Martin Perscheid – Sind wir nicht alle manchmal Deppen?

Martin Perscheid gehört zu den erfolgreichsten Cartoonisten Deutschlands. Foto: nh

Martin Perscheid gehört zu den erfolgreichsten Cartoonisten Deutschlands. Foto: nh

Martin Perscheid ist einer der erfolgreichsten Cartoonisten Deutschlands. Seine Zeichnungen haben allesamt eines gemeinsam: Sie haben alle das gleiche Format – ein Hochformat mit schwarzem Rahmen. Perscheid pointiert den Alltag und dabei kriegt jeder sein Fett weg: egal ob schwarz oder weiß, ob Mann oder Frau, ob Beamter, Pfarrer oder Polizist. Nichtsdestotrotz hat Perscheid eine Lieblingsfigur: den Deppen. Im Jahr 2002 war dieser sogar titelgebend für eines seiner zahlreichen Bücher: Wenn Deppen duschen.

Der Depp ist ein glatzköpfiges Männchen mit Brille und Knollennase, das mal Jürgen heißt und mal Martin. Diese Namensdopplung kann jedoch nur zufällig sein, denn laut Duden ist ein Depp ein einfältiger, ungeschickter Mensch, ein Tölpel, ein Dummkopf.

Zweirad Perscheid
Auch der motorisierten Welt gilt Perscheids besonderes Interesse – Motorrädern zum Beispiel. So finden sich in seinem umfassenden Werk – mittlerweile hat er beinah 3000 Cartoons gezeichnet – einige zum Thema Motorräder. Sogar ein ganzes Buch hat er ihnen gewidmet: Perscheid für Schrauber, erschienen im Jahr 2008.

Diese Affinität zu Motorrädern liegt bei Perscheid übrigens in der Familie. Sein Großvater hatte ein Motorradgeschäft, von dem der Zweite Weltkrieg allerdings nicht viel übrig ließ. Sein Vater gründete es dann später neu und so wuchs „Zweirad Perscheid“ in motorradmanie-provozierendem Umfeld auf.

Auch Autos haben es Perscheid angetan. Er selbst hat einen etwa 20 Jahre alten Saab, und auch in seinen Cartoons sind Autos oft eher handlungstragend als schmuckes Beiwerk. Das müssen sie auch sein, denn Martin Perscheid ist kein großer Freund von opulenten Szenerien. Seine Cartoons sind reduziert, sein Strich ist dafür umso prägnanter.

Menschenfreund
In seinem tiefsten Innern ist Martin Perscheid ein Menschenfreund. In seinen Cartoons nimmt er zwar alles und jeden aufs Korn, doch sind sie niemals nur bösartig, niemals eindimensional. In seinen Darstellungen des Deppen etwa schwingt immer zugleich etwas Liebevolles mit.

Vielleicht kommt das aber auch nur von der Liebe zu seiner Arbeit. Schon als Kind wollte Martin Perscheid, 1966 in Wesseling in der Nähe von Köln geboren und dort geblieben, Maler werden. Als Fünfjähriger soll er zu seinen Eltern gesagt haben „Wenn ich Geld brauche, male ich ein Bild, und sonst spiele ich mit den Kindern.“

Perscheid scheut sich auch nicht, sein Können an die nächste Zeichnergeneration weiterzugeben. Im Jahr 2011 etwa trat er als Tagesreferent bei der Sommerakademie für Komische Kunst in der Kasseler Caricatura Galerie auf.

Inspiration aus dem Alltag
Wie viele seiner Kollegen, ist er innerhalb der letzten Jahre dazu übergegangen, seine Zeichnungen digital zu kolorieren. Trotzdem bezeichnet er nach wie vor Bleistift und Radiergummi als seine wichtigsten Arbeitsutensilien. Das heißt, er zeichnet die Outlines seiner Cartoons nach wie vor von Hand, scannt das Blatt dann ein und koloriert es am Rechner. Das spart vor allem Zeit. Und natürlich hat man weniger Ausschuss, denn auch ein Profi vermalt sich gelegentlich. Digital ist so etwas schnell korrigiert, beim Kolorieren von Hand – also sozusagen analog – muss man dann oft von vorne anfangen. Das hat auch den Techniknostalgiker Perscheid überzeugt.

Die so gewonnene Zeit kann er zu unseren Gunsten in die Ideenfindung investieren. Seine Inspiration holt sich Martin Perscheid aus dem Alltag. Er stürzt sich auf menschliche Schwächen, egal ob große oder kleine, überspitzt sie, überzeichnet sie – manchmal ist das auch gar nicht nötig. Sind wir nicht alle manchmal Deppen?

Von Martin Perscheid erschienen u.a.: „Angeber der Karibik“ (2012), „Das Cartoonbuch für Väter “ (2010), „Abnehmen mit dem Mond“ (2009), „Der dicke Perscheid“ (2009, alle Lappan Verlag)

CARICATURA VI
Die Komische Kunst – analog, digital, international
Ausstellungsdauer:     bis 16. September 2012
Öffnungszeiten:     täglich 10 bis 21 Uhr

Ergebnisausstellung der Sommerakademie für Komische Kunst 2012
Ausstellungsdauer:
6. Oktober bis 4. November 2012
Eröffnung: 5. Oktober 2012, 19:30 Uhr
Öffnungszeiten: Do, Fr 14 bis 20 Uhr
und Sa, So, feiertags 12 bis 20 Uhr

Ort: CARICATURA – Galerie für Komische
Kunst im Kultur Bahnhof,
Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Kontakt: Tel. (0561) 776499, www.facebook.com/caricaturagalerie, www.caricatura.de

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