Petra Nagels Kolumne: Altmodisch modern …

Petra Nagel. Foto: Jörg LantelméDas Jahr hat gerade erst angefangen, ist mir aber schon wieder ganz vertraut. Ich habe alles erledigt, was am Jahresbeginn bei mir so anliegt. Rechnungen bezahlt, Zimmer aufgeräumt, ausgemistet, und, ich habe mir ein Telefonbuch bei der Post geholt. Wenn ich das in meinem Freundeskreis erzähle, ernte ich durchaus erstaunte Blicke. Und die Frage: „Warum das denn? Geht doch alles online.“ Oh, ich habe verstanden. In manchen Kreisen ist es gar nicht mehr schick, ein Telefonbuch aus Papier zu haben.

Alles wird all überall gegoogelt. Am Smartphone, am Laptop, am Tablet. Es gibt der Möglichkeiten viele. Bei mir aber liegt noch ein Telefonbuch neben dem Telefon. Ich habe noch ein Festnetz-Telefon und ich schlage Namen und Adressen in Telefonbüchern nach. Ich mag es nämlich sehr, Informationen auf Papier zu haben. Und auf Papier zu bannen. Das hat so etwas von Ewigkeit. Ich kann jederzeit in meinem schicken Telefonbuch nachschlagen. Es stürzt nicht ab, ich muss nichts speichern, abschreiben oder scannen.

Es ist einfach da und garantiert eine gewisse Beständigkeit. Genau wie meine Zeitung morgens oder die Zeitschriften, die ich gern lese. Mit Kaffee in der Hand. Oh, ich weiß, was mir einige jetzt sagen wollen: Die Zeiten ändern sich, stell Dich um, alles ist online, es gibt Reader und Online-Zeitungen und noch viel mehr. Weiß ich alles. Habe ich auch alles. Mein elektronisches Lesebuch ist für mich im ICE unentbehrlich. Mein Smartphone informiert mich schnell über die neuesten Nachrichten. Mein Computer bietet mir jeden Informations-Komfort. Aber meine Bücher riechen nach Papier. Verschwinden nicht in Online-Welten. Liegen neben meinem Bett und im Wohnzimmer und in der Küche. Haben Lesezeichen und manchmal leider auch Eselsohren. Sie sehen erlesen aus und erzählen mir Geschichten, auch aus meinem Leben. Sie sind ein Teil meines Lebens. Ein anderer Teil ist online und virtuell, aber eben nur ein Teil.
Und deshalb mag ich auch mein Telefonbuch. Fühle mich mit frischen, jederzeit abrufbaren Informationen beliefert. Und habe die Nummer schon rausgesucht, bevor mein Laptop überhaupt hell geworden ist. Außerdem habe ich auch noch ein selbst geschriebenes Telefonbuch. Und einen handschriftlich geführten Terminkalender. Mein Smartphone ruft nach mir, ich soll einen elektronischen Kalender führen. Ich will manche Dinge aber noch aufschreiben. Mit einem blauen oder schwarzen Filzstift. Da bin ich eigen. Zwischen den Seiten liegen kleine Zettel und Briefe. „Kann man alles elektronisch ordnen“, heißt es. Will ich aber nicht. Ich habe mein eigenes System. Ein individueller Mix aus allen Möglichkeiten, die das neue Jahr bietet. Er funktioniert. Auch bei Stromausfall und Akku-Schaden. Und wenn Sie mal eine Telefonnummer suchen: Ich empfehle ganz altmodisch ein Telefonverzeichnis auf Papier.

Ein gutes neues Jahr mit einem fröhlichen Mix aus allen medialen Möglichkeiten
wünscht Petra Nagel

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