Petra Nagels Kolumne: Zeit, sich Zeit zu nehmen …

Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr 2012 – und schon während ich den Satz schreibe, ist mir klar, dass der Jahresanfang schon wieder weit zurück liegt. War nicht eben noch Weihnachten? Habe ich nicht gerade noch auf freie Zeit für Treffen und gemütliche Abende zwischen den Jahren gesetzt? Schon wieder vorbei. In den Blumengeschäften lachen mich bunte Tulpen an, die letzten Weihnachtsmänner aus den Schaufenstern werden in den vorläufigen Ruhestand geschickt.

Dem Jahreswechsel folgt mit Karneval die fünfte Jahreszeit, dann haben wir ganz offiziell eine Verabredung mit dem Frühlingsanfang und eigentlich auch schon längst die Sommerferien geplant. Die Zeit rast. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich vor lauter „Mitrasen“ nicht aus der Kurve getragen werde. Früher konnte es mir nicht schnell genug gehen: Endlich eingeschult, endlich Abitur, endlich den Führerschein, endlich zum Studium, endlich in den Beruf… Doch irgendwann hat sich diese innere Unruhe gelegt. Mittlerweile möchte ich gar nicht mehr, dass alles so schnell geht. Im Gegenteil, manche Entwicklungen überrollen mich. Also versuche ich die vielen Ratgeber und Ratschläge zu beherzigen, die mir sagen ich soll mehr im Heute leben, nicht so sehr in der Zukunft. Manchmal fällt mir das allerdings sehr schwer. Zum Beispiel dann, wenn der Frühling fast zum Greifen nah ist, aber immer noch winterliches Schmuddelwetter herrscht. Oder ich mit dem Thema Schnee abgeschlossen habe und dann morgens von einem zugeschneitem Auto überrascht werde. Da setzen dann merkwürdige Effekte ein: Schnee im Winterurlaub ist toll, soll liegen bleiben und ist die schöne Seite des Jahresanfangs. Schnee nach dem Winterurlaub ist lästig, macht Arbeit und soll dem Frühling und den warmen Tagen Platz machen. Schmuddeltage vergehen nur langsam. Strahlend schöne Tage sind schnell vorbei. Ein schöner Sommer war immer zu kurz, oder? Im Wartezimmer eines Arztes scheint die Zeit stehen zu bleiben. Öde Langeweile bricht sich Bahn. Ein toller Kinoabend aber ist rasch vorbei, ein rauschendes Fest viel zu schnell vorüber. Ich bin überzeugt davon, dass eine Verspätung von zehn Minuten am Bahnhof mindestens 20 Minuten dauert, wenn es sehr kalt ist und ich stehen muss, werden aus zehn Minuten gefühlte zwei Stunden. Bei einem Treffen mit Freunden allerdings verfliegt die Zeit und aus drei Stunden wird gefühlt nur eine.

Zeit, das ist meine ganz persönliche Relativitätstheorie, Zeit ist eine individuelle Einheit. Und das Jahr ist immer so jung, wie man es möchte. Jeden Tag fängt für jeden von uns ja auch ein neues Lebensjahr an… Deshalb wünsche ich Ihnen an dieser Stelle ganz viel Zeit, um das neue Jahr zu genießen.

Ihre Petra Nagel

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