Leidenschaft Fullewasser

Foto: Mario Zgoll

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Für das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden gilt sie nüchtern als Bundeswasserstraße. 108,78 Kilometer lang, bis zu acht Meter tief, gesäumt von Schleusen und Wehren, frei für die gewerbliche Schifffahrt. Für die Kasseler aber ist sie schlicht die Fulle, so etwas wie die Seele der Stadt und genauso schön wie selbstverständlich. Dabei ist das Eldorado für Naturliebhaber und Sportbegeisterte – nur einen Katzensprung abseits der städtischen Hektik – ein ganz besonderes, ein Garant für Erholung und Entspannung. Gerade jetzt, wenn warme Sommertage über Wochen hinweg Tausende in und ans Wasser locken, erwacht das Leben am Fluss.

17 000 Boote und 35 Vereine
Die Zahlen sprechen für sich: 17 000 Sport- und über 1000 Verleihboote sind für die Fulda sowie ihre Schwestern Werra und Weser registriert, das Leben von rund 35 Kasseler Vereinen direkt mit dem idyllischen Strom eng verknüpft. Mehr noch: Spaß und Unterhaltung sind hier zu Hause, vor allem wenn der Zissel wie jetzt bald Zehntausende an die Ufer lockt. Mit mehr als 100 000 Besuchern rechnet Andreas Bornscheuer vom Zissel-Vorstand wieder, wenn das  traditionsreiche Heimat- und Wasserfest vom 30. Juli bis 3. August die Fulle zum Mittelpunkt einer Partymeile macht. Wasserfestumzug, Fackelschwimmen, Drachenbootrennen, Kanu- und Ruderwettkämpfe sind allesamt feste Programmhöhepunkte des Zissels und ohne die Fulda einfach undenkbar.

Wassersport und Kurzweil
Undenkbar auch die vielen anderen Möglichkeiten, die Fulle zu genießen. Michael Volkmann, aktiv im DLRG und begeisterter Motorbootbesitzer, zählt auf: Wassersport per Ruder-, Motor-, Tret-, Dampf- oder Drachenboot bietet die Fulle ebenso wie Kurzweil für Taucher, Angler, Wasserskifans. Nicht zu vergessen der Schulsport samt seiner Regatten, die Triathleten oder Inlineskater, die Schwimmer, Camper und FKK-Anhänger oder schlichtweg Naturliebhaber, die die idyllischen Plätze am Ufersaum längst zu schätzen wissen. Übrigens nicht nur zur Sommerzeit überaus attraktiv, sondern auch im Winter, wenn bei frostigen Temperaturen auch Schlittschuhläufer und Eisangler auf ihre Kosten kommen.

Ordnung und Sicherheit
Ganz sicher kein Grund zu Langeweile für Alexander Lorch. Als Leiter des Wasserschutzpolizeipostens Kassel hat er gemeinsam mit zwei weiteren Beamten rund ums Jahr die Fulda fest im Blick. Über 14 Kilometer zieht sich der Fluss unter nicht weniger als neun Brücken allein durchs Stadtgebiet. Hier für Ordnung und Sicherheit vor allem in den gefährlichen Bereichen der Wehre, Schleusen oder nahe des Kraftwerks zu sorgen, gilt ebenso sein Augenmerk wie publikumsintensiven Veranstaltungen am und im Wasser. Hinzu kommt der normale Polizeialltag, also Überprüfung des Tempolimits von 12 km/h Bergfahrt und 18 km/h Talfahrt, Ahndung bei alkoholisierten Bootsfahrten, Kontrolle der Verkehrsregeln, Unfälle, Diebstähle und die vielen anderen polizeilich relevanten Ereignisse.
Das Besondere der Fulda ist für Lorch, dass sie trotz ihres Status als Bundeswasserstraße ein Freizeitgewässer ist. Die Binnenschifffahrt reduziere sich auf die Fahrgastschiffe, ansonsten gehöre der Fluss den Kasselern im besten Sinne: „Vielleicht weiß der eine oder andere sie nicht so zu würdigen, weil sie einfach zu selbstverständlich ist“, so Lorch. Auch wenn sich der Wassersport vorwiegend in den Vereinen abspiele, so seien diese auch stets offen für neue Mitglieder, bestätigen auch Andreas Bornscheuer und Michael Volkmann. Hier in Zukunft noch ein bisschen mehr die Werbetrommel zu rühren, sei sicherlich auch angesichts der häufigen Nachwuchssorgen nicht verkehrt. Auch der immer wieder diskutierten Anbindung des Bugasees an die Fulda würden die Insider durchaus Vorteile abgewinnen wie auch mehr Bootsstege vor gastronomischen Lokalitäten ein Plus für hungrige Wassersportler bedeuten könnten. Michael Volkmann schmunzelnd: „So ein bisschen steckt die Fulda auch wie in einem Dornröschenschlaf.“

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