Jérôme Kassel

Kassel und Kurhessen königlich erleben



Hannes Wader: Der Liedermacher wohnt in Kassel

24. Juni 2009 | Von | Kategorie: Porträt 
Hannes Wader im Gespräch mit Jérôme-Redakteur Jan Hendrik Neumann. Foto: Mario Zgoll

Hannes Wader im Gespräch mit Jérôme-Redakteur Jan Hendrik Neumann. Foto: Mario Zgoll

„Das ist ja eine wunderbare Linde – eine Kronenbreite von 25 Metern! Wie schön.“ Hannes Wader ist ganz in seinem Element, als wir den prominenten Liedermacher und Weggefährten von Reinhard Mey im Bergpark vor Schloss Wilhelmshöhe treffen. Nicht weit von hier hat er im August 2008, nach 35 Jahren Nordfriesland, mit seiner Familie eine große Altbauwohnung bezogen – traumhaft gelegen und ergänzt durch einen großen Garten, den Wader selbst gestalten will: „Eine meiner Leidenschaften – das wird einfach großartig, fantastisch!“ Hier arbeitet der Musiker, auch ein Virtuose auf der Gitarre, nun bereits an den Liedern für sein 34. Album – das erste, das in Kassel entsteht. Die Eingewöhnung in seine neue Wahl-Heimat erfolgt dabei eher in langsamen Schritten – den äußeren Umständen und auch dem Naturell des bei Bielefeld geborenen Künstlers geschuldet, dem „das Westfälische immer noch an den Hacken hängt“. Tempo sei wohl vor allem deshalb die Sache des Schöpfers von „Heute hier, morgen dort“ nicht. „Eher ein bisschen ,verträumt durch die Gegend‘; in meinem Geist nicht in der Gegenwart, sondern immer irgendwo anders. Und das ist ja zum Songschreiben auch nicht hinderlich.“

Bocksprünge, Mohn und Hibiskus
Als hinderlich erweise sich stattdessen eher so manche Erwartung an ihn, etwa auf stets politische Lieder: „Missstände geißeln – das möchte ich nur als einen Teil meiner Möglichkeiten oder meiner Existenz begriffen wissen. Ich habe ‚7 Lieder‘ gemacht, habe Volkslieder, Arbeiterlieder, Schubert gesungen, Opernarien mit untergebracht – das sind Bocksprünge oder Haken, die kein anderer Sänger überhaupt jemals geschlagen hat. Und trotzdem unterstellt man mir oft Gradlinigkeit. Mit meinem Werk kann das nichts zu tun haben. Vielleicht mit der Attitüde.“ Kritik während des Entstehungsprozesses – auch diese ist offenbar wenig hilfreich: „Das habe ich früher oft zugelassen. Und auf diese Art sind dann viele schöne Lieder nicht zustande gekommen. Man hatte den Keim einer Mohnblume – und die Leute wollten plötzlich einen Hibiskus draus machen.“ In jüngeren Jahren sei er ohnehin leichter zu beeindrucken gewesen: „Als Prof. Walter Jens, damals PEN-Präsident, mir mal nach einem Konzert sagte, er habe ‚Hotel zur langen Dämmerung‘ nicht verstanden, habe ich das Lied 20 Jahre nicht mehr gesungen.“

Kein Pardon, aber die Kugel
hannes-wader3Mehr als 40 Jahre liegt es bereits zurück, dass Waders Wege fast ganz anders verlaufen wären. Damals noch Grafikstudent, erhielt er 1966 – nach seinem ersten Konzertauftritt beim Chanson-Festival auf der Burg Waldeck – das Angebot, als Layouter beim Satire-Magazin PARDON zu jobben. Wader nahm an und wurde für einige Monate Redaktionsmitglied, machte mit, wenn Herausgeber Hans A. Nikel forderte: „Also, liebe Freunde, wir müssen mal wieder ein Tabu brechen!“, wie er sich noch lebhaft erinnert. „Aber dann hat sich das alles verschoben zugunsten der Musik.“ Zu seinem 50. Geburtstag, am 23. Juni 1992, kam es dann noch einmal zu einer „indirekten Begegnung mit den Kollegen von damals – Waechter, Gernhardt, Poth und Weigle (F.W. Bernstein)“: Der frühere Justitiar von PARDON habe diese zusammengetrommelt: „Ihr müsst für Hannes ’ne Zeichnung machen!“ Die hänge nun bei ihm zuhause – „ein richtiger Schatz“ – und, kaum in Kassel, habe es „durch eine lustige Folge von Zufällen“ bereits Kontakte zur von Waechter & Co. mit auf den Weg gebrachten „Caricatura“ gegeben. „So hat sich der Kreis hier geschlossen.“

