„Engagement ist selbstverständlich – einfach machen“

Vize-Landrätin Susanne Selbert im Gespräch mit Jérôme-Autorin Petra Nagel. Foto: Mario Zgoll

Vize-Landrätin Susanne Selbert im Gespräch mit Jérôme-Autorin Petra Nagel. Foto: Mario Zgoll

„Ich war politisch schon immer sehr aktiv. Habe in der Oberstufe gegen Berufsverbote gekämpft, Anti-Atomkraftdemos besucht und war im Frauen-Café engagiert. Das war für mich einfach selbstverständlich“, sagt Susanne Selbert (SPD), Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Kassel und Vize-Ländrätin. Nach dem Abitur studierte sie Jura in Göttingen, machte ihr Referendariat in Kassel und in Jerusalem und ging nach dem zweiten Staatsexamen in eine Kanzlei nach Hamburg, spezialisiert auf internationales Recht und Familienrecht.

Politisches Engagement gehörte immer zum Leben dazu
Susanne Selbert erzählt mit Freude und Leidenschaft über die beruflichen Stationen in ihrem Leben. Eine gute Ausbildung, damit verbunden auch eine Karriere, auch das war für sie und ihre Familie selbstverständlich. Das ist sicher den starken Frauen der Familie geschuldet: Susanne Selbert ist die Enkelin der Kasseler Juristin Elisabeth Selbert, die als eine der Mütter des Grundgesetzes gilt. Sie kämpfte in alles andere als gleichberechtigten Zeiten für einen folgenschweren und wichtigen Satz in Artikel 3 des Grundgesetzes: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Hart erkämpft: Männer und Frauen sind gleichberechtigt
„Meine Großmutter war sicher keine Großmutter, so wie Kinder sie sich vorstellen. Sie war eher ernsthaft, intellektuell, sehr interessiert und suchte den Dialog“, erinnert sich die Enkelin. Und fügt hinzu: „Sie forderte uns immer wieder auf, die Dinge, die uns betrafen, selbst in die Hand zu nehmen.“ Bis zu ihrem Tod sei Elisabeth Selbert ein politischer Mensch gewesen, fit und diskutierfreudig. Auch die Mutter von Susanne Selbert ist bis heute politisch aktiv und nimmt auch  heute, mit 86 Jahren, am gesellschaftlichen Leben teil. Sie war Vorsitzende der deutsch-israelischen Gesellschaft und förderte den Wunsch der Tochter, nach Jerusalem zu gehen. Die starken Selbert-Frauen hatten und haben allesamt starke Männer: Denn die wiederum förderten ihre Frauen, betreuten Kinder und managten den Familienbetrieb gleichberechtigt.

Starke Selbert-Frauen – starke Selbert-Männer
Der Ehemann von Susanne Selbert, „meine große Liebe, mit ihm wollte ich meine Kinder in Kassel großziehen, denn Kassel ist sehr lebenswert“, blieb sechs Jahre zuhause, um Sohn und Tochter zu versorgen und seiner Frau Freiräume zu verschaffen. Susanne Selbert erzählt all das mit großer Lässigkeit und völlig unverkrampft. Nach ihren Jahren in Hamburg stieg sie bei ihrem Bruder Axel in die Kanzlei in Kassel mit ein. Danach wurde sie Dezernentin für den Bereich Umwelt im Regierungspräsidium, später Amtsleiterin im Dezernat Umwelt beim Landkreis Kassel, es folgten weitere Stationen beim Landkreis – und seit Juli 2009 ist Susanne Selbert Vize-Landrätin.

Keine Scheu davor, Verantwortung zu übernehmen
Verantwortung übernehmen, das ist ihre Sache. „Einfach machen“, sagt sie strahlend. Und: „Man muss die Menschen mögen, ich bin sehr gern unter Menschen.“ Sie, die gern die Welt bereist. ist in Nordhessen glücklich und wünscht sich: „Mehr Selbstbewusstsein für die Region“.

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