Die 180-Prozent-Sängerin

Nicole Jukic bekam gerade den Kasseler Kunstpreis. Im Januar wird sie eine CD aufnehmen

Foto: nh

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Was macht eine leidenschaftliche Sängerin im Interview? Sie spricht nicht nur, sie singt auch. So geschieht es im Gespräch mit Nicole Jukic, die zur Erläuterung schon mal ein paar Töne vorsingt, sei es aus einem ihrer Songs, sei es ein Lamento des Barockkomponisten Claudio Monteverdi. Die Sängerin, Songwriterin, Pianistin und Geigerin Nicole Jukic kam 1986 als Kind kroatischer Eltern in Kassel zur Welt und ist eine Grenzgängerin zwischen Jazz, Soul und Pop. Als wir sie treffen, hatte sie gerade eine ereignisreiche Woche hinter sich: Der 24. Geburtstag wurde gefeiert, es gab ferner einen Auftritt in der Kasseler Kulturfabrik Salzmann beim großen Benefizkonzert zugunsten der Flutopferhilfe für Pakistan. Außerdem bekam Nicole Jukic den Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung in der Sparte Musik. Und das Erste Staatsexamen hat sie auch noch erworben.

Jérôme: Gratulation, Frau Jukic, zu den Erfolgen der letzten Zeit. Was war eigentlich das Thema ihrer Examensarbeit?

Nicole Jukic: Es ging darum, ob bebilderte Musik besser bewertet wird als Musik ohne Bild. Das Besondere an dieser Arbeit war, dass ich die Hälfte der Videos von YouTube nahm. Es handelte sich um populäre Songs und um Titel, die von Pri-vatmenschen mit Videos bestückt worden waren. Als Testgruppen hatte ich zwei Schulkassen. Die Klasse war unterteilt in zwei Hälften. Beim ersten Durchlauf hat die erste Hälfte Titel 1 bis 3 mit Video gesehen und 4 bis 6 ohne, die zweite Hälfte umgekehrt. Und beim zweiten Durchlauf war es genau umgekehrt, so dass zuletzt jeder Schüler den Song sowohl mit als auch ohne Video gesehen und bewertet hat.

Jérôme:
Kamen die bebilderten Songs besser an?

Jukic: Grundsätzlich gab es keinen signifikanten Unterschied. Wenn ein Song jedoch mit Video gezeigt wurde, gab es einen Unterschied zwischen Laienvideos und professionellen Videos. Denn die Laienvideos wurden sogar besser bewertet als die Profi-Videos.

Jérôme: Das überrascht ein wenig. Ziehen Sie aus der Examensarbeit Schlüsse für Ihre musikalische Karriere?

Jukic: Nein. Ich habe die Arbeit weniger auf mich und mein künstlerisches Dasein bezogen. Das waren zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, als Examensarbeit eine praktische künstlerische Arbeit zu machen. Aber Kunst unter Druck und sich hinterher mit einer Leistungsbewertung in Form von Noten auseinanderzusetzen – das hat mir dann nicht so zugesagt. Für mich ist Kunst ja nicht primär eine Leistung, sondern ein Bedürfnis.

Jérôme: Wie sehen Ihre näheren Zukunftspläne aus?

Jukic: Ich widme mich ganz der Musik. Wenn ich jetzt ins Lehramt gehen würde, könnte ich nicht die Lehrerin sein, die ich sein wollte, weil ich nicht 180 Prozent geben könnte. Denn ich wollte immer noch Musik machen. In den letzten Wochen dieses Jahres werde ich mich an Arrangements ransetzen, da ich Ende Januar eine CD mit meinen Songs aufnehmen werde.

Jérôme: Eine Jazz- oder Pop-CD?

Jukic: Pop, aber nicht Pop wie Lady Gaga, sondern eher wie Norah Jones. Es gibt außerdem einige Stücke, die deutlich in die Soul-Richtung gehen. Es soll keine kleine CD werden, sondern schon ordentlich. Ich hab‘ mir vorgenommen, ich möchte eine CD machen, bei der ich auch nach Jahren sagen kann: Okay, ich hab‘ zu dem Zeitpunkt einen Traum verwirklicht, den ich in den Händen halten kann. Ich leg‘ die CD ein und hab‘ was. Es ist einfach ein Geschenk an mich.

Am 30. Dezember, ab 20. 30 Uhr, tritt Nicole Jukic im Kasseler Theaterstübchen auf.

www.nicolejukic.de

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