Ebenfalls mit 50 Jahren entdeckte Hannes Wader über Freunde den Kugelsport Boule für sich, „in einer Phase, in der man als Künstler leicht menschlich verkümmert, verschrumpelt, weil man niemandem verantwortlich ist“. Dank des Team-Spiels es es ihm jedoch damals gelungen, „noch die Kurve zu kriegen“ – auch dies eine seither anhaltende Leidenschaft, die dem Boule-Verein SG Rumkugler Kassel nun ein prominentes und zudem auch noch spielstarkes Mitglied beschert hat: „In Baunatal hätten wir beim Liga-Spiel kürzlich fast den ersten Platz gemacht. Aber die waren zu geizig, das Flutlicht anzumachen, und da musste abgebrochen werden – wegen Dunkelheit …“

Hannes Wader tritt am 29. November in der Kulturhalle Vellmar auf.
Tickets über www.ticketsbycall.de, weitere Infos über www.hanneswader.de

Tags: , , ,

14 Antworten zu “Hannes Wader: Der Liedermacher wohnt in Kassel”

  1. Günter Schullenberg, Düsseldorf sagt:

    Hannes Wader („Der Sänger d.Traums vom Frieden“ 26.11.82 „Die Zeit“), seine Lieder sollten Eingang in unsere Schulbücher finden, wie die seines Kollegen Mey auch in Frankreich; bei seinen Konzerten drückten seine kleinen Hintergrundgeschichtchen stets eine große Wärme und Intensität aus. Meine Tochter Inga, geb. 1980, die ich fast schon im Körbchen zu Wader-Konzerten mitnahm, sagte, als sie ihr Elternhaus verlies, dass sie seine frühen Lieder wie Muttermilch eingesogen hätte und, dass sie diese Liedern später ihren eigenen Kindern zugänglich machen würde. Sicher auch eine Hommage an einen großen Liederpoeten
    meine ich als Wader-Fan seit bald 40 Jahren.
    Günter H. Schullenberg, Düsseldorf.

  2. Irmgard Pracht sagt:

    Ich freue mich sehr, dass Hannes Wader sich neu sortiert hat , sich gut fühlt und wieder auf Tour geht! Habe Hannes im Februar in Bergheim gesehen und fand ihn wie immer wunderbar! Gitarre super, Stimme wie immer, Hannes pur, Songauswahl viel zu wenig, viel zu kurz! Ich wäre gerne noch geblieben und hätte Hannes noch ewig einfach nur zugehört! Alles wie immer , einfach nur Freude und Genuss! Aber: die beiden Damen vor mir weinten vor Wut, weil Hannes eben nicht mehr dauernd Kampflieder singt! Für mich muß er das sowieso nicht! Ich liebe eigentlich alles was er gemacht hat, mal mehr, mal weniger und seine Bellmann Lieder ganz besonders! Und ich fühle mich bei Wader Liedern sehr gut aufgehoben, was vielleicht ein wenig auch an meinem Alter und an meinem Beruf liegt! Jahrgang 1947, Buchhändlerin und Sprache liebend!

  3. Jochen Schmidt,Berlin sagt:

    …in meiner Kindheit an des Waldesrand,
    manchmal erinnere ich mich,
    da wuchs ein wilder Knöterich,
    mit dem mich gar manches verband…

    …er war tief verwurzelt und wucherte wild,
    fast geradezu so wie ich,
    wenn ich über Äcker und Wiesen schlich,
    mit Wünschen und Träumen gefüllt…usw.,usw.,usw.

    Viele Dinge aus dem Vergangenem,an die er uns oft in seinen poetischen Liedern erinnert,haben sehr viel mit meinem eigenem Erleben gemein.Angefangen auf der Burg Waldeck,über dem „Steve-Club“in der krummen Straße,dem „Quartier Latin“in der Potsdamer Straße,der „Neuen Welt“in der Hasenheide bis in die Jetzt-Zeit – gab er mir mit seinen mit melodischer Stimme gesungenen Texten Halt und Hoffnung,
    machte er den Alltag erträglich und weniger grau.
    (Würde Ihm gern einmal hierfür persönlich Dankeschön sagen,doch leider kenne ich weder eine Post noch eine E-Mail-Adresse)

  4. …auch wenn sich unsere Wege
    nur still und einseitig kreuzen:
    Hannes Wader durchzieht, benetzt, begleitet
    mit seinen Liedern mein Herz, mein Wesen.

