Kolumne: Parklücken mit Tücken

Mit den Parkhäusern ist das so eine Sache. Sie sind ja irgendwie toll. Die schönen Autos stehen warm und trocken. Wenn sie denn stehen. Jüngst fuhr ich durch ein helles, lichtes Parkhaus. Platz ist in der kleinsten Hütte. Und siehe da: Ein freier Parkplatz. Mit Säule. Ich parkte zentimetergenau rückwärts ein und frohlockte. Bis ich die Tür aufmachte. Beziehungsweise aufmachen wollte. Doch die Säule hinderte mich daran. Die Tür öffnete sich etwa 20 Zentimeter, dann war Schluss. Hinten drohte die Wand. Vorn drohte die Fahrbahn. Zur Beifahrertür aussteigen verbot sich – ich trug ein enges Kleid, es drohte ein Riss. Also fuhr ich ein wenig vor und zurück, rangierte ein wenig herum und quetschte mich dann irgendwie aus der Fahrertür heraus. Schräg gegenüber tat es mir eine andere Autofahrerin nach. Die Kombi-Klappe meines Wagens ging übrigens auch nicht mehr auf – kein Gedanke daran, hinter das Auto zu gehen.

Petra Nagel. Foto: Jörg Lantelmé

Petra Nagel. Foto: Jörg Lantelmé

Immerhin, das Auto stand. Das ist ja schon mal mehr, als man in diesen Zeiten erwarten kann. Ich quetschte mich also Zentimeter für Zentimeter an der Säule vorbei, versuchte die Autotür nicht am Beton zu zerkratzen und schätzte mich glücklich, der Blechkarosse entronnen zu sein. An meinen Fahr- und Parkkünsten zweifelnd, nahm ich den Parkplatz in Augenschein. Und siehe da: er war einfach nur eng. Platz ist Geld. Da half auch keine Akrobatik. Auch weitere Fahrstunden wären zwecklos. Im Fahrstuhl tauschte ich mich noch schnell mit der Leidensgenossin aus der Parklücke von gegenüber aus. Dann vergaß ich das enge Ärgernis.

Nach einem langen Arbeitstag wollte ich dann die Parkzeit auf dem schlanken Platz bezahlen. Vor mir ein edler Automat, der auch Scheine nimmt und wechselt. Sagen die Hersteller. So wie Parkhaus-Architekten wahrscheinlich sagen, dass die Plätze breit genug sind. Wahrscheinlich weil sie selbst mit Fahrer unterwegs sind oder eigene Parkhallen besitzen. Nun gut: Die Parkzeit für das eingequetschte Auto sollte teuer bezahlt werden. Ich war dazu ergeben bereit. Doch der Automat spuckte meinen Schein immer wieder aus. Ich überlegte, ob ein ganzes Parkhaus sich gegen mich verschwören kann? Ein netter Mensch neben mir tauschte schließlich seinen gegen meinen Schein ein, und plötzlich wurde das Papiergeld in aller Eile verschlungen. Das Wechselgeld klimperte und ich suchte die Ebene, auf der sich mein Auto versteckte. Wunderbarerweise fand ich diese Ebene auch irgendwann. Aber nur, weil der Wagen aufgrund seiner Platzangst laut um Hilfe schrie. Ich schaffte es irgendwie, mich wieder hineinzuzwängen, und kurvte davon. Wann wird das Auto mit integriertem Parkplatz erfunden?

Einen guten Herbst und immer einen großzügig gestalteten Parkplatz wünscht Ihnen
Petra Nagel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.