Der Herr der Stromer

Roland Gaber ist ein Pionier der Elektromobilität – unterstützt durch ein starkes Netzwerk und das Regionalmanagement

Foto: Florian Funck

Manuel Krieg, Projektmanager Mobilität im Regionalmanagement Nordhessen (links) und Elektro-mobilitätspionier Roland Gaber zeigen das Aggregat eines VW Golf citySTROMers. Foto: Florian Funck

Der rote Golf III, mit dem Roland Gaber durch seinen Heimatort Körle fährt, ist fast 20 Jahre alt. Draußen ist es bitterkalt, aber aus den Lüftungsschlitzen im Armaturenbrett kommt wohlig-warme Luft. An einer Kreuzung muss er anhalten, bevor er sich in den Verkehr der Vorfahrtstraße einordnen kann. Obwohl das Fahrzeug ein ganz normales Schaltgetriebe hat, tritt er hierfür nicht einmal die Kupplung. Geräuschlos setzt sich der Golf in Bewegung, als er den Fuß von der Bremse nimmt. Geräuschlos, weil elektrisch. Roland Gaber ist zweifelsohne einer der Pioniere der Elektromobilität. Schon in den Achtzigern hat er Elektroautos gebaut und betrieben.

Elektroantriebe als Leidenschaft
Angefangen hat alles im Heizölkeller seiner Eltern. „Wenn ich nach Hause kam, hatte ich schon den Geruch von Heizöl in der Nase“, erinnert er sich. Viel Zeit verbrachte er hier, um Elektroantriebe zu entwickeln. Sein Vater, ein Müllermeister, der in seiner Mühle selbst Strom erzeugte, habe ihm das Interesse an der Materie mitgegeben. So war es nicht verwunderlich, dass Gaber sich auch beruflich in diese Richtung orientierte.

Auch seinen ersten Elektrogolf hat Gaber noch. Einen Golf II, den er Ende der Achtziger umrüstete. Foto: Florian Funck

Bei Siemens in Kassel erlernte er den Beruf des Elektrotechnikers, beschäftigte sich zunächst mit Datenverarbeitung und Rechnertechnik. Er wurde Büroleiter von Siemens im Volkswagenwerk Kassel und bildete als solcher das Bindeglied zwischen beiden Konzernen. Nebenbei frönte er weiter seiner Leidenschaft: dem „Basteln“ an Elektroantrieben und Wechselrichtern.

Ein gebrauchter Cuore
Eines Tages sei Willi Volmar, Konstrukteur in der Getriebefertigung von VW, auf ihn aufmerksam geworden. „Er fragte mich, ob ich auch ein Auto auf Elektroantrieb umrüsten kann“, blickt Gaber zurück. Gaber bejahte und so machten sich beide gemeinsam daran, ihr erstes Elektroauto zu bauen. Als Basis diente ein gebrauchter Daihatsu Cuore. Und dann, an einem Morgen Ende der Achtziger, veränderte sich alles.

Nach wie vor sieht sich der Pionier als „Bastler“. Gerne verbringt er Zeit mit Wartung und Pflege seiner Fahrzeuge. Foto: Florian Funck

Mit breitem Lächeln ausgestiegen
„VW hatte bei Siemens angefragt, ob man denn auch Antriebe für E-Fahrzeuge baue“, erzählt Gaber. Zwei Entscheidungsträger der Siemens Automobiltechnik in Würzburg“ seien daraufhin auf ihn zugekommen, um sein Know-how abzutasten. „Um zehn Uhr etwa

waren sie bei mir, sind eine Runde im Cuore gefahren und mit einem breiten Lächeln ausgestiegen“, sagt Gaber. Von seinem Chef in Kassel wurde er freigestellt und wechselte nach Würzburg, um dort die Prototypen von Elektro-Straßenfahrzeugen der Automobilindustrie mitzuentwickeln.

