher sehr eng mit meiner Vorliebe für Technik zusammen, insbesondere mit meiner jahrzehntelangen Erfahrung in Präsentationstechniken. Dabei verbinde ich Fotografien mit grafischen Elementen – und gelegentlich kurzen Textpassagen – zu inhaltlichen Reflexionen über politische, psychologische oder philosophische Themen. Die Anlässe sind dabei unterschiedlich: Das kann ein Artikel in der Presse sein oder die Charakterisierung von Persönlichkeiten. Daneben bekomme ich aber auch wesentliche Impulse durch die Städte, die ich besuche. Auf diese Weise sind in den letzten fünf Jahren zirka 80 Bilder entstanden und es hat sich ein ganz eigener Stil entwickelt.“

„Dass Herzblut in die Arbeit fließt“
„Kunst-machen ist auf den ersten Blick eigentlich gar nichts Besonderes“, sagt dazu der Bildhauer, Kunstpädagoge, Therapeut, Maschinenschlosser und Schmied Thomas Hofer, unter anderem Mitbegründer der KunstWerkstatt auf der Marbachshöhe. „Ganz wichtig ist jedoch, dass man in seinen künstlerischen Tätigkeiten geradezu aufgeht, dass einem wirklich das Herzblut in diese Arbeit fließt. Oder, mehr philosophisch gesprochen: Wenn man dabei ein Stück von der eigenen Existenz im augenblicklichen Da-Sein erhaschen kann, dann ist man Künstler – keine Frage. Denn es kommt gar nicht so sehr auf die Art der Beschäftigung an, als vielmehr auf die Intention, die innigliche Bereitschaft und Offenheit, mit der wir uns den Dingen und Menschen nähern. Weil wir gerade in diesem Sich-gegenwärtig-machen eines Ereignisses, einer Begebenheit, im Stande sind, viel von der Kunst zu lernen. Zum einen muss man sich dafür in die „richtige“, das heißt künstlerisch-sensible Stimmung versetzen können, in einen Zustand entspannter Konzentration. Zum anderen braucht es aber auch ein übergewöhnliches Interesse an dem, was uns umgibt und was uns gerade begegnet. Denn Kunst-machen heißt: eine immense Schaffenskraft, einen starken Willen aufbringen, um Zeit vergessend einzutauchen in dem zu bearbeitenden Gegenstand, in dem man sich dann selbst wieder – oder vielleicht sogar ganz neu – entdecken kann.“

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