  5. Irmi Quéinec sagt:

    Ich komme gerade von einem Konzert mit Hannes, seit 30 Jahren begleitet er mich durch mein Leben …. einer der letzten Hoffnungsträger in dieser rauen Zeit!!!
    Und immer wieder derselbe Zauber wenn er anfängt zu singen mit dieser unnachahmlichen Stimme, sie geht tief ins Herz hinein und macht es warm…

  6. helgo sagt:

    Mein vierzigstes Konzert bei ihm – in Dortmund, meiner alten Heimat-. Und zu meiner inneren Heimat gehört er auch, der Denker, Fühler, Poet und Sänger. Viele Menschen brauchen ihn, diesen träumerischen Realisten, und füllen deshalb wie vor vierzig Jahren die Hallen, in denen er auftritt. Das Konzerthaus in DO lässt seine immer noch mächtige, weiche und doch irgendwie auch hart durchdringende, Stimme durch die wunderbare Akustik heute besonders eindrucksvoll erklingen, so dass er von seinem Tontechniker sogar zwischen den Zeilen „mehr Gitarre“ fordern muss. Textsicher und mit wunderbarer Picking-Technik verzaubert er uns, all die mehr als 1200 Freunde seiner Kunst und seines ernsthaft-schelmischen Wesens, die zum Schluss in stehenden Ovationen nichts anderes ausdrücken möchten als ihre Dankbarkeit für einen -wieder einmal- wunderbaren Abend mit jenem weisen älteren Herrn, der immer noch erfrischend jugendlich sein Bestes für uns gibt. Danke, Hannes! Bis demnächst in Siegen zum 41sten! helgo

  7. mi.neuser-go sagt:

    Mein Mann ist wieder zurück von diesem erneuten Ausflug zu Hannes Wader. Diesmal nach Dortmund. Lange wusste ich nicht so recht, was da abging. Doch nun kenne ich den Grund. Dieser Sänger und Poet schenkt seinen geneigten Zuhörern so etwas wie ein Hormon, das der eigene Körper nicht bilden kann: er macht sie in einem kaum erklärbaren Maße glücklich, wenn sie ihn und vor allem seine Texte hören dürfen; Texte, die wie Leitplanken sind ins Leben, die die harten Stöße besser erklären helfen und die viele sanftere Anstöße sehr deutlich vor Augen führen.
    Ich scheue mich, von „Genie“ zu reden, aber nun glaube ich zu wissen, was man darunter versteht:
    ein ganzheitlicher Wurf nach der vollkommenen Kommunikation zwischen einem Botschafter und seinen Empfängern!
    Trotzdem bleibe ich auch in Siegen, Februar 2013, zu Hause.
    Vielleicht habe ich Angst vor dem Unerklärbaren. MiNeuGo

  8. Klaus Ohde sagt:

    Hallo Hannes Wader,
    bin eingroßer Freund Deiner Lieder. Leider kennen wir uns nicht persönlich, ich selbst – ein unbekanntes „Nordlicht“ kann krankheitsbedingt nicht mehr öffentlich auftreten, würde Dir gerne ein bis zwei meiner (lustigen) Lieder zur evtl. Übernahme in Dein Repertoire zukommen lassen.
    Zwecks evtl. Kontaktaufnahmne bitte ich Dich die Nachricht direkt persönlich zu senden.
    Im Vorraus ein Dankeschön, und weiterhin viel Erfolg.
    Mit frdl. Gruß Klaus Ohde

  9. Ich habe ein Friedens – bzw. ein aktuelles Antikriegslied (Text und Melodie) geschrieben.Ich würde gern Hannes Wader, aber auch Konstantin Wecker fragen, ob sie es singen wollen.
    Wer hilft mir , den Kontakt herzustellen?
    Herbert Kolss
    Feldbreite 100 A
    26180 Rastede
    E – Mail: h.w.koltz@web.de

  10. Willmut Krieger sagt:

    Lieber Hannes, Du bist für mich und meine Frau der „Größte“ – zusammen mit Konstantin!
    Heute hast Du Geburtstag! Dazu wünschen Wir Dir Gesundheit und die Kraft noch einige Touren durchzustehen.Vor drei Jahren in Oranienburg haben tausend Frauen geheult – vor Freude und Glück, weil wir zusammen mit Konstantin in Deinen Geburtstag hineinzusingen konnten!

    Es grüßen von Herzen, Deine Fans, Brigitte und Willmut Krieger aus Rheinsberg-Heimland.