Reise um die Welt
Mit Datenverarbeitung und Rechnertechnik war es nun vorbei. „Ich habe mir gedacht, das mit den Bits und Bytes hat doch keine Zukunft und habe mich für die Elektromobilität entschieden“, sagt Gaber. „Es konnte ja keiner wissen, dass das so kommt mit den Computern, aber ich habe die richtige Seite gewählt.“ In seiner neuen Funktion begann er, Automobilhersteller auf der ganzen Welt zu besuchen. Von GM in den USA über Hyundai in Korea, von Italien bis Spanien und Norwegen. Und natürlich im Inland: VW, BMW, Mercedes. „Für Renault haben wir ’91 den ersten Elektro-Clio gebaut, den ich auf der IAA präsentieren durfte“, erzählt Gaber.

Insgesamt zehn Elektrogolfs betreibt Roland Gaber. Das erdölunabhängige Fahren steht für ihn im Vordergrund. Foto: Florian Funck

Andere sammeln Briefmarken
Der erste Auftrag von VW, ein Antriebssystem für den Golf zu entwickeln, sei 1990 gekommen. „Vom Golf II gab es bereits 50 Stück mit Gleichstromantrieb. Für den Golf III habe ich einen Drehstromantrieb entwickelt, der deutlich besser funktionierte“, sagt Gaber. Der Golf CitySTROMer sei damals entstanden und in einer Kleinserie gebaut worden. Als man bei Siemens 2006/2007 entschied, das Thema Elektromobilität aufzugeben, erwarb Gaber sämtliche Ersatzteile für dieses Fahrzeug. Zehn CitySTROMer betreibt er noch heute, stellt sie Unternehmen und Privatleuten zur Verfügung und handelt mit Ersatzteilen. „Andere sammeln Briefmarken“, sagt Gaber.

Durch das Regionalmanagement und MoWiN.net vernetzt
Über das Mobilitätsnetzwerk MoWiN.net, das unter dem Dach des Regionalmanagements angesiedelt ist, hatte Gaber längst gute Kontakte geknüpft, um auch nach dem Aus bei Siemens weiter in diesem Bereich tätig zu sein. Nach einem Intermezzo bei SMA, wo er Seminare an der Solar Academy gab, wechselte er zum ISET, dem heutigen Fraunhofer-IWES. „Meinen heutigen Chef, Markus Landau, habe ich über die AG Elektromobilität kennengelernt“, sagt er. „Das Netzwerk war eigentlich der Hauptzünder unserer heutigen Aktivitäten bei Fraunhofer.“ Gegründet wurde die AG Elektromobilität im Jahr 2008 durch das Regionalmanagement und MoWiN.net. Sie ist seitdem Plattform für erfolgreich entwickelte und realisierte Projektideen sowie Kooperationsmöglichkeiten. Damit leistet die AG einen wichtigen Beitrag, um Arbeitsplätze zu sichern, Know-how zu binden und den Wirtschaftsstandort Nordhessen lang-fristig bestmöglich zu positionieren.

Auch beim Bau seines Hauses (Hintergrund) setzte Gaber auf erneuerbare Energien. Den größten Teil seines „Elektro-Sprits“ erzeugt er selbst. Foto: Florian Funck

Sehr viel passiert
MoWiN.net haben Gaber und sein „Lebensthema“ dementsprechend viel zu verdanken. Er vergleicht das Netzwerk mit einer Badewanne: „Es fließt viel rein und viel raus, der Wasserstand ist aber immer oben.“ Das Regionalmanagement bringe die Akteure der Branche in der AG Elektromobilität zusammen und ermögliche jede Menge Wissenstransfer. „Schauen Sie mal, was in Nordhessen in den letzten Jahren alles passiert ist“, sagt Gaber. „Wir haben über 100 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in der Region, testen im Projekt FREE unter anderem einen Elektrobus bei der KVG in Kassel im öffentlichen Nahverkehr und platzieren das Thema Elektromobilität immer tiefer im Bewusstsein der Menschen.“

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Ein Kommentar

Ulrike Janssen

Solche Visionäre müsste es viel mehr geben. Hut ab vor der Energie von Herrn Gaber dir Politik sollte mal in dieser Hinsicht einen Zahn zulegen damit auch unsere Umwelt besser wird.

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