Petra Nagels Kolumne: Geistesblitze …

Petra Nagel. Foto: Jörg Lantelmé… gibt es unendlich viele in Kassel. Geistesblitze beherzter und mutiger Menschen mit Visionen haben wir die documenta, spannende Museen, Kunstsammlungen, die Sammlung der weltberühmten Kinder- und Hausmärchen, Oscar-Preisträger und nicht zuletzt Herkules, Schloß, Löwenburg und Bergpark zu verdanken. Am Anfang war immer eine Idee. Und dann der Versuch, sie umzusetzen. Gegen Widerstände, mit Rückenwind. Egal: Es hat sich immer etwas bewegt in Kassel. Das ist wichtig.

Es gab und gibt neue Entwicklungen und Erfindungen, Versunkenes wird entdeckt, Entdecktes kunstvoll versteckt. Wichtig ist die Bewegung. „Kassel gewinnt“, so hieß der Slogan zur Kulturhauptstadtbewerbung. Ich denke, Kassel gewinnt immer dann, wenn vieles möglich ist. Wenn Geistesblitze den Raum beanspruchen können, den sie benötigen. Wenn quergedacht werden kann.

Als zum Beispiel die Grimms ihre Kinder -und Hausmärchen sammelten und mit Dorothea Viehmann Kaffee tranken, war nicht abzusehen, was sich aus ihrer Sammelleidenschaft entwickeln würde. Sie hatten durchaus ihre Schwierigkeiten, kämpften um ihre Existenz, wurden nicht immer geliebt und ernst genommen – aber sie haben weitergemacht. Ihre Visionen umgesetzt, aus was für Gründen auch immer. Sie haben es mit beinahe Kasselanerischem Eigensinn getan und sich nicht beirren lassen.

Die Kasseler Politikerin und Juristin Elisabeth Selbert hat dafür gekämpft, dass wir heute im Grundgesetz, Artikel 3,  den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ lesen. Und selbstverständlich finden. So selbstverständlich er ist, soviel hatte er auch mit einer Vision, mit Mut und mit dem nicht angepassten Denken einer starken Frau zu tun. Etwas auszuprobieren, nichts als gegeben hinnehmen, das ist Freiheit. Dem Blitz eigen ist ja oft ein Gefolge aus Donner und Grollen. Das muss man aushalten als eine Art kreativen Gewittersturm.

Ohne entschiedenes Engagement vieler Bürger, ohne ihre Geistesblitze, dass Kassel eine tolle Uni-Stadt sein könnte, wäre auch die Universität nicht entstanden. Heute ist sie eine viel gelobte Schmiede für Geistesblitze. Doch Studierende und Lehrende sind nicht allein.

Wir alle haben und hatten Geistesblitze, an die es sich zu glauben lohnt. Denken Sie an den Herkules. Ein Wunderwerk an Statik und Baukunst aus einem Jahrhundert, als an Kräne und Bagger und Computerberechnungen nicht zu denken war. Trotzdem hat’s funktioniert: Aus der Vision wurde Wirklichkeit, aus einer Idee, einem Geistesblitz Kassels geliebtes Wahrzeichen. Und das zeigt jeden Tag:
Alles ist möglich

Ihre Petra Nagel

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