  11. Monika Schröder sagt:

    Hannes, ich verehre, liebe und bewundre dich seit über 40 jahren. Zwischendrin haben J.S. Bach und andre Komponisten die Übermacht gewonnen aber vergessen hab ich dich nie. Hab mir just deine Schubertlieder CD bestellt und bin sehr gespannt darauf. Singe derzeit leidenschaftlich gern dein „In einem kühlen Grunde“ mit. Wie wunderbar du dieses schönd alte Volkslied interpretierst macht glücklich. Singe selbst in einem Konzertchor und liebe Stimmen. Von allen dt. Liedermachern gefällt mir dein Gesang am besten. Liebe Grüße von Monika aus Brackwede, seit 30 Jahren aber schon Rheinland
    J

  12. Dr.h.c. Günter Schullenberg sagt:

    Bin traurig, dass Hannes Wader im Nov.2017 sein letztes Konzert in Berlin gab. Als Trost bleiben nur die Erinnerungen bei seiner Begegnung mit ihm, als Fan (zufällig in Struckum) damals bei seinem
    50.Geb.Fest im gr.Zelt neben seiner Mühle eingeladen worden zu sein. Zuvor m.e.Ordensklamotte i.s.gr.Liederbuch „Dass nicht bleibt..“ ab S.221 ff. verewigt worden zu sein und durch einen „kleinen“ Schriftverkehr mit der „ZEIT“ den ersten Artikel i.d.Zeitg. durchsetzen konnte, nämlich mit dem Titel anno 1982 „Der Sänger des Traums vom Frieden“, der sogar i.e.Buch des Verfassers Michael Naura „Jazz-Toccata“ abgedruckt ist. Bereits zu seinem 74.Geb. 2016 habe ich als Fan folgendes Inserat hier abdrucken lassen:“Dem „Sänger d.Traums vom FRIEDEN“ Hannes Wader, der im „Hotel z.lg.Dämmerung“ einst „Arbeiterlieder“ intonierte u. trotz d.“Glut a.Horizont“ mal „Wieder unterwegs“ war i.d. Gewissheit z.e.“Auftritt“ u. „Nach HH“ m.“Es ist a.d.Zeit“ d.ergreifenste Lied aller Zeiten geg.Krieg,Unrecht u.Gewalt“ m.d.TOTEN HOSEN s.“Heute hier..“sang, d. besten Wünsche z.Geburtstag………………..“ gez.Günter Schullenberg, Düsseldorf“

  13. Jörg Strewe sagt:

    Als ich Hannes Wader zufällig beim Brötchenkaufen kennenlernen durfte, traf ich einen freundlich entspannten und auskunftsbereiten Menschen. Und genau da, bei diesem kurzen Aufeinandertreffen wurde mir bewusst, wie sehr mich in meiner Jugend seine „7Lieder“ beeinflusst haben.Wie tief sich seine Texte eingebrannt hatten, obwohl ich ewig keine Platte oder CD von ihm gehört oder überhaupt besessen hatte. Als Hannes dann anlässlich der Feierlichkeiten zum Weltkulturerbe Bergpark Kassel Wilhelmshöhe ein kurzes Konzert vorm Schloß gab,saß ich da ne halbe Stunde nur mit Gänsehaut. Obwohl ich weder seine Degenhardt-Interpretation noch Mey’s Mädchen in den Schänken je zuvor gehört hatte. Alte Musik war das,z.T. aus dem französischen übersetzt.Nichts davon kannte ich,aber es hat mich total gepackt.Diese Kraft und tiefe Beseeltheit ein Sänger zu sein und Gefühle aus früheren Zeiten ins Hier und jetzt zu transportieren. Das gelingt niemandem so intensiv und glaubwürdig wie Hannes Wader. Und sein wunderbares Gitarrenspiel, sein aktzentuiertes Fingerpicking machen seine Liedernoch unverwechselbarer. Je purer umso besser.Ich hoffe, daß sich Hannes Wader nach seiner langen Reisezeit mit dem nötigen Abstand nochmals dazu durchringen kann alte ( und auch neuere ) Lieder aus allen Epochen (am liebsten als 3er-Box) ganz pur, nur mit Gesang und Gitarre aufzunehmen. So wie das Johnny Cash mit Rick Rubin gemacht hatte. Ohne daß der Vorhang ebenso schnell fallen muß,wie es bei dem amerikanischen Kollegen der Fall war. Ja und ich hoffe,daß ich Hannes Wader nochmal live sehe.Da ich in deselben Stadt wohne,hoffe ich das das irgendwo nochmals gelingt. Ja und ich hoffe, er liest das hier! Danke Hannes Wader für Inspiration und Beispiel🎸🎙

  14. Dr.h.c.Günter Schullenberg sagt:

    Da sind wir ja alle Wader-Fan`s gespannt, auf die baldige Erscheinung eines neuen Buches, also seiner Biografie, meint ein H.W.-Fan seit über 40 Jahren; siehe auch s.Liederbuch „Dass nichts bleibt..“ ab S.221 ff

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.