Petra Nagels Kolumne: Kassel blühend

Haben Sie schon mal auf die Blumen und Blüten in Kassel geachtet? Ist Ihnen das rosafarbene Kirschblüten-Meer in der Treppenstraße aufgefallen? Die Osterglockenfelder am Weinberg, am Brüder-Grimm-Platz? Die Veilchen im Bergpark? Und die großen bunten, künstlichen Blumen an den Straßenlaternen in der Königsstraße, die passend zum Frühlingserwachen aufgehängt waren? Wenn man an den Laternen entlang schaute, etwa vom Rathaus Richtung Königsplatz, bildeten sie eine Blumenallee. Die mich auch an nicht so sonnigen Tagen fröhlich stimmte.

Weil Menschen sich um ihre Stadt Gedanken machen und gemacht haben. Und zwar um die Atmosphäre in ihrer Stadt. Rund 100.000 Frühblüher und 100.000 Sommerblüher zeigen im Laufe von Frühjahr und Sommer ihre Pracht auf öffentlichen Plätzen in Kassel.

Das Gartenamt der Stadt erstellt für jedes Jahr Farbkonzepte und überall findet man die Stadtfarben blau und weiß in Blüten verarbeitet.

Irgendetwas blüht immer in der Stadt. Und irgendwo sind immer Menschen unterwegs, die all diese blühende Pracht hegen und pflegen. Den Gärtnern an dieser Stelle herzlichen Dank!

Es sind die Kleinigkeiten, die eine Wohlfühl-Atmosphäre schaffen. Mal eben schnell ein Haus umbauen, eine Straße umplanen oder eine Fassade streichen, das ist nicht ganz so einfach. Aber einen Blumenkasten ins Fenster stellen, einen Blumenstrauß in den Eingang und eine gepflegte Grünpflanze ins Geschäft – das geht doch ziemlich problemlos. Die Kosten halten sich in Grenzen, Phantasie ist gefragt.

Ich wünsche mir viele phantasievolle Menschen. Die selbst die Initiative ergreifen, um etwas schöner und besser zu machen. Für sich und für andere Menschen. Wir nutzen ganz selbstverständlich den Bergpark, die Aue und Siebenbergen. Das Grün heilt unsere Seelen und wir staunen über die gepflegte Wildnis. Die irgendwann einmal jemand angelegt hat, der etwas Schönes schaffen wollte. Das er in seiner ganzen Pracht wahrscheinlich gar nicht mehr erlebt hat. Aber er hat seine Vorstellungen, seine Visionen von einem schönen Umfeld umgesetzt.

Ich denke, das geht in kleinen und in großen Schritten. Nicht jeder hat die Chance, gleich einen ganzen Bergpark zu planen, und zu bestücken. Die eine oder andere Blume pflanzen, das geht aber schon. Wenn dazu noch ein Lächeln kommt, eine freundliche Geste oder ein freundliches Wort, dann sieht auch eine Stadt gleich freundlicher aus.
An der Valentin-Traudt-Schule in Kassels Nordstadt „blühen“ immer abwechselnd, je nach Jahreszeit, echte und unechte Blumen in großen Fensterkästen. Direkt an der Straße, zwischen Beton und Autoschlangen. Seit Jahren ist das so. Seit Jahren freue ich mich daran, wenn ich vorbeifahre. Was für eine tolle Idee. Ein hoffnungsvoller  Farbtupfer zwischen vielen Problemen und Schulalltag.

Und eine weitere Idee, mit der man durch die Blume sagt: Wir sind uns den Aufwand wert. Gut so!

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