Petra Nagels Kolumne: Kassel korrekt …

Die Kasseler Journalistin und Autorin Petra Nagel. Foto: Jörg LantelméEin Regierungspräsidium, ein Landeskirchenamt, ein kurhessisches Diakonissenhaus, ein Landgericht, ein Amtsgericht, ein Polizeipräsidium, ein Verwaltungsgerichtshof, ein Bundessozialgericht …

Manchmal lohnt sich eine schlichte Aufzählung, um ins Staunen zu geraten. Lauter Behörden, die den Zusatz korrekt verdienen. Aber auch lauter Behörden, die zuständig sind für tausende von Entscheidungen, die überregional agieren und zusammen tausende von Mitarbeitern haben. Kassel ist nicht nur Museumsstandort, documenta-Stadt und Märchenhauptstadt, Kassel ist auch ein wichtiger Verwaltungssitz. Es macht Sinn darüber nachzudenken, was das eigentlich heißt.

Zunächst einmal heißt es, dass Kassel eine wichtige Stadt ist. Eine Stadt in der mitgespielt wird, Politik gemacht wird, eine Stadt die mittendrin in Entscheidungsprozessen steckt und nicht langweilig wird. In den „korrekten“ Behörden steckt jede Menge Fachkompetenz und Infrastruktur. Hinter den Fassaden verbergen sich Ansprechpartner, Anlaufstellen, Ausbildungsplätze und Möglichkeiten, die man nicht immer sofort mit Kassel in Verbindung bringt.
Kassel ist beispielsweise Bischofssitz. Wir haben hier das Landeskirchenamt der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck mit über 200 Mitarbeitern, zuständig  für über 950000 Menschen. Kassel ist Bischofssitz, denn im Landeskirchenamt hat der zuständige Bischof, Professor Dr. Martin Hein, sein Bischofsbüro.

In Kassel gibt es eines von hessenweit drei Regierungspräsidien. Das ist zuständig für weit über eine Million Menschen und hat einen Einzugsbereich bis in den Landkreis Fulda und Hersfeld-Rotenburg. Ob Strafzettel oder Planfeststellungsverfahren – der Aufgabenbereich der Regierungspräsidien ist riesig. Aus meiner Sicht ist es wichtig zu wissen, was Kassel alles zu bieten hat. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Nur wer seine Umgebung kennt, kann sich mit ihr identifizieren und ein Wir-Gefühl entwickeln. Eines meiner stärksten Gefühle in dieser Stadt und dieser Region ist immer wieder, dass ich feststelle: Wir haben mehr, als wir wissen. Mehr, als sich auf den ersten Blick erschließt. Es lohnt sich hinzuschauen und die Stadt zu erforschen. Nur dann ist Kritik, aber eben auch Lob möglich.

Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze, die man kennt, will man halten, ausbauen, nutzen. 55 Diakonissen gehören noch zum kurhessischen Diakonissenhaus in Kassel. Ihre Leiterin ist seit vergangenem Jahr Pfarrerin Katrin Wienold-Hocke, selbst keine Diakonisse. Ein Novum, die Strukturen wandeln sich. Auf der einen Seite haben die Diakonissen Nachwuchssorgen, auf der anderen Seite öffnet sich der Orden. In Kassel kann man es miterleben. Je vielfältiger die Angebote in einer Stadt sind, desto interessanter ist eine Stadt. Und das heißt, dass man hier gern leben möchte. Und damit die Wirtschaft ankurbelt, touristisch interessant ist, kurze Wege hat und nicht in Bedeutungslosigkeit und Resignation versinkt. Sondern die Ressourcen nutzt, ausbaut, erweitert, stolz darauf ist. Auch das ist Infrastruktur. In den Köpfen und in den Herzen,

korrekte Grüße von
Petra Nagel

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