Petra Nagels Kolumne: Ein Plädoyer für Urlaub vom Urlaub…

Die Sache mit dem Urlaub ist nicht so einfach. Urlaub ist das Zauberwort unserer Zeit. Urlaub bedeutet Abenteuer, ferne Länder, Erholung pur, Strand und blaues Meer, wolkenloser Himmel, romantische Sonnenuntergänge und gesellige Einsamkeit. Urlaub, so scheint es, ist die Zeit des Jahres, auf die alle zusteuern.

Ein Jahr ohne Urlaub? Geht gar nicht. Keine Urlaubsplanung? Undenkbar! Sechs Wochen Sommerferien zuhause? Wer macht denn so was! Ich zum Beispiel.

Ich bin kein Urlaubs-Fan. War ich noch nie. Früher in den Sommerferien stand Schwimmbad, beziehungsweise „die Badeanstalt“ auf dem Programm. Und Radfahren, Bücher lesen, Freunde treffen. Nichts war durchgeplant. Auch nicht die Langeweile oder der Regen oder die drückende Hitze. Es war einfach so. Wir hatten Sommerferien und wir hatten fast alle keine Sommerpläne. Wir hatten hitzefrei und durften in den Tag hinein leben.

Ich musste keinen Terminkalender zur Seite legen, ich hatte gar keinen. In den Sommerferien hatte ich frei und nur ein Problem: Ich wollte nicht, dass sie vorübergingen.

Urlaub, das ist für mich so geblieben wie zu Schulzeiten: Urlaub ist die Zeit, in der ich meine Zeit frei einteilen kann. Ich kann machen, was ich will. Und ich will oft eben nicht wegfliegen, nicht durchplanen. Ich will zuhause sein und ganz altmodisch meine Ruhe haben.

Außerdem kommt erschwerend hinzu, dass ich Angst vorm Fliegen habe. Natürlich bin ich schon geflogen. Natürlich kann ich mich zusammenreißen. Aber warum soll ich das ausgerechnet in der angeblich schönsten Zeit des Jahres tun?

Wenn ich Lust habe, fahre ich gern an die Nordsee. Auch im Winter oder im November. Damit bin ich auch nicht gerade „in“. Braun werde ich da auch nicht – erschwerend kommt hinzu, dass ich nicht gern in der Sonne sitze, sondern den Schatten suche. Übrigens auch im Sommer in meiner Kasseler Lieblings-Eisdiele. Ein Verhalten, bei dem mich mache Freundinnen dann oft ganz kritisch anschauen. In ihren Blicken steht Bedauern. Sie finden mich im besten Falle merkwürdig. Noch schwieriger wird es dann, wenn ich meine Urlaubspläne erkläre. Beziehungsweise keine habe.

Urlaub, das sind aus meiner Sicht die ganz persönlichen Auszeiten. Die oft nichts mit dem geplanten Urlaub zu tun haben. Der soll wiederum manchmal die Stimmung und die Laune für ein ganzes Jahr heben. Das scheint mir schier unmöglich. Für mich ist das nichts. Ich verabschiede mich auch im Alltag immer mal wieder in kleine, persönliche Urlaube. Vielleicht mal „Badeanstalt“. Oder Urlaubsgeschichten anhören …

… viele kleine Urlaubszeiten in Kassel wünscht Ihnen Petra Nagel

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Ein Kommentar

Klaus P. Spohr

Liebe Frau Nagel,
geplanter Urlaub kann und soll die Stimmung und Laune für länger als nur ein Jahr heben. Von meiner fünf wöchigen (geplanten) Tour durch die USA im Sommer 2005 profitiere ich heute noch. Erinnerungen an faszinierende Landschaften, quirlige Metropolen, einzelne Tage und Situationen sind präsent und werden im Familienkreis häufig rekapituliert.
Auf die Vorbereitung kommt es an – auf die richtige Beratung und Auswahl. Lassen Sie sich doch auch einmal vom Profi beraten – nehmen Sie Urlaub von Ihrer Einstellung und geniessen Sie Abenteuer, Erlebnis und Erholung in der Fremde. Herzlichst Ihr Klaus P. Spohr

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