Kolumne – Kassel komisch…

Die Kasseler Journalistin und Autorin Petra Nagel. Foto: Jörg Lantelmé… das ist ganz ernst gemeint: In Kassel gibt es die Galerie für komische Kunst, die Caricatura. In Kassel wird seit 1985 von der Brückner-Kühner-Stiftung und der Stadt der Preis für grotesken Humor vergeben. In Kassel spielen sich Abend für Abend in der Komödie die Schauspieler in die Herzen ihres Publikums. In Kassel im Starclub treten Artisten und Comedians aus aller Welt auf – auch aus Kassel. Und Kassel kann Karnevals-Hochburg mit ganz eigenem nordhessischem Charme sein. Kassel komisch – das ist nicht einfach so dahingesagt. Hinter dieser Überschrift für die ersten Kasseler Gespräche im Jahr 2009 verbergen sich Menschen und Institutionen, die allesamt mit den komischen Seiten des Lebens zu tun haben. Ein kleiner, feiner Wirtschaftszweig in Kassel. Ein spannender Job-Motor rund um den Humor und eine einzigartige Mischung, die diese Stadt auch auf der komischen Ebene ausmacht. Ob ich laut und fröhlich lachen möchte oder lieber schmunzelnd meine Stadt erkunde – alles ist möglich.

In Zeiten wie diesen kann es gar nicht genug Angebote geben, die das Leben von der komischen, manchmal sogar von der grotesken Seite zeigen. Das macht es leichter, den Wahnsinn des Alltags auszuhalten. Viele Lebensweisheiten wie „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ oder „Lachen ist die beste Medizin“ und „Lachen ist gesund“, zeugen davon. Ich persönlich mag es sehr, wenn Menschen herzhaft lachen können. Ganz ohne in diesem Moment über ihren Status, ihr Aussehen oder Ansehen nachzudenken. Lachen ist ansteckend und öffnet Türen. Lachen verbindet und über sich selbst lachen zu können, zeugt von der Fähigkeit zur erfrischenden Selbstkritik. Oft reicht auch ein Lächeln, um den Tag zu versüßen. Geschäfte, in denen ich mit einem Lächeln begrüßt werde, besuche ich gern. Ämter, in denen mir komplizierte Anträge mit einem verständnisvollen Lächeln nahegebracht werden, machen mir Mut. Und Autofahrer, die mich auch mal lächelnd in eine Schlange winken, nehmen jede Menge Stress von der Straße. Mit einem Lächeln geht vieles leichter. Auch wenn es in Wirklichkeit immer noch so schwer wie zuvor ist.

Dem Leben die komische Seite abzugewinnen, das halte ich für existenziell. Wie sonst sollten wir all die weltweiten Krisen, die privaten und weltweiten Katastrophen aushalten? Wenn nichts mehr hilft, hilft manchmal nur noch Humor. Möge er noch so grotesk oder schwarz sein. Hofnarren haben den Mächtigen früher  Spiegel vorgehalten – lächelnd lächerlich die eine oder andere Wahrheit aufbereitet. Kabarettisten, Comedians und Komiker tun das heute immer noch. Man denke an den Karneval, gereimte Wahrheiten und musikalische Gratwanderungen. Im Komischen steckt das Ernste, das Tragische, das Skurrile. Komisch darf gesagt, gezeichnet und getextet werden, was nicht ernsthaft ausgesprochen werden darf. Vom 14. bis 23. Februar 2009 gibt es in Kassel wieder ein Komik-Kolloquium, ein Festival rund um komische Literatur. Kassel ist im besten Sinne „komisch“ und überzeugt mit einem Lächeln.

Ihre Petra Nagel

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