Berger & Wyse: Gastronauten und neurotisches Gemüse

Der Legende zufolge trafen sich Joe Berger und Pascal Wyse in einem Aufzug, in den beide nach einem unzufriedenstellenden Treffen mit ihrem jeweiligen Agenten gestürmt waren. Und so taten sich die beiden zusammen, ertränkten ihren Ärger in Martini und bildeten fortan das Cartoonduo Berger & Wyse. Dies geschah im Jahr 2000. Ihre erste gemeinsame Arbeit war ein kurzer Animationsfilm mit dem Titel „Matchbox“, der umgehend von den Veranstaltern von „Resfest“, einem US-amerikanischen Festival für digitalen Film, ausgewählt und auf dem Festival gezeigt wurde. Weitere Animationen erschienen auf Channel 4, BBC, BSkyB und Animal Planet. Ihre Titelsequenz für die BBC-Serie „Hustle“ wurde für renommierte Preise wie den Emmy und den Royal Television Society Award nominiert.

Regelmäßig im „Guardian“
Seit 2003 produzieren Berger & Wyse wöchentlich – nämlich jeden Freitag – einen Comicstrip mit dem Titel „The Pitchers“ für die traditionsreiche und weltbekannte britische Tageszeitung „The Guardian“. Die Serie zeigt den Hollywood-Wahnsinn aus der Perspektive zweier Drehbuchschreiber. Seit 2007 erscheint außerdem regelmäßig ein Cartoon von Berger & Wyse zum Thema „Essen“ in der Wochenend-Ausgabe des „Guardian“. In diesen Cartoons finden sich Charaktere wie die Gastronauten und jede Menge neurotische, sprechende Gemüsesorten nebst satirischen Seitenhieben quer durch alle Gesellschaftsschichten. Im Jahr 2011 erschien ein Best-of dieser Cartoons unter dem Titel „Collected Food Cartoons from the Guardian“ auch in Buchform und wurde umgehend mit dem Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet.

Mit der Zeit gehen
Beide Hälften von Berger & Wyse sind auch solo unterwegs. Joe Berger veröffentlichte mehrere Kinderbücher, etwa die Serie „Bridget Fidget“, die er auch selbst illustrierte. Pascal Wyse lebt in London und ist sowohl Musiker als auch Autor. Für den „Guardian“ schreibt er wöchentlich eine Musikreportage. Sein 2009 erschienenes Buch „Wyse Words: A Dictionary for the Bewildered“ wurde von Joe Berger, der im 200 km entfernten Bristol zuhause ist, illustriert. So ähnlich sieht auch die Aufteilung bei Berger & Wyse aus: Die Witze erdenken, ersinnen und erspinnen sie gemeinsam. Die Entfernung stellt dabei kein Hindernis dar – schließlich habe man ja Telefon, Mail und was es mittlerweile sonst noch so an Kommunikationsmedien gebe. Die zeichnerische Ausführung liegt allein in Joe Bergers Händen. Dieser arbeitet seit Jahren nur noch digital – man müsse schließlich mit der Zeit gehen, außerdem sei das praktischer.

Reduziert und effektvoll
Der Humor von Berger & Wyse erinnert ein wenig an Gary Larson, die Cartoons selbst offenbaren Joe Bergers ganz eigenen Strich. Die Figuren – egal ob Mensch, Tier oder Gemüse – haben etwas niedliches, und genau das erzeugt die Spannung in den Berger & Wyse’schen Cartoons. Denn diese Niedlichkeit wird konterkariert von den seltsamen, skurrilen oder einfach nur komischen Situationen, in denen sie sich befinden, zu dem was sie sagen und wie sie handeln. Der Stil ist reduziert, mit wenigen Schattierungen. Die flächigen, intensiv gefärbten Hintergründe bieten den effektvollen Rahmen für die kleinnasigen, schmallippigen dünngliedrigen Figuren.

CARICATURA VI
Die Komische Kunst – analog, digital, international
Ausstellungsdauer: bis 16. September 2012
Öffnungszeiten: Do, Fr 14 bis 20 Uhr
und Sa, So, feiertags 12 bis 20 Uhr
Ort: CARICATURA – Galerie für Komische Kunst im KulturBahnhof,
Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Eintritt: 8,– Euro
Telefon: (0561) 776499
www.facebook.com/caricaturagalerie
www.caricatura.de

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