Leidenschaft Schreiben

Rolf Bläsing hat in seiner Freizeit einen erfolgreichen Roman geschrieben

Foto: Mario Zgoll

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Wie jede Leidenschaft hat die Leidenschaft für das Schreiben auch ein wenig mit Leiden zu tun. „Einen Roman zu schreiben, ist für jeden Autor eine beängstigende Aufgabe“, hat Simon Beckett einmal geäußert. Dieses Schriftsteller-bekenntnis zitiert Rolf Bläsing in seiner Antwort auf die Frage, ob man beim Verfassen von Literatur genauso viel Disziplin wie beim Laufen brauche. „Der Halbmarathon-Mann“ heißt Bläsings erster Roman, erschienen 2008 im Berliner Aufbau Taschenbuch Verlag und nun schon in erfreulicher dritter Auflage im Handel.

Rolf Bläsing, der in Felsberg im Schwalm-Eder-Kreis lebt, ist ein erfolgreicher Freizeit-Schriftsteller. In seinem „Brotberuf“ bearbeitet er keine Worte, sondern Zahlen, denn er ist im Bereich Konzernreporting tätig. Doch für das Schreiben lag, wie Bläsing formuliert, eine „Veranlagung oder auch Neigung vor, etwas, was sich auf Dauer nicht unterdrücken lässt.“ Nach einem zweijährigen Studium der Belletristik an der Akademie für Fernstudien begann er für die Öffentlichkeit zu schreiben. Er entwickelte die Figur des Läufers Rimbach, der Hauptfigur einer Kolumne, die er drei Jahre lang in der Zeitschrift „Runner‘s World“ veröffentlichte. Rimbach ist auch der Held seines Romans, erzählt wird darin die flotte Geschichte eines Mannes, den eine Frau und der Blick in den Spiegel auf Trab bringen.

Zurzeit arbeitet Bläsing an einem neuen Buch, es ist keine Fortsetzung des „Halbmarathon-Mannes“, zeigt aber ebenfalls den Protagonisten im Kampf mit den Elementen und den Widrigkeiten des Lebens. Wie es sich nun mit Laufen, Schreiben und Disziplin verhält?  Bläsing sagt: „Beim Laufen, wie ich es verstehe und ausübe, benötigt man wenig Disziplin, es ist überschaubar und eher ein Ausgleich zu anderen Aktivitäten. Beim Schreiben ist das schon anders. Es nützt zum Beispiel nichts, auf Inspiration zu warten. Wenn ich mich nicht hinsetze und anfange, und zwar jeden Tag aufs Neue, wird nie ein größerer Text zustande kommen.“

Der Literaturwissenschaftler Friedrich W. Block liebt flexible Geister

Nicht nur Schreiben kann eine Leidenschaft sein, sondern auch das Vermitteln von Literatur und Kunst. Dies zeigt der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block, der als Kurator der Stiftung Brückner-Kühner und als Leiter des Kunsttempels in wichtigen Kasseler Institutio-nen tätig ist. Viel unterwegs war Block in den letzten Monaten. Er hat etwa in München Herbert Achternbusch besucht, der am 27. Februar im Kasseler Rathaus den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhielt. Block sagt dazu: „Ich war beim Meister, um die Preisverleihung und die begleitenden Ausstellungen vorzubereiten, und hatte dabei die wundervolle Gelegenheit, einen Blick in seinen weiten, flexiblen, anarchischen Geist werfen zu dürfen.“

Ein anderer flexibler Geist ist der österreichische Schriftsteller, bildende Künstler, Komponist und Pianist Gerhard Rühm, den Block aus Anlass von dessen 80. Geburtstag im Februar mit einer Laudatio im Kölnischen Kunstverein ehrte. Und dann war Block als Jurymitglied in Berlin, wo einer seiner Weggefährten, der russische Lautpoet und Schriftkünstler Valeri Scherstjanoi, mit dem Alice-Salomon-Poetikpreis ausgezeichnet wurde – ein „einzigartiger und mutiger Preis“, wie Block bemerkt: Mehrspartenkünstler werden dabei prämiert, die Schreiben nicht nur „inhaltistisch“, sondern im besten Sinne poetisch betreiben.

Poetisch, wenn man unter „Poiesis“ in der ursprünglichen altgriechischen Wortbedeutung das „Schaffen“ in seiner ganzen Vielfalt versteht, sind auch die Erkundungen des von Block geleiteten Kunsttempels mit grenzüberschreitenden Projekten und alternativen Veranstaltungskonzepten. „Sprache“, meint der Literaturprofi Block, „ist etwas, das uns – anders als alle anderen Kunstmittel – von jeher schon selbstverständliches Lebensmittel ist, das uns völlig durchdringt und prägt. Sich hier bewusst einzuschalten, heißt im Herstellungsprozess unserer selbst und der Welt produktiv Erfahrungen zu machen – und das ist ein großartiges Vergnügen.“

www.kunsttempel.